Bei den Begriffen Luis Tosar und Thriller fallen euch vermutlich Filme wie ZELLE 211, AUGE UM AUGE oder SLEEP TIGHT ein.
Im Horror verirrt sich der talentierte Spanier nur selten – das gilt auch für UNDERCOVER – UNTER FEINDEN – wenn es um Spannung geht, ist er aber oft nicht weit entfernt.
Wovon handelt UNDERCOVER – UNTER FEINDEN?
Spanien der 90er. Im Baskenland fordert die Untergrundorganisation ETA die Unabhängigkeit von Spanien und begeht blutige Anschläge. Unter dem falschen Namen Arantxa wird eine junge Polizistin über Jahre in das Umfeld der ETA eingeschleust und lebt mit Terroristen zusammen. Immer mit der Angst vor Entdeckung lebend ist ihr einziger Kontakt zur Außenwelt Kollege Ángel.
Ángel wird von Tosar gespielt, der damit zwar eine größere Nebenrolle (oder kleinere Hauptrolle) innehat, der Fokus liegt aber klar auf Arantxas Figur, was nachvollziehbar ist, da sie schließlich abgeschottet vom realen Leben über Jahre hinweg in einem feindlichen Umfeld arbeitet.
Obwohl sie von ihrer Mission überzeugt ist, entdeckt sie in dieser Zeit auch immer wieder Menschlichkeit im „Feind“ und Unmenschlichkeit in den eigenen Reihen.
Daraus hätte man leicht einen melodramatischen Paradigmenwechsel stricken können, aber auch wenn nach eigenen Angaben die Namen geändert wurden, beruht UNDERCOVER – UNTER FEINDEN auf Tatsachen und diesen Bezug nimmt man dem Film trotz verschiedener packend inszenierter Momente, bei denen die Polizisten beinahe entdeckt wird, ab.
Gespielt wird Arantxa von Carolina Yuste, die ebenfalls Erfahrung mitbringt (z.B. PERFEKT IST ANDERS), aber in Deutschland eher unbekannt sein dürfte. Ihre Rolle in UNDERCOVER mimt sie glaubwürdig, als jemand, die viel mitmacht, nie übertrieben selbstsicher auftritt, in der richtigen Situation aber auch mal den stärkeren (und oft bewaffneten) Männern die Stirn bietet.
Glaubwürdiger als „Undercover Boss“
Als sie das Vertrauen der Organisation gewinnt, findet Terrorist Kepa bei ihr Unterschlupf, später kommt ein weiterer Mann namens Sergio hinzu. Insbesondere Sergio ist misstrauisch, unberechenbar, aufbrausend und überheblich, sodass die junge Frau plötzlich nicht nur in einer latenten, sondern akuten Gefahr lebt.
Dem Film tut dieses nochmalige Anziehen der Spannung gut, allerdings ist Sergio in dem bis dahin geerdeten Streifen ein bisschen zu klischeebeladen und könnte auch in einem Hollywood-Film mitspielen. Dass er neben den schon genannten Eigenschaften die Wohnung vermüllt, Arantxas Katze hasst und auch ihr gegenüber übergriffig wird, ohne auch nur eine halbwegs positive Seite zu zeigen, wundert in dieser Art Film.
UNDERCOVER – UNTER FEINDEN lässt Fragen offen
Schade ist auch, dass man den Einstieg der jungen Polizistin in die ETA-Szene nur andeutet. Es wäre für den Zuschauer von Interesse gewesen, wie sie die ersten Kontakte knüpft. Gehst du einfach ins Baskenland und fragst nach einem Mitgliedsantrag?
Ebenfalls unklar bleibt, woher sich Tosars Figur den Spitznamen „Mr. Unmensch“ abholt? Denn das Attribut, das ihm die Kollegen zuschreiben, lebt er zu keinem Zeitpunkt.

Was UNDERCOVER – UNTER FEINDEN übrigens auch nicht anbietet ist eine brutale Aufarbeitung der Geschichte. Das gilt sowohl für die Brutalität als auch die Geschichte an sich.
Zwar zeigt der Film zwei Morde (insgesamt verloren in dem Konflikt weit über 800 Menschen das Leben) und das auch blutig-realistisch, ist darüber hinaus aber nicht auf Effekthascherei aus, sondern deutet auch hier vieles nur an, wie etwa dann, wenn eine Polizistin vor dem Losfahren routiniert einen Spiegel unters Auto hält, weil sie eine dort platzierte Bombe vermutet.
In seinem Heimatland dürften mehr Menschen mit der Historie vertraut sein, da Deutschland aber zwei Flugstunden entfernt liegt und sich die ETA 2018 auflöste, könnte ein kurzer Blick auf Wikipedia nicht schaden, bevor man einschaltet.
Gleichzeitig muss aber festgehalten werden, dass UNDERCOVER – UNTER FEINDEN trotz politischem Hintergrund seinen Fokus auf die verdeckte Ermittlerin und ihre ganz persönliche Geschichte richtet. Somit sehen wir im ganzen Film quasi keine Berufspolitiker und Anzugsträger.
Fazit zu UNDERCOVER – UNTER FEINDEN
Zwar lässt der Film einige Fragen zurück und überzieht einen Charakter, erzählt das Wesentliche aber ansprechend. Hinzu kommen diverse Einzelszenen, die ihre Spannung daraus ziehen, dass Arantxas Einsatz auffliegen könnte, was fatale Folgen hätte.
Wem daher nach einer Mischung aus Krimi, Thriller und Milieustudie ist und schon immer mehr vom Baskenland wissen wollte, kann UNDERCOVER – UNTER FEINDEN ans Herz gelegt werden.
Der deutsche Trailer zu UNDERCOVER – UNTER FEINDEN
Inhaltsverzeichnis
- Wovon handelt UNDERCOVER – UNTER FEINDEN?
- Glaubwürdiger als „Undercover Boss“
- UNDERCOVER – UNTER FEINDEN lässt Fragen offen
- Fazit zu UNDERCOVER – UNTER FEINDEN
- Der deutsche Trailer zu UNDERCOVER – UNTER FEINDEN
- FAQ
- Beruht UNDERCOVER – UNTER FEINDEN auf einer wahren Begebenheit?
- Welche Rolle spielt Luis Tosar in UNDERCOVER – UNTER FEINDEN?
- Muss man die Geschichte der ETA kennen, um UNDERCOVER – UNTER FEINDEN zu verstehen?
FAQ
Beruht UNDERCOVER – UNTER FEINDEN auf einer wahren Begebenheit?
Ja, der Film basiert auf Tatsachen. Er erzählt die Geschichte einer jungen Polizistin, die in den 90er Jahren über mehrere Jahre hinweg undercover in das Umfeld der baskischen Untergrundorganisation ETA eingeschleust wurde.
Welche Rolle spielt Luis Tosar in UNDERCOVER – UNTER FEINDEN?
Luis Tosar spielt Ángel, den Vorgesetzten und einzigen Kontakt der Undercover-Agentin zur Außenwelt. Er hat im Film eine größere Nebenrolle.
Muss man die Geschichte der ETA kennen, um UNDERCOVER – UNTER FEINDEN zu verstehen?
Man kann der Geschichte auch ohne Vorwissen folgen, da die emotionale Isolation der Hauptfigur im Vordergrund steht. Ein kurzer Blick in die Historie hilft jedoch, die Hintergründe besser einzuordnen.









