Horrorfilm „Titane“ gewinnt die Goldene Palme in Cannes

Haben Sie es gehört oder gelesen oder gar gesehen? Damit hätten die allerwenigsten gerechnet. Aber es ist wahr. Ein Horrorfilm hat eine Goldene Palme bei den Filmfestspielen in Cannes gewonnen. Und zwar ist es der Streifen Titane, ein Film von Julia Ducournau. Genau genommen ist es kein reiner Horrorfilm. Es ist mehr ein Mix aus Horror-, Familien- und Actionfilm. Wer sich erwartet, dass dieser Film hinsichtlich Action, Horror und Co ein Meisterwerk ist, wird einigermaßen enttäuscht sein. Warum und weshalb? Und warum ist es manchmal besser, im Online Casino 50 Freispiele ohne Einzahlung zu genießen, als ins Kino zu gehen? Darüber erzählen wir gerne mehr.

Über Titane

Lassen Sie uns, damit Sie wissen, worum es eigentlich geht, uns mal die Geschichte schnell erzählen. Die Hauptfigur heißt Alexia. Sie bekam nach einem von ihr mitverschuldeten Unfall eine Titanplatte in den Kopf implantiert. Skurriler Weise vom eigenen Vater. Während die optischen Narben mehr oder weniger verheilen und nach und nach kaschierbar werden, entwickelt Alexia eine Zuneigung gegenüber Fahrzeugen. Und das schon recht früh im Film. Schließlich umarmt sie, nachdem sie aus dem Krankenhaus entlassen wird, nicht ihre Eltern, sondern das Unfallfahrzeug.

Es folgt ein Zeitsprung in die Gegenwart. Inzwischen ist Alexia eine attraktive Frau. Sie verdient ihr Geld mit erotischem Tanz bei Autoshows. Doch nun zum Horror. Sie tötet all jene Menschen auf bestialische Weise, die ihr irgendwie zu nahe kommen oder im Wege stehen. Ein kleines Horror-Element am Rande wollen wir nicht verschweigen. Man sieht in einer Szene Bondage-Sex mit einem Auto, von dem sie schwanger wird. Ihr Bauch schwillt unter starken Schmerzen an und Motoröl tritt aus ihren Brüsten aus. Sie sehen an der Stelle gut – es ist kein gewöhnlicher Horrorfilm.

Als die Polizei wittert, dass sie eine mehrfache Mörderin ist, muss sie fliehen. Sie nimmt dabei die Identität des vermissten Sohnes eines Feuerwehrkommandanten namens Vincent an. Sein Sohn Adrien war seit 10 Jahren nämlich verschwunden. Damit die Tarnung nicht auffliegt, muss sie ihr Aussehen massiv verändern. Das Abbinden von Bauch und Brüsten ist nur Teil des Ganzen. Passend zum Film fällt es Vincent natürlich nicht auf und er stellt es auch nie infrage, dass Adrien vielleicht nicht Adrien sein könnte. Lediglich bei der Feuerwehr muss sich Alexia alias Adrien nun beweisen.

Die Besetzung

Sie sehen, dass die Story durchaus seltsam klingt. Das kann vermutlich nicht den Ausschlag dafür gegeben haben, die Goldene Palme zu bekommen. Also blicken wir auf die Regie und die Besetzung, denn einen guten Grund sollte es schon geben.

Regie führte die nicht gerade bekannte Julia Ducournau. Tatsächlich ist es erst der zweite Spielfilm, bei dem sie Regie führte. Auch das Erstlingswerk war ein Horrorstreifen mit dem Titel Raw, der 2016 – ebenfalls bei den Filmfestspielen uraufgeführt worden war. Ihren Aussagen zufolge brauchte sie 5 Jahre für das Drehbuch von Titane und angetan war sie dabei besonders vom Genre Body-Horror und dem Kubismus, mit dem man eine Identität auf anschauliche Weise zerstören kann.

Bei der Rollenbesetzung beschritt sie ebenfalls sehr willkürliche und neue Wege, setzte sie doch auf unbekannte Namen, wenn man vom französischen Star Vincent Lindon absieht, der sich mustergültig auf seine Rolle vorbereitete, fleißig die Muskeln trainierte und viel Zeit bei der Feuerwehr verbrachte. Oder kennen Sie Agathe Rousselle? Jetzt schon. Sie durfte die Hauptrolle spielen. Garance Marillier kennt man zumindest, wenn man den Film Raw bereits gesehen hat. Dort durfte sie auch mitspielen. Das Staraufgebot bei der Besetzung der Rollen sollte somit ebenfalls nur marginal Einfluss auf die Entscheidung des Gremiums in Cannes gehabt haben.

Der Film spaltet die Kritiker

Der Film wurde bereits vor den Filmfestspielen einem Expertengremium in Frankreich gezeigt. 15 Kritiker durften sich dazu äußern und die Gewinnchancen beziffern. Nur einer räumte dem Film Chancen auf die goldene Palme ein. 9 weitere vergaben zumindest 3 von 4 möglichen Sternen. Im internationalen Kritikenspiegel der britischen Fachzeitschrift „Screen International“ schnitt der Film aber ziemlich schlecht ab. Er wurde mit nur 1.6 von 4 möglichen Punkten abgestraft. Er landete damit im abgeschlagenen Feld der 24 Wettbewerbsfilme. Die deutschen Kritiken fielen unterschiedlich aus. Die einen tadelten Titane für die verstörende und provokante Wirkung beim Seher, lobten zugleich, dass dies aber nie Selbstzweck gewesen sei. Einzelne deutsche Kritiker räumten dem Film auch wirklich Siegchancen aus und sie sollten Recht behalten.

Die Filmfestspiele in Cannes 2021

Man mag davon halten, was man will. So titelten manche Medien, dass die Filmfestspiele noch nie so langweilig gewesen wären wie diesmal. Böse Zungen behaupten, es hätte wohl aufgrund von Corona kaum Konkurrenz zu Titane gegeben. Denn wie sonst wäre es zu erklären, dass dieser Schocker den Hauptpreis abräumt… Aber tatsächlich war es längst überfällig, einen Film wie diesen zu prämieren. Vielleicht lag es daran, dass die Jury überwiegend weiblich war. Oder es passt mit der makabren Art in die Zeit, die Corona nach sich zog. So oder so durfte sich Julia Ducournau nach ihrer ersten Einladung nach Cannes über den Preis freuen. Sie bedankte sich entsprechend aufrichtig und war sich dessen bewusst, dass die Jury ausgesprochen viel Diversität zugelassen hat und dass diese Entscheidung eine überaus mutige war.

Generell war ein Trend zu beobachten. Die Jury war uneinig wie selten zuvor. Es gab einige weitere überraschende Prämierungen an jenem Abend. Ob es an der bunten Auswahl von 24 Filmen lag, dass die Entscheidungen so ausfielen? Man weiß es nicht. Aber so fielen andere Entscheidungen aus.

Das iranische Drama „Ghahreman“ teilte sich einen Preis mit dem finnischen Eisenbahn-Abenteuer „Hytti Nr. 6“ und der thailändische Regisseur Apichatpong Weerasethakul musste seinen mit dem israelischen Kollegen Nadav Lapid teilen. Hochverdient waren laut den Medien die Prämierung der Schauspieler Renate Reinsve und Caleb Landry Jones. Überraschend leer ausgegangen war hingegen Léa Seydoux, obwohl sie in drei Wettbewerbsfilmen die Hauptrolle spielte.

So bleibt unterm Strich eines festzuhalten. Die Prämierung ist und bleibt auf der einen Seite doch wieder subjektiv und auf der anderen Seite ein klein wenig Glücksspiel. Es ist eben wie im Poker. Man weiß erst, ob man gewinnt, wenn alle Karten auf dem Tisch liegen.

 

 

 

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