Special: Am Set von THE CURSE OF DR. WOLFFENSTEIN

the curse of dr. wolffenstein (6)

Spätestens seit die Burschen von Infernal Films ihr Low Budget-Werk NECRONOS über die Kult-Filmschmiede Troma vertreiben, kommt den Indie-Metzgern aus Rheinland-Pfalz einige Aufmerksamkeit zu.
Aber NECRONOS war gestern, das neue Werk hört auf THE CURSE OF DR. WOLFFENSTEIN und Großteile des Films wurden Mitte bis Ende Juni nahe Bingen gedreht.
Für uns Anlass, den Machern am Set etwas über die Schulter zu schauen.

Als ich im Infernal-Hauptquartier eintreffe, öffnet mir Charlotte Rohnstock, die Mutter von Regisseur Marc und Produzent Lars Rohnstock, die Tür des unauffälligen Einfamilienhauses. Wer Charlotte kennt, weiß, dass gute Verpflegung nicht weit ist. Die ältere Dame ist gewissermaßen das Gegenstück zu den blutigen Geschäften, denen ihre Söhne nachgehen und das leckere Frühstück schmeckt, obwohl ich mich erinnere, dass bei meinem letzten Besuch auf dem Tisch unter mir eine nackte Frau mit reichlich Blut besudelt wurde…Kunstblut immerhin.

Ich lerne Mika Metz und Jack van Cuusen kennen, beides gestandene Schauspieler und die erste Überraschung des Tages. Waren die vergangenen Filme noch überwiegend mit Laien abgedreht worden, setzt man inzwischen zu einem großen Teil auf ausgebildete Schauspieler. Ein Schritt weg vom Amateur-Splatter, etwa hin zum Mainstream-Blockbuster?

the curse of dr. wolffenstein

Regisseur Marc Rohnstock (vorne)

Nein, gibt Lars Rohnstock Entwarnung, auch wenn man den Film von Anfang an in einer FSK 16- Fassung dreht, die auch zartere Gemüter ansprechen mag, wird es auch eine härtere 18er-Version geben und davon abgesehen scheint hier niemand Bock auf weichgespülten Mist zu haben und Filme sind nach wie vor ein Hobby für die Macher, die ihren Jahresurlaub für den Dreh opfern. Multitasking ist gefragt, so ist beispielsweise Produzent Dominik Ruf auch gleichzeitig Kameramann und Mario Zimmerschitt Akteur und Maskenbildner in Personalunion.
Trotzdem, so wird klar, entwickelt sich das Team weiter, hat dazugelernt, nutzt neue Technik, besseres Equipment.

the curse of dr. wolffenstein

Mika Metz

 

Nach dem Frühstück fahren wir zum Set und ich erfahre unterwegs von Mika, dass er die Titelrolle, also den Dr. Wolffenstein, spielt, der gewissermaßen eine Mischung aus Dr. Frankenstein und dessen eigenem Monster ist.

Im Film wagt dieser Wolffenstein im frühen 20. Jahrhundert schreckliche Experimente an Menschen, bevor er von einem aufgebrachten Mob bei lebendigem Leibe begraben wird. Doch der
Doktor war sich selbst ein guter Proband und ist nach einem Selbstversuch unsterblich, hat sich jedoch mit Nekrose infiziert und muss nun seine nach und nach zerfallenden Gliedmaßen durch neue ersetzen. Dafür kommen ihm viele Jahre später fünf junge Leute recht, die er in seinen Unterschlupf lockt um sie als menschliche Ersatzteile zu missbrauchen…

the curse of dr. wolffenstein

Tränen aus der Dose…letzte Vorbereitungen

Gedreht wird in einer riesigen alten Mühle, einem Gebäude in dem heute ganz zeitgemäß per Wasserkraft Strom erzeugt wird, das aber in vielen Ecken so sehr nach Horrorfilm aussieht, dass man ohne weitere Dekoration mit dem Dreh beginnen kann. Gewaltige Spinnweben, enorme Zahnräder, niedrige Kellergewölbe…ja, Dr. Wolffenstein MUSS sich hier wohlfühlen.

Die anderen Schauspieler sind bereits vor Ort und die Stimmung ist gut, auch wenn sich zu künstlichen Leinwandtränen (der Verbrauch an Minzöl ist enorm) echte Melancholie gesellt, denn eine der Figuren wurde gestern niedergemetzelt und so muss der zugehörige Darsteller die Heimreise antreten. Der Abschied fällt sichtlich schwer, aber es ist klar, dass es weitere Opfer geben wird.

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Kein Fake – hier sieht es tatsächlich so aus

„Heute wird es blutig“, sind die Worte, mit denen mich Marc Rohnstock entzückt, aber zuvor gilt es noch einige Dialoge abzudrehen.
Auch wenn es zum jetzigen Zeitpunkt schwer einzuschätzen ist, wie das Endprodukt aussehen wird, deutet sich doch an, dass die Entscheidung zugunsten echter Schauspieler, die ihr Entsetzen auch beim x-ten Take auf den Punkt bringen, der Sache nur dienen kann.

Nichtsdestotrotz scheint jeder dem Moment entgegenzufiebern, wenn der Doktor wieder zuschlägt.
Dass dieser Augenblick naht, wird selbst einem ungeübten Auge deutlich, als der Boden großflächig mit Folie ausgelegt wird, der Kameramann sich selbst und sein Equipment mit Müllbeuteln schützt und die Effekte-Abteilung mit einer Pumpe anrückt, die sonst wohl nur bei australischen Buschbränden zum Einsatz kommt.
Ja, als die präparierte Machete den Schädel der hübschen Blondine „spaltet“, wird es blutig und nachdem die Szene im Kasten ist, hallt Applaus durch die alten Mauern, die trotz Schutzmaßnahmen einiges abbekommen haben.
(Detailierte Bilder können wir an dieser Stelle allerdings nicht zeigen, da sowohl das komplette Aussehen des Doktors, als auch das Opfer auf Wunsch von Infernal Films noch geheim bleiben sollen.)

Leider muss ich mich kurz darauf von der Truppe verabschieden, nehme aber einige Erkenntnisse mit: Infernal Films steht nach wie vor für blutigen Trash, der sich nicht zu ernst nimmt, aber dennoch nicht ausschließlich gute Laune, sondern auch viel Arbeit bedeutet.
Natürlich wird das am Ende den Zuschauer nicht interessieren, wenn der Film nicht gefällt, trotzdem verlangt es mir als Endverbraucher und Kritiker Respekt ab, wenn man den Aufwand und Enthusiasmus vor, während und lange nach den Dreharbeiten betrachtet.

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