PSYCHO, Norman Bates, das Bates Motel und die ikonische Duschszene kennt heute jeder, egal ob man mit dem Original, dem Remake, der Serie BATES MOTEL oder sogar mit der Band „The Bates“ oder einer Parodie der Simpsons aufwuchs.
Basierend auf dem kurzen aber lesenswerten Roman von Robert Bloch (1959) erschuf Alfred Hitchcock mit seinem Film 1960 einen Klassiker der nicht nur in Hitchcocks beeindruckender Vita hervorsticht, etliche Thriller und Horrorfilme beeinflusste, sondern auf ganz Hollywood nachhallte.
PSYCHO ist zudem eines der drei Meisterwerke (neben THE TEXAS CHAIN SAW MASSACRE und DAS SCHWEIGEN DER LÄMMER), die von Serienmörder und Grabräuber Ed Gein inspiriert wurden, was dem freundlichen Antagonisten und Motelbetreiber Norman Bates eine besondere Morbidität verleiht, die zum Entstehungszeitpunkt unerhört war.
Auch wegen ihm werden inzwischen Single-Männer, die über 30 noch bei ihrer Mutter leben, kritisch beäugt.
Wir haben uns alles angesehen, was das Franchise hergibt, sogar einen Film, von dem wir bis vor kurzem selbst nicht wussten, dass er existiert.
PSYCHO (1960)
Inhaltlich lernen wir zunächst Marion Crane kennen, die 40.000 $ ihres Chefs stiehlt und sich damit davonstiehlt. Nach einer langen Fahrt steigt sie in Bates Motel ab, einem verlassenen Etablissement an einem einsamen Highway. Marion ahnt, dass der freundliche Norman, der sie willkommen heißt und sie sogar zu einem Abendessen einlädt, eine besondere Beziehung zu seiner Mutter pflegt, aber wie der Zuschauer ahnt sie noch nicht, was das genau bedeutet.
Wie die meisten Filme seiner Zeit noch in Schwarz-Weiß gedreht, schickte sich Alfred Hitchcocks Werk an die Filmwelt zu verändern.
Die Sexualität eines unverheirateten Paares, ganz zu schweigen von der sexuellen Identität des Mörders oder dessen psychischer Erkrankung reichten 1960 aus, um für mächtig Furore zu sorgen. Dass hier eine Toilette sehen ist und deren Spülung (Gott bewahre) auch noch betätigt wird, klingt heute gewöhnlich, war damals aber wirklich Neuland.
Dass dann mit Janet Leigh die bekannteste Schauspielerin des Films und bis zu dem Zeitpunkt etablierte Hauptfigur des Films nach weniger als der Hälfte unter der Dusche getötet wird, sorgte ebenfalls für Verwunderung (und wohl auch dafür, dass Wes Craven den Trick mit Drew Barrymore in SCREAM erneut aufführte).
Die Duschszene selbst ist einer der großen Augenblicke in der Historie des Horrorfilms und ist natürlich auch popkulturell etliche Male verarbeitet worden. Unnötig zu erwähnen: die Szene war für damalige Verhältnisse drastisch brutal, schnell geschnitten und die gezeigte Nacktheit war auf einem Level mit dem inzwischen wieder stets verhüllten Hollywood der Neuzeit.
Dazu lernen wir einen charmant wirkenden Bösewicht kennen, der höflich ist, seine Mutter liebt und alleine durch das Präparieren toter Tiere seltsam erscheint. Die Figur wird von Anthony Perkins wunderbar ambivalent gemimt.
Fügt man dann noch einen großen makabren Twist und die markante Filmmusik hinzu, hat man einen Film, der zu Recht in den Top 100 der IMDB-Charts ist.
Hier findet ihr unser Classic-Review zu PSYCHO
9.5
PSYCHO II (1983)
Nach 22 Jahren in der Psychiatrie wird Norman Bates entlassen.
Bates Motel existiert noch, doch der neue schmierige Geschäftsführer hat ein Stundenmotel daraus gemacht. Der freundliche Norman will die Dinge wieder in seine eigenen Hände nehmen und lässt eine Kellnerin eine Weile bei sich unterkommen.
Doch schon bald erhält Norman Nachrichten und Anrufe seiner Mutter? Ist der Wahnsinn zurück? Oder geht etwas anderes vor sich?
Perkins trägt auch diesen Film und man hat den Eindruck, dass sein Leben danach es wert ist erzählt zu werden. Leider verstrickt sich PSYCHO II etwas im Rätselraten, Hin und Her und verschiedenen Wendungen, wodurch er unnötig konstruiert wirkt. Trotzdem ist dies kein übler Streifen, der noch etwas mehr Sex andeutet als das Original, gemessen an der Zeit in der er entstand, aber wiederum angezogen wirkt.
Die Brutalität hat hingegen zwar merklich zugenommen, ironischerweise haben aber typische Slasherreihen, wie HALLOWEEN oder FREITAG, DER 13. die PSYCHO mit seiner Verbindung aus Schuld, Sex, Masken, Messer und Tod maßgeblich inspiriert hat, die PSYCHO-Reihe in Sachen Showwerten zu diesem Zeitpunkt überholt.
6.5
PSYCHO III (1986)
Eine Nonne flieht aus einem Kloster, nachdem sie sich selbst umbringen wollte, dabei aber eine andere Frau zu Tode kam. Sie wird am Highway von einem Möchtegern-Musiker aufgelesen, der die junge Frau mitnimmt, aber direkt aufdringlich wird. Im Bates Motel begegnen sich die beiden erneut und dieses wird noch immer von Norman Bates geführt.
PSYCHO III gibt sich weniger geheimnisvoll als der zweite Teil und lässt uns wissen, dass Norman Mutter Norma wieder bei sich aufgenommen hat, durch Löcher in Wänden späht und Sünder richtet, wenn seine tote Mum das möchte.
Highlight des Films ist vielleicht eine Szene, in der die Nonne erneut einen Suizidversuch in der Badewanne unternimmt, Norman ähnlich wie in der klassischen Duschszene verkleidet hereinkommt und sie ihn als heilige Erscheinung wahrnimmt.
Anthony Perkins glänzt einmal mehr in seiner Paraderolle und PSYCHO III hat immer noch mehr Story auf den Knochen als Standard-Slasher seiner Zeit, trotzdem ist allmählich zu spüren, dass Bates Motel mal Betriebsferien machen sollte.
5.5
BATES MOTEL (1987)
BATES MOTEL ist ein Fernsehfilm, der als Pilotfilm einer Serie gedreht wurde, die nie entstand. Trotz der Titelgleichheit besteht daher kein unmittelbarer Zusammenhang zur Serie der 2010er-Jahre, die wir weiter unten noch besprechen.
Inhaltlich begeht der Film zunächst den Fehler mit dem Tod Norman Bates‘ einzusteigen und uns einen jungen Erben namens Alex West als Hauptfigur vorzustellen.
Die Handlungen von PSYCHO II und III werden dabei ignoriert, denn Norman wird nie aus der Psychiatrie entlassen.
Alex, der selbst seinen Stiefvater tötete, verbrachte Zeit mit Norman in der Anstalt, sodass sie sich anfreundeten und nun Bates Motel übernehmen will.
Dabei holen ihn die Geister der Vergangenheit rasch ein.
Zu sehen ist hier in einer kleineren Rolle ein junger Jason Bateman, womit die Highlights aber enden.
Der Film versetzt die gewohnt mysteriöse Handlung mit deplatzierten Albernheiten und Humor, während Hauptdarsteller Bud Cort die meiste Zeit mit erstauntem Gesichtsausdruck durch die Geschichte stolpert.
Da BATES MOTEL nahezu unbekannt ist, könnte man von einem Geheimtipp sprechen, aber unser einziger Tipp ist auf dem Highway zu bleiben und nicht die Ausfahrt zu dieser heruntergekommenen Absteige zu nehmen.
Wer sich aber gerne selbst quält: den Film gibt es in schlechter Qualität auf YouTube.
2.5
PSYCHO IV: THE BEGINNING (1990)
Regisseur Mick Garris scheint ein netter Kerl zu sein, er ist seit Jahrzehnten im Horror aktiv, er wird von Kollegen geschätzt und mit MASTERS OF HORROR hat er namhafte Regisseure zusammengebracht. Nur leider ist er auch ein Garant für maue Fernsehfilme wie DESPARATION, die SHINING-Miniserie oder eben PSYCHO IV: THE BEGINNING.
Dabei ist die Idee gar nicht übel: Norman Bates, der inzwischen das Motel verlassen hat, ruft in einer Radiosendung an und erzählt wie er seine Mutter und ihren Liebhaber getötet hat, was in langen Rückblenden gezeigt wird.
Neben Anthony Perkins in einer seiner letzten Rollen (der Schauspieler verstarb 1992) ist Henry Thomas (E.T., DER UNTERGANG DES HAUSES USHER) als junger Norman zu sehen. Olivia Hussey (BLACK CHRISTMAS) spielt seine Mutter. An der Besetzung mangelt es also auch nicht und der Film greift auf, was später die Serie BATES MOTEL erneut angeht.
Doch leider schlägt hier die Bräsigkeit eines 90er-TV-Films durch. Alles ist mittelmäßig, Kleidung und Frisuren sehen aus wie (nun ja) 90er, obwohl es die 50er sein müssten. Nicht einmal verschiedene sexuelle Andeutungen und inzestuöse Indizien können dem Feuer verleihen, sondern werden durch Overacting und Küchenpsychologie überschattet.
4.0
PSYCHO (Remake, 1998)
Remakes sind toll. Solange sie originell sind.
Selbst einer Katastrophe wie der THE FOG-Neuverfilmung muss man attestieren, dass sie etwas anders machte als das Original (wenn auch nichts davon besser).
Das PSYCHO-Remake macht hingegen kaum etwas anders. Nahezu 1:1, nur in Farbe, werden die bekannten Szenen von Gus Van Sant erneut präsentiert, aber nicht neu interpretiert. Sicher, hier und da finden sich kurze Zwischenschnitte, die wohl verstörend wirken sollen und an den Stil Oliver Stones erinnern; die 40.000 $ wurden inflationsbereinigt zu 400.000 $, was Nacktheit und Gewalt angeht wird es minimal expliziter und das bekannte Wohnhaus der Bates sieht nun ebenfalls anders aus.
Vince Vaughn, Anne Heche, Julianne Moore, William H. Macy und Viggo Mortensen spielen mit. Große Namen und die meisten machen ihre Sache gut, aber gerade Vaughn als Norman fehlt das, was Perkins der Figur gab. Dass er dabei forscher und selbstbewusster als Perkins auftritt, ist nicht zu bemängeln, würde das gewünschte „Anders“ unterstützen, wirkt im Gesamteindruck aber nicht rund.
Wäre die PSYCHO-Neuverfilmung ein Erfolg geworden, hätten uns vermutlich mittlerweile unzählige Remakes dieser Bauart erreicht, aber da sich Kritik und Publikum einig waren und der Film nur etwas über der Hälfte seines 60-Millionen-$-Budgets einspielte, blieb uns zumindest dieser Trend erspart.
Auch von unserer Seite gibt es dafür keinen Jubel.
PSYCHO 1998 ist vielmehr der Beleg wie gut PSYCHO 1960 war, ist und bleibt.
4.5
BATES MOTEL (Serie, 2013 – 2017)
Henry Thomas, der Norman als Teenager in PSYCHO IV spielte, ist ein anständiger Schauspieler, war für die Rolle aber fehlbesetzt. Nicht nur optisch lässt sich schlecht herleiten, wie aus dem vergleichsweise kräftigen Jugendlichen der eher zierliche erwachsene Bates hätte werden sollen, auch sein Charakter passte nicht zu der bekannten höflich-schüchternen Art der ersten Teile.
Wie man es richtig macht zeigt Freddie Highmore, dessen Verkörperung des adoleszenten Norman man ihm sowohl innerhalb der aus 5 Staffeln und 50 Episoden bestehenden Serie abkauft, aber auch im Kontext zu PSYCHO.
Etwas schwieriger ist Normas Figur einzuordnen. Zwar ist Vera Farmiga (CONJURING) ebenfalls stimmig in ihrem Part, aber wirkte die Norma aus PSYCHO nicht herrischer?
Zweites Manko der Serie: Statt die Vorgeschichte in 15-20, vielleicht auch 30 Folgen zu erzählen, werden so viele Nebenfiguren und Füller wie Halbgeschwister, Drogendealer und Jugendfreundinnen eingebaut, dass BATES MOTEL unnötig lang und übergewichtig erscheint und sich zeitweilig im Kreis dreht, statt sich wirklich aufs Wesentliche zu konzentrieren und den Anschluss zwischen jungem und erwachsenen Norman zu portraitieren.
Dass die Serie ganz offensichtlich lange nach den Ereignissen von PSYCHO und nicht im trockenen Kalifornien, sondern dem nasskalten Oregon spielt, mag manch einer ebenfalls monieren.
Wenn man mit diesen erzählerischen Freiheiten leben kann und im besten Fall nicht zu sehr auf den Anschluss zum Originalfilm sucht, macht BATES MOTEL aber auch viel richtig.
7.0
Fazit zum PSYCHO-Franchise
Die Bedeutung von PSYCHO ist unbestritten und neben einem Einfluss auf das Slasher-Genre ab Mitte der 70er-Jahre, würden wohl auch Werke wie IDENTITÄT (Motel, gespaltene Persönlichkeiten) oder HIGH TENSION (ebenfalls gespaltene Persönlichkeiten, Schlussszene) anders aussehen.
Während natürlich weder Sequels, noch Remake oder Serie dem Klassiker das Wasser reichen können, verfügt das Franchise über einige sehenswerte Ableger.
Da die Figur des Norman Bates nun mal im Mittelpunkt von alldem steht, steht und fällt jeder einzelne Beitrag auch mit dessen Glaubwürdigkeit. Wer sich daher nur durch die relevanten Einträge der Reihe sehen will, dem empfehlen wir trotz der chronologischen Ungenauigkeit BATES MOTEL (die Serie, nicht den Film) als Einstieg in das Leben des jungen Psychopathen und danach die Filme PSYCHO 1 bis 3.
FAQ
Wie viele Filme und Serien gehören zum PSYCHO-Franchise?
Zum offiziellen PSYCHO-Franchise zählen insgesamt fünf Spielfilme: PSYCHO (1960), PSYCHO II (1983), PSYCHO III (1986), PSYCHO IV: THE BEGINNING (1990) sowie das nahezu einstellungsgetreue Remake PSYCHO (1998). Hinzu kommen der TV-Pilotfilm BATES MOTEL (1987), der als Auftakt einer nie realisierten Serie gedacht war, sowie die erfolgreiche Prequel-Serie BATES MOTEL (2013–2017) mit fünf Staffeln. Während die Serie die Vorgeschichte von Norman Bates modern neu interpretiert, setzen die Fortsetzungen die Handlung des Originalfilms direkt fort.
Wer ist Norman Bates?
Norman Bates ist die Hauptfigur des PSYCHO-Franchise und zählt zu den berühmtesten Figuren der Horrorfilmgeschichte. Er betreibt das abgelegene Bates Motel und lebt in einem viktorianischen Haus oberhalb des Motels, in dem er viele Jahre mit seiner Mutter wohnte. Nach einer traumatischen Kindheit entwickelt Norman eine schwere psychische Störung, die seine Wahrnehmung der Realität verändert. Seine gespaltene Persönlichkeit und die enge, krankhafte Bindung zu seiner Mutter machen ihn zu einer der komplexesten und einflussreichsten Figuren des Genres. Er diente später zahlreichen Horrorfilmen und Serienmördern im Kino als Vorbild.
Wer ist Norma Bates?
Norma Bates ist die Mutter von Norman Bates und eine der wichtigsten Figuren des gesamten PSYCHO-Franchise, obwohl sie im Originalfilm nur indirekt auftritt. Ihr kontrollierendes und besitzergreifendes Verhalten prägt Normans gesamtes Leben und spielt eine zentrale Rolle für seine psychische Entwicklung. In den klassischen Filmen bleibt sie lange ein geheimnisvoller Bestandteil der Geschichte, während die Serie BATES MOTEL ihre Vergangenheit ausführlich erzählt und die komplizierte, von gegenseitiger Abhängigkeit geprägte Beziehung zwischen Mutter und Sohn in den Mittelpunkt stellt.
Hinweis: Das Artikelbild wurde mit Hilfe von KI erstellt











