Wir müssen reden: „Sammler und ihr Verpackungsfetisch“ oder „von einer Woche trocken Nudeln ist auch noch keiner gestorben“

Viele von euch kennen es aber ich weiß, die meisten von euch können bei diesem Thema nur unverständlich mit dem Kopf schütteln.Sondereditionen, Mediabooks, Steelbooks, Metalpacks, VHS-Editionen, Hartboxen und Co.
Für nichts stürze ich mich lieber in die, sonst so strikt gemiedenen, Menschenmassen und besuche Börsen, Conventions etc.

 

Was für die meisten nur eine völlig unnötige und überteuerte Verpackung ist, löst bei Sammlern und Fulltime-Nerds, wie mir, regelmäßig ein bis mehrere Freudentröpfchen aus. Was soll ich sagen, ich bin halt ein Ästhet und ich mag es, wenn die Dinge, die ich von ganzem Herzen liebe, auch hübsch und liebevoll angezogen sind. Viele sammeln aber auch aufgrund der Limitierung und des evtl. steigenden Wertes, welches bei mir aber nur ein sekundärer Aspekt ist. Dass die Masse das nicht verstehen kann, kann ich sogar irgendwie nachvollziehen, es kommt ja auf die inneren Werte an. Oder? Ne, da bin ich leider sehr oberflächlich, ich mag normale Amarays einfach nicht, die kommen mir tatsächlich nur bei sehr unwichtigen Filmen ins Haus oder aber, wenn keine Sondereditionen verfügbar sind. Und dann bevorzuge ich definitiv auch die DVD Amaray, nichts ist hässlicher, als eine Bluray Amaray Hülle. Am liebsten sind mir Mediabooks, vor allem, wenn Soundtrack, Bonus CDs und Booklets inkludiert sind. Ich stehe total auf solche Zugaben, Hintergrundinfos zu den Filmen oder Interviews mit Regisseuren oder Akteuren, voll gut! Comic-Verfilmungen gibt’s nur als Steelbook.

Das einzig fiese an dieser Leidenschaft, sind die bisweilen abgefahrenen Preise, die vor allem bei OOP (out of print) oder OOS (out of stock) Editionen, in überdimensionale Höhen schießen. So katapultiert sich ein anfänglicher Release Preis, der in der Regel so bei 20-30€ steht, ganz schnell mal in einen hohen, bis sehr hohen, dreistelligen Bereich. Und die Limitierung und die Tatsache, dass diese Editionen nicht mehr im Handel zu erwerben sind, lassen die Sammler ihre Portemonnaies zücken. In meinen Augen ist das aber leider eine sehr grenzwertige Geschichte mittlerweile, denn Preise von 500-600€ für einen Film, finde selbst ich maßlos. Ich habe da mein Limit. Mehr als 100€ würde ich niemals für einen Film ausgeben, sei die Edition noch so schön.Viele Hardcore Sammler haben ihre Filme auch mehrfach in den Regalen, in allen erschienen Editionen und Covern und das meiste auch noch OVP. Da bin ich dann doch nur ein Sammler 2.0, mir reicht das, in meinen Augen schönste Cover und ich entpacke die meisten Filme auch ABER sie bekommen Schutzhüllen! Wobei, hätte meine Bude mehr Platz, evtl. würde dann doch der ein oder andere Film doppelt, in einer anderen Edtion, hier rum stehen. Ich weiß, dass das für den Ottonormalkonsumenten total bescheuert ist aber hey, jeder braucht doch sein Laster.

Was bei mir große Freude auslöst ist, dass sowohl unser Saturn, als auch unser Müller mittlerweile ein richtig starkes Angebot an Mediabooks und Steelbooks haben. Zu meinem eigenen Leidwesen, muss ich an beiden Geschäften regelmäßig vorbei und ich sagen euch, ich schaffe es kein einziges Mal, nicht rein zu gehen. So diszipliniert ich in vielen anderen Bereichen meines Lebens bin, so schwach bin ich hier. Und sobald der Fuß die Schwelle des Geschäfts übertritt, schaltet sich jegliche Form des rationalen Denkens bei mir gänzlich ab. Dann kommt der Jäger und Sammler in voller Größe zum Vorschein und übernimmt die Kontrolle. Denn eines ist klar, man findet IMMER was und das meiste grundsätzlich kurz vorm nächsten Lohn! Und so sehe ich mich immer wieder in meiner liebsten Konfliktsituation: der dicke Engel, dessen Magen nervig knurrt auf der einen Schulter und der dürre aber völlig euphorische und glückliche Teufel auf der anderen Schulter. Ich lass die beiden sich streiten, ich weiß ja, wie es ausgeht. Und so schwirre ich, wie ein Bienchen auf einer blühenden Sommerwiese, völlig manisch, von Regal zu Regal und denke mir, während ich am Ende völlig bepackt die Kasse ansteuere: „Scheiss drauf, durch eine Woche trocken Nudeln, ist auch noch keiner gestorben“ – man kann halt nicht alles haben.

‚peace out‘

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