Kommt ein Mann in eine Bar….
Was klingt wie der Anfang eines Witzes ist auch der Anfang von OAK ROOM, einem Slow Burn – Thriller, mit RJ Mitte, den viele als Sohn von Walter White aus BREAKING BAD kennen.
Hier geht es um eisige Nächte, dunkle Spelunken und abgesägte Köpfe.
Die Handlung von THE OAK ROOM
In einer kalten kanadischen Winternacht kommt Steve in die Bar von Paul. Die beiden kennen sich, denn Paul war mit Steves inzwischen verstorbenen Vater befreundet, auf dessen Beerdigung der Sohn nicht einmal erschien. Das Wiedersehen fällt daher ebenfalls kühl aus und Steve soll offene Schulden begleichen. Die will er mit einer Geschichte zahlen und die Geschichte handelt von einer weiteren Bar….
Das ließe sich nun fortführen, denn in Steves Story, treffen erneut ein später Gast und ein Barkeeper aufeinander und es wird wiederum eine Geschichte erzählt.
THE OAK ROOM ist ein Slow-Burn-Kammerspiel mit Sog
Um es daher vorwegzunehmen, THE OAK ROOM ist ein dialoglastiges kammerspiel-artiger Werk mit Slow Burn – Charakter und wenigen Darstellern.
Zwar wechselt die Kulisse ein paarmal zwischen den schummrigen Kneipen und bindet auch einen weiteren Ort mit ein, trotzdem könnte man sich den Film auch als Theaterstück vorstellen…was daran liegt, dass er tatsächlich auf dem Theaterstück von Drehbuchautor Peter Genoway basiert.
Die eingangs erwähnten und per Filmcover angedeuteten abgesägten Köpfe sind daher nicht Hauptbestandteil des Films (tatsächlich ist es auch nur eine Enthauptung) und alle jene, die auf Actionreichtum hoffen, sollten THE OAK ROOM überspringen.
Was der Film hingegen schafft, ist der Aufbau von Atmosphäre. Zwischen allen Beteiligten und in jeder Szene liegt eine angespannte Stimmung in der Luft. Man ahnt, dass nicht nur die Situation zwischen Paul und Steve eskalieren könnte, zumal Paul jemanden anruft, dem Steve lieber aus dem Weg gehen will. Auch die anderen Personen zeigen rasch eine Ablehnung zueinander. Wer dabei die Gefahr und wer IN Gefahr ist, ist meist nicht eindeutig.
Die Stimmung entsteht somit nicht nur aus dem guten Gefühl in einer kalten Nacht in einer warmen Bar zu sitzen, sondern auch der Frage wer was vorhat und wohin das alles führt.
Verschachtelte Erzählung statt Action in THE OAK ROOM
Um das nachvollziehen zu können, sollte man wachsam zusehen und -hören, denn der Film enthält Details, die sich nur entdecken lassen, wenn man ihm seine Aufmerksamkeit widmet.
So fallen etwa in verschiedenen Erzählungen die gleichen ungewöhnlichen Sätze („Eine Geschichte sagt mehr als 1000 Worte“) oder ein bestimmter Gegenstand findet sich mehrfach wieder.
Wer RJ Mitte aus BREAKING BAD oder anderen Auftritten kennt, weiß, dass er unter infantiler Zerebralparese leidet, was zu einer speziellen Mimik beiträgt. Dem soliden schauspielerischen Gesamteindruck tut das keinen Abbruch, was natürlich gerade einem Film wie THE OAK ROOM hilft.
Trotzdem ist dies kein Film, mit dem sich Massen begeistern lassen. Zieht man den Vergleich zu Tarantinos THE HATEFUL EIGHT, der ebenfalls als Kammerspiel in einer winterlichen Spelunke angesiedelt war und jeder jedem misstraute, waren dort die größeren Namen, die geschliffeneren Dialoge und auch die rundere Geschichte.
THE OAK ROOM ist in jedem Belang eine Nummer kleiner und wenn sich am Ende das ein oder andere klärt, bleibt das Gefühl, dass der Weg das Ziel war, aber das Ziel eher wie ein Zwischenstopp wirkt. Oder anders formuliert, man hat eher den Eindruck die Pointe eines Kurzfilms zu erleben als den großen Twist oder Reveal eines Kinofilms.
Fazit zu THE OAK ROOM
Auch wenn „interessant“ ein alles- und nichtssagendes Wort ist, beschreibt es THE OAK ROOM gut.
Der Film ist nicht für jedermann und selbst jene, die sein Herangehen mögen, werden guten Grund zur Kritik finden. Lässt man sich aber auf die Ruhe einer späten Barstunde ein, saugt die Stimmung auf und behält die Kleinigkeiten im Auge, kommt man am Ende womöglich zum Schluss ihn als Geheimtipp abzulegen.
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FAQ
Ist THE OAK ROOM ein Horrorfilm?
Eher nicht. THE OAK ROOM ist ein ruhiger Slow-Burn-Thriller mit Kammerspiel-Charakter, der stark von Atmosphäre und Dialogen lebt. Die auf dem Cover angedeuteten abgetrennten Köpfe sind nicht der Kern des Films – tatsächlich gibt es nur eine Enthauptung. Wer auf Action oder Splatter hofft, ist falsch; wer verschachtelte Erzählungen und dichte Spannung mag, richtig.
Basiert THE OAK ROOM auf einem Theaterstück?
Ja. Der Film ist die Verfilmung des gleichnamigen Bühnenstücks von Peter Genoway, der auch das Drehbuch schrieb. Diese Herkunft erklärt den dialoglastigen, kammerspielartigen Charakter – Regisseur Cody Calahan setzt die wenigen, engen Schauplätze bewusst wie eine Bühne in Szene.
Wer spielt in THE OAK ROOM mit?
Die Hauptrolle des Steve übernimmt RJ Mitte, den viele als Walter Whites Sohn aus BREAKING BAD kennen. Mitte hat wie seine Figur dort eine infantile Zerebralparese, die zu seiner speziellen Mimik beiträgt. Ihm gegenüber steht Peter Outerbridge als Barkeeper Paul. Regie führte der Kanadier Cody Calahan (LET HER OUT).










