Schwarzweiss Filme – Horror in den Jahren 1930-1945

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Weiter geht es in unserer Reihe „Schwarzweiss Filme“, in der wir die frühen Jahre des Horrorfilms wieder in den Fokus rücken wollen. Die Jahre, die den Grundstein für all die Filme legten, die wir lieben. Um ihnen Tribut zu zollen und vielleicht findet ja noch der ein oder eine seine Begeisterung für diese Perlen der Horrorfilm-Geschichte.

Im ersten Teil dieser Reihe ging es um die Stummfilm-Epoche, nun schauen wir uns die Jahre an, in denen sich zum Bild auch endlich der Ton, das gesprochene Wort, gesellte.

Zwar entstanden die ersten Tonfilme/Sprechfilme schon eine ganze Weile vor dem Jahre 1930, allerdings ging es im Horrorgenre erst ein wenig später los. Und da seitdem so viele wichtige Filme erschienen und wir ihnen allen gerecht werden wollen, behandeln wir einzelne Zeitabschnitte. Schauen wir uns nun die Zeit bis 1945 an.

 


 

M – EINE STADT SUCHT EINEN MÖRDER (1931)
M - Eine Stadt sucht einen Mörder

Die Reichshauptstadt Berlin ist in heller Aufruhr, denn ein Kindermörder versetzt die Bevölkerung in Angst und Schrecken. Acht Kinder sind ihm schon zum Opfer gefallen und die kleine Elsie Beckmann scheint sein jüngstes Opfer zu sein. Als die Polizei bei ihren Ermittlungen auch die Berliner Unterwelt immer mehr aufwirbelt, können die Kriminellen kaum noch ihren Machenschaften nachgehen und beschließen, auf eigene Faust nach dem Mörder zu suchen. Das Netz der Bettler wird ebenfalls genutzt und hier scheint der Aktionismus endlich Blüten zu tragen…

– M wird als Fritz Langs Bindeglied zwischen seinen nachexpressionistischen Stummfilmen und seinen neoexpressionistischen Hollywood-Produktionen gesehen und gilt als eines der wichtigsten Werke deutscher Filmgeschichte –

 

 

DRACULA (1931)
Dracula 1931

Graf Dracula möchte seine Heimat Transylvanien verlassen und so reist der englische Makler Renfield zu ihm, um ihm  ein Anwesen in London zu verkaufen. Doch kaum angekommen, beginnen die Dorfbewohner ihn zu warnen. Vampire sollen in den verfallenen Gemäuern des Grafen ihn Unwesen treiben. Doch Renfield lässt sich nicht abschrecken…

– DRACULA ist die erste offizielle Verfilmung von Bram Stokers gleichnamigen Roman. Dem Produktionsstudio gefiel die Szene nicht, in der der Graf den bewusstlosen Renfield beisst, weil sie zu homoerotisch wirkte. So gab es die Anweisung, dass Dracula nur Frauen angreifen darf. Bela Lugosi wurde durch seine Rolle als Graf Dracula zum Star –

 

 

FRANKENSTEIN (1931)

Henry Frankenstein ist Wissenschaftler und sein einziges Ziel ist es, Leben zu erschaffen. Um diesem Ziel endlich näher zu kommen, klaut er zusammen mit seinem Helfer Fritz Leichenteile, aus denen er ein menschliches Wesen erschaffen will. Und es gelingt! Mit einer ausgefeilten Technik erschafft er aus den Leichenteilen diverser Toter eine monströse Kreatur und haucht ihr Leben ein.

Seine zukünftige Frau Elisabeth ist schockiert, als sie rausfindet, woran ihr Partner arbeitet. Doch seinen zuvor skeptischen Kollegen Waldmann kann er von seiner Arbeit überzeugen. Jedoch ahnt niemand, wie fatal ihre Experimente sein werden, denn vieles ist einfach nicht vorhersehbar und zu kontrollieren…

– FRANKENSTEIN ist die erste Tonverfilmung des Romans von Mary Shelley. Boris Karloff, der die Kreatur spielte, gelang mit dieser Rolle sein schauspielerischer Durchbruch –

 

 

WHITE ZOMBIE (1932)
The white Zombie

Madeleine und Neill wünschen sich eine wahre Traumhochzeit. Hierfür bietet sich das Anwesen ihres Freundes Charles, auf Haiti, geradezu an. Dieser allerdings hat seine eigenen Absichten, er will nämlich Madeleine für sich gewinnen. Dazu will er auf die Hilfe seines Bekannten zurückgreifen, der in seiner Zuckermühle Zombies für die Arbeit hält. In Charles Auftrag verwandelt er Madeleine auch in eine dieser willenlosen Kreaturen. Doch Neill will den Fluch brechen und seine Frau retten…

– WHITE ZOMBIE ist er erste Film, der die Thematik der Untoten, inkl. einer Handlung, auf die Leinwand brachte und den Begriff „Zombie“ nutzte. Die Darstellung des Zombies wurde in den darauffolgenden Jahren weiter aufgegriffen aber immer wieder ein wenig verändert –

 

 

DIE MUMIE (1932)
Die Mumie

Im Jahr 1922 entdeckt eine Gruppe Archäologen, unter Führung von Sir Jospeh Whemple,  das Grab des Hohepriesters Imhotep. Schnell erkennen sie, dass Imhotep lebendig mumifiziert wurde. Dies deutet auf eine einst begangene Bestrafung für ein Verbrechen hin. Als einer der Archäologen die Schriftrolle des Lebens findet und aus ihr liest, wird Imhotep wieder lebendig und flieht mit der Schriftrolle.

Zehn jähre später taucht er in der Gestalt des Ardath Bei wieder auf. Er ist auf der Suche nach seiner geliebten Prinzessin, von der er auf tragische Weise getrennt wurde…

– DIE MUMIE ist der einzige Universal Horrorfilm, der kein Theaterstück oder literarische Vorlagen als Grundlage aufzuweisen hat. Da Boris Karloff durch FRANKENSTEIN so erfolgreich wurde, bewarb man DIE MUMIE lediglich mit dem Slogan „KARLOFF… The Mummy!“ –

 

 

FREAKS (1932)
Freaks

Der kleinwüchsige Hans ist Bestandteil eines Kuriositätenkabinetts bei einem Zirkus und mit der ebenfalls kleinwüchsigen Frieda verlobt. Allerdings ist er auch in die Trapezkünstlerin Cleopatra verliebt. Diese lässt sich allerdings erst auf ihn ein, als herauskommt, dass Hans ein Vermögen geerbt hat. Die Hochzeit der beiden geschieht für Cleopatra, die sich eigentlich immer nur über Hans lustig macht, nur, damit sie einen perfiden Plan mit Muskelmann Herkules verwirklichen kann. Sie wollen Hans töten um an sein Geld zu kommen.

Der Anschlag missglückt und Hans erkennt nun die Falschheit Cleopatras. Gemeinsam mit den anderen Mitgliedern des Kuriositätenkabinetts wollen die „Freaks“ nun bittere Rache an den „Normalos“ nehmen…

– Tod Browning wollte FREAKS so authentisch wie möglich gestalten und so rekrutierte er auf Rummelplätzen und in Zirkussen echte fehlgebildete Menschen. Der Film sollte für mehr Verständnis für das Anderssein stehen, bewirkte aber leider oft das Gegenteil. Er sollte zeigen, dass nicht hinter allem Fremdartigen etwas Böses steckt und das auch die schönen Menschen zu Monstern werden können –

 

 

DER UNSICHTBARE (1933)

Dr. Jack Griffin ist ein junger und sehr talentierter Wissenschaftler. Mit vollem Einsatz arbeitet er an einem Mittel, welches unsichtbar machen soll und testet es zuerst bei sich selbst aus. Das Experiment ist ein voller Erfolg, Jack ist unsichtbar. Doch fataler Weise hat er nicht an ein Gegenmittel gedacht. Während er sich, komplett einbandagiert, in einer Kneipe Gedanken zur Lösung seines Problems macht, machen sich auch Nebenwirkungen bemerkbar. Jack wird immer aggressiver und schon bald eskaliert die Situation…

– John P. Fulton setzte damals Spezialeffekte ein, die heute noch bewundert werden und damals revolutionär waren. So findet man hier den Vorgänger der heute bekannten Blue Box. Filmelemente, die unsichtbar sein sollten, wurden mit schwarzem Samt verdeckt und so wurde vor allem die Szene, in der sich der Unsichtbare vor dem Spiegel entkleidet, zu einer riesen Herausforderung –

 

 

KING KONG UND DIE WEISSE FRAU (1933)

King Kong und die weisse Frau

Filmemacher Carl Denham ist bekannt für seine gewagten Projekte und so will es ihm einfach nicht gelingen, eine Besetzung für seinen neusten romantischen Epos zu finden. Kurzerhand spannt er Ann Darrow, eine Rumtreiberin mit ein wenig Filmerfahrung, für die Hauptrolle ein. Für den Dreh geht es auf eine einsame Insel.

Dort angekommen, wird schnell klar, dass die Insel nicht so einsam ist, wie gedacht, denn Ann wird von Einheimischen entführt, die sie ihrer Gottheit opfern wollen. Als sich der Rettungstrupp auf den Weg macht, Ann zu befreien, kommen sie zu spät. Gott Kong, der ein Riesenaffe ist,  hat sie gerade zu sich geholt und nun müssen sie ihm in einen Dschungel folgen, der voller Gefahren ist…

– In KING KONG UND DIE WEISSE FRAU hat der weltbekannte Riesenaffe seinen allerersten Auftritt. Besondere Bewunderung erlangte der Film für seine Stop-Motion-Technik, die dem Affen Leben einhauchte –

 

 

DER WOLFSMENSCH (1941)
Der Wolfsmensch

Larry Talbot kehrt nach 18 Jahren wieder zurück in seine Heimat und in das Schloss seiner Ahnen. Im örtlichen Antiquitätenladen lernt er Gwen und Jenny kennen und ist sofort von Gwen verzaubert. Als bei einem gemeinsamen Spaziergang im Wald Jenny von einem Wolf angegriffen wird, schafft Larry es, das Tier mit dem Silberknauf seines Gehstocks zu erschlagen. Bei dem Kampf erleidet er jedoch eine folgenschwere Bisswunde. Von nun an verwandelt sich Larry regelmässig in einen Werwolf…

– DER WOLFSMENSCH ist der einzige Universal Werwolffilm, in dem der Vollmond nicht gezeigt wird und somit auch keinen Einfluss auf die Verwandlung von Mensch zu Tier hat. Zudem legte der Film den Grundstein für einige Mythen, die später immer wieder aufgegriffen wurde. Zum Beispiel, das Werwölfe ausschließlich durch Silber getötet werden können und dass der Biss eines Wolfes den Menschen infizieren kann –

 

 

ICH FOLGTE EINEM ZOMBIE (1943)
Ich folgte einem Zombie

Die junge Krankenschwester Betsy wird von dem Plantagenbesitzer Paul Holland engagiert, um seine schwer kranke Frau zu pflegen. Auf der westindischen Insel angekommen, stellt Betsy fest, dass Jessica Holland in einem tranceartigen Zustand ist, in dem sie auch nicht ansprechbar ist. Mit der Zeit beginnt Betsy sich, in ihren Arbeitgeber zu verlieben und will aus Liebe alles versuchen, Jessica zu heilen.

Als all ihre Bemühungen erfolglos bleiben, entschließt sie sich, dem Rat eines einheimischen Plantagenmitarbeiters zu folgen. Er verriet ihr, dass nur Voodoo Jessica retten kann. Als Betsy dann eine Voodoo-Priester aufsucht, kommt sie einem dunklen Geheimnis auf die Spur…

– ICH FOLGTE EINEM ZOMBIE gilt als einer der „schönsten“ und atmosphärischsten Filme des Genres und konnte auch die englischsprachige, zunächst skeptische, Presse überzeugen. Sie revidierte ihre Meinung, dass der Film eine „stumpfsinnige, abstossende Übertreibung einer abnormalen Einstellung zum Leben“ sei und bezeichnete ihn später als aussergewöhnlichen, intelligenten Genrefilm – 

 

 

DER LEICHENDIEB (1945)
Der Leichendieb

Im Jahre 1831 ist es für Dr. Macfarlane schwer an Leichen zu kommen, die er für seine Forschungen braucht. Er beauftragt seinen Kutscher Gray damit, nachts auf Friedhöfen Leichen auszugraben, damit er diese für seine Experimente verwenden kann. Durch diese profitreiche Arbeit verliert Gray allerdings bald seinen Verstand und um seine neue Einnahmequelle nicht versiegen zu lassen, reicht es ihm bald nicht mehr Tote auszugraben. Er legt sich auf die Lauer und beginnt, Menschen zu ermorden um seinen Auftraggeber zu versorgen. Als Macfarlane seinem Kutscher auf die Schliche kommt, beschliesst er drastische Maßnahmen um ihm das Handwerk zu legen…

– In DER LEICHENDIEB standen die beiden Horror-Ikonen Bela Lugosi und Boris Karloff zum ersten mal gemeinsam vor der Kamera. Der Film wurde vor allem wegen ihres großartigen Zusammenspiels von der Kritik hoch gelobt –

 


 

Im nächsten Special schauen wir uns dann die 50er Jahre genauer an.

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