Special: Stephen King und seine Filme

Anlass für diesen Artikel waren zwei „Stephen-King-Momente“, die ich letzte Woche durchleben musste und die für nervöses Zähneknirschen sorgten.
Moment 1: Das Wort „Moment“ beschreibt nur sehr ungenau, wie lange es sich anfühlte FEUERKIND von vorne nach hinten anzuschauen und das lag nicht an den angenehmen Werbeblöcken zwischen der Katastrophe.
Moment 2: CARRIE soll nach wie vor neuverfilmt werden.
Die Frage ist, warum zur Hölle will man ein Remake eines sehr sehenswerten Films haben (der zudem bereits 2002 fürs TV neu gedreht wurde), statt sich all die Arschbomben vorzunehmen, die irgendwo dort draußen herumlungern?

Wir haben hier eine Aufstellung an Stephen King – Filmen, die ein vernünftiges Remake verdient hätten, eine zweite von Filmen, die man nicht anrühren sollte und eine dritte mit bisher unverfilmten Büchern, die sich unter den richtigen Bedingungen auf der Leinwand gut machen würden.

Kategorie: Verfilme mich neu!
DER FEUERTEUFEL – Ja, Drew Barrymore war süß in E.T., musste dort ansonsten aber auch nicht viel leisten. Als Feuerteufel wirkt sie so blass wie die Effekte. Bitte dringend neu auflegen…oder das Original einstampfen.

DREAMCATCHER – Der Stoff ist gut, Morgan Freeman spielt mit, szenenweise hat man es sogar mit einem guten Film zu tun, aber die Verfilmung wird der sperrigen Erzählweise Kings nicht gerecht und die Computereffekte machen keinen Spaß.

KINDER DES ZORNS – Gerade Kings Kurzgeschichten beweisen, dass man aus ihnen tolle Filme zaubern kann. Die KINDER DES ZORNS gehören nicht dazu, auch nicht im Remake von 2009.

ES – Steinigt mich, aber ES konnte mich nie überzeugen, egal ob Schauspieler, Effekte, Stimmung oder (verständlicherweise) entfallene Details aus dem Buch. Natürlich ist dies nur ein Fernsehfilm, aber was könnte man dann erst aus dem grandiosen Material machen, wenn man das Budget und das Talent für einen Kinofilm hätte. Immerhin, die Gerüchte um ein baldiges Remake halten sich.

DESPERATION – Die Verfilmung war ebenfalls fürs TV gedacht, was die Umsetzung zahnlos wirken lässt. Vor allem fehlt aber die Verfilmung des von Kings Pseudonym Richard Bachman parallel verfassten REGULATOR, denn nur mit beiden Werken ist die Verwirrung perfekt.

DER RASENMÄHERMAN – benötigt im Grunde kein Remake, denn dafür war die Kurzgeschichte, die als Vorlage diente, zu unbedeutend, aber was hier cineastisch verbrochen wurde, hat mit Kings Story so wenig zu tun, dass sich der Autor die Credits aus dem Film herausklagte.

 

Kategorie: Fass mich nicht an, ich bin gut so wie ich bin!
CARRIE – wie schon oben erwähnt, muss hier höchstens die Frisur von John Travolta bearbeitet werden, ansonsten eine hochwertige Umsetzung von Brian De Palma.

DIE VERURTEILTEN – kein Horrorfilm, aber wenn man auf imdb.com als bester Film aller Zeiten gilt, haben Frank Darabont, Tim Robbins und Morgan Freeman wohl alles richtig gemacht.

MISERY – Kathy Bates spielt grandios und die Szene mit dem Vorschlaghammer schmerzt auch beim hundertsten Zusehen. Hier kann man nichts besser machen!

STAND BY ME – Wie bei MISERY führte Rob Reiner Regie. Der Weg führt hier zu einer Leiche, aber da manchmal der Weg das Ziel ist, gibt es nicht viel Horror zu sehen, dafür eine abenteuerliche und zeitlose Reise toller Jungdarsteller.

DER NEBEL – hier darf wieder Frank Darabont beweisen, dass er aus einer Kurzgeschichte mehr als das Maximum herausholen kann. Stephen Kings Story mit Einflüssen eines H.P. Lovecrafts wird mit einer Portion religiösem Eifer und bitterem Ende veredelt.

THE SHINING – Obwohl auch das bereits vorhandene Remake mit Mick Garris als Regisseur einige Momente hatte und insgesamt näher am Buch ist, ist es doch vor allem Stanley Kubricks Werk von 1980 mit Jack Nicholson als psychopathischer Autor, welches Fans bis heute in den Bann zieht.

THE DEAD ZONE – Buch und Film sind vergleichsweise unbekannt, obwohl King mit einem wunderbaren finalen Twist Kritiker zum Schweigen bringt, die behaupten, er könne keine guten Enden schreiben. Die von David Cronenberg umgesetzte Verfilmung mit Christopher Walken ist keinen Deut schwächer.

 

Kategorie: Wann verfilmt mich endlich einer?
DER DUNKLE TURM – der Kinostart 2012 galt sicher, bis Universal letztes Jahr die Reißleine zog und den geplanten Dreiteiler auf Eis legte. Was daraus wird, bleibt abzuwarten, sicher ist aber, dass das derzeit siebenteilige Epos die Ausmaße von HERR DER RINGE hat und eine Verfilmung nur mit genügend Budget Sinn macht.

DAS SPIEL – eine nackte, ans Bett gefesselte Frau ist (fast) die einzige Figur in diesem Kammerspiel.
Sicher eine Herausforderung für einen Film, aber als Buch ziemlich spannend.

DAS MÄDCHEN – Auch hier gibt es eigentlich nur eine Figur. Das Fehlen ausschweifender Dialoge machen eine Verfilmung schwer. Wer nicht auf eine mögliche Umsetzung warten will, sollte sich solange WRECKED ansehen.

DER ÜBERLEBENSTYP – der einzelne Darsteller ist hier wohl weniger das Problem, als die Tatsache, dass er sich im Laufe der Geschichte selbst aufisst. Das wäre echtes Method Acting.

DIE AUGEN DES DRACHEN – King schrieb in den 80ern den märchenhaft anmutenden Roman für seine Tochter. Die ist längst aus dem Haus, das Buch immer noch nicht verfilmt. Schade…

TODESMARSCH – Ein Marsch mit 100 Teilnehmern. Wer stehen bleibt stirbt, wer gewinnt ist ein Gott. Die Idee ist so einfach wie genial, als Buch packend, ließe sich ohne viele Effekte umsetzen, vergammelt aber wohl in irgendwelchen Schubladen.

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