TURBULENCE steht in direkter Konkurrenz zu FALL. Wer beim Klettern auf Radiomasten feuchte Hände bekam, sollte sich überlegen, ob er in den Heißluftballon steigen möchte, der im turbulenten Thriller außer Kontrolle gerät. Die eigentlichen Turbulenzen ergeben sich aber nicht aus der Höhe, sondern den Mitreisenden.
Die Handlung von TURBULENCE: Eine Ballonfahrt ins Nichts
Zach und Emmy sind frisch verheiratet und in den Dolomiten wollen die beiden ihre Flitterwochen nachholen. Eine Fahrt im Heißluftballon samt Champagnerempfang scheint romantisch zu sein, doch nicht nur steigt in letzter Minute eine weitere Passagierin ein, sondern mit ihr auch ein unausgesprochener Konflikt und als die Lage zwischen Wolken und scharfkantigen Bergmassiven eskaliert und sogar Feuer ausbricht, müssen plötzlich unerfahrene Touristen versuchen den Ballon sicher zur Erde zurückzubringen.

Auch wenn FALL durch die Höhenproblematik einige Parallelen aufweist, bieten sich natürlich auch Werke wie THE SHALLOWS, FROZEN oder OPEN WATER als Vergleich an, also Filme mit großen Sorgen auf engem Raum.
Allerdings teilen diese Ansätze das Problem, dass es zwar wie purer Horror klingt in diesen Situationen festzusitzen, der Aktionsradius und der Radius der Aktionen aber limitiert bleibt.
Subplots, Survival, schöne Landschaften
Dem wirkt TURBULENCE nicht nur mit hübsch anzusehenden Aufnahmen der südtiroler Alpen, sondern auch mit einer Menge Subplots gegen, wobei man sich rasch fragt, was eigentlich gerade wichtiger ist: die massive Felswand, die Tatsache, dass der Ballon unkontrolliert höher und höher steigt oder doch die Frage, wer mit wem schlief.
Und so gibt es zwischen Messerangriffen, Feuer im Ballonkorb und einem unsicheren Korbboden auch immer wieder die Frage, ob Zach seine Frau betrogen hat.
Das lässt der Film immerhin geschickt lange offen, denn auch wen wir in einer der ersten Szenen sehen wie die Fremde sich in einer Bar zu Zach gesellt, erweckt der nicht den Eindruck von Interesse.

Und so wissen wir nicht, ob die Dame einfach wahnsinnig ist, eine gierige Erpresserin, eine enttäuschte Liebschaft oder ganz andere Motive mit sich bringt. Aber auch Emmy und Zach steigen mit seelischem Ballast in den Ballon, der selbstredend ebenfalls Platz findet.
Spoiler: Ein bisschen was von allem, was in Summe aber der Glaubwürdigkeit der Motivation schadet. Spoilerende
Der gesunde Menschenverstand sagt uns, dass zwischenmenschliche Probleme so lange warten könnten, bis man wieder sicheren Boden unter den Füßen hat, die Protagonisten sehen das anders.
Auch das kennt man von FALL, man kennt es sogar vom starken THE DESCENT.
Ob diese persönlichen Fragen nun nötig sind oder nur als Pausenfüller zu sehen sind, sei dahingestellt, am Ende dürfte sich der Großteil der Zuschauer aber doch für den Überlebenskampf interessieren und da war FALL (bei allen eigenen Logiklöchern) effektiver. Das Gefühl von Schwindel und Höhenangst kommt in TURBULENCE nur selten auf, was auch an einer unsteten Kameraarbeit liegt.
Da scheinen sich nicht nur die Berglandschaften im Hintergrund rasch zu verändern (man darf davon ausgehen, dass primär vor Green Screen gedreht wurde), manchmal hat das Bild eine Vignette, manchmal ist Einsatz von extremem Weitwinkel auffällig, manchmal wird mit Tiefenschärfe experimentiert, ohne einen durchgängigen Stil zu wahren.

Aber auch Szenen wie die, dass eine Person sekundenlang von oben bis unten in Flammen steht, die Haare aber scheinbar komplett intakt bleiben und die optisch drastischen Verletzungen so gar nicht schmerzhaft zu sein scheinen, steigert nicht die Glaubwürdigkeit.
TURBULENCE im Vergleich: Besser als FALL?
Schauspielerisch ist der Film prominent besetzt.
Olga Kurylenko (THE ROOM, CENTURION) als undurchschaubare Fremde, FRASIER-Darsteller Kelsey Grammer als Ballon-Führer, Jeremy Irvine (RETURN TO SILENT HILL) und Hera Hilmar (MORTAL ENGINES) kennt man allesamt.
Sympathisch und smart wirkt allerdings nur Hera Hilmar in der Rolle der Emmy, die bereit ist über sich hinauszuwachsen und zu tun, was getan werden muss.
Hinter den Kamera findet man Andy Mayson und Claudio Fäh als Autor und Regisseur. Die beiden haben bereits in der gleichen Konstellation den Flugzeug-Hai-Horror NO WAY UP umgesetzt und wer den sah, weiß in etwa, was TURBULENCE zu bieten hat.
TURBULENCE ist somit übrigens ein britisch-amerikanischer Film, der von einem Schweizer in Italien gedreht und mit einer isländischen Hauptdarstellerin und einer Französin ukrainischer Abstammung besetzt wurde. Internationalität ist hier in großen Lettern auf die Ballonhülle gestickt, was ansonsten aber wenig zur Sache tut.
Fazit zu TURBULENCE
Mehr Survival, mehr Schrecken, weniger Blabla und weniger Intrigen hätten dem Film gutgetan.
Insgesamt bleibt er aufgrund seiner dennoch einfachen, effektiven Geschichte trotzdem unterhaltsam, wird aber vermutlich niemanden dazu bringen den Jochen Schweizer – Geschenkgutschein für eine Ballonfahrt verfallen zu lassen, was auch eine Art von Versagen darstellt.
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Inhaltsverzeichnis
FAQ
Ist TURBULENCE ähnlich wie FALL?
Ja, beide Filme nutzen Höhe als bedrohliches Element. FALL setzt dabei stärker auf Schwindel und Höhenangst, TURBULENCE hingegen auf zwischenmenschliche Konflikte im engen Ballonkorb.
Wo wurde TURBULENCE gedreht?
Der Film wurde in den Dolomiten bzw. Südtiroler Alpen gedreht und bietet entsprechend beeindruckende Bergkulissen.
Wer spielt in TURBULENCE mit?
Mit dabei sind Olga Kurylenko, Kelsey Grammer, Jeremy Irvine und Hera Hilmar in den Hauptrollen.







