Undergrounders: ALLAN GREY

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Spricht man vom deutschen Indie-, Amateur- oder Undergroundfilm denken nicht wenige an schlechte Perücken, schlechtere Schauspieler und Drehbücher, die auf eine Serviette passen. Im schlimmsten Fall ist das weder originell noch gut umgesetzt und wirklich nur als Freizeitvertreib der Macher zu verstehen.

Umso erfreulicher sind Filme, die sich vom Einheitssumpf lösen, die Freiheit, die ein unabhängiger Film mit sich bringt, voll auskosten und auch mal in anderer Weise über die Stränge schlagen, als nur ein Fass Kunstblut über ein paar Nacktjulen auszukippen.

ALLAN GREY ist ein solcher Film und während die Prämisse einen Vampirfilm zu sehen, zwar nicht abschreckt, aber auch nicht auf Ungewöhnliches hoffen lässt, entpuppt sich das Werk rasch als gehöriger Mindfuck.

Wer ist dieser ALLAN GREY?

In diesem Film ist Grey jemand, der sich mit dem Übersinnlichen auskennt, eine Art John Sinclair. Allan Grey tauchte aber bereits 1932 in dem Film VAMPYR – DER TRAUM DES ALLAN GREY in ähnlicher Funktion auf. Anders als NOSFERATU von 1922 oder DRACULA von 1931 ist VAMPYR innerhalb seines Genres vergleichsweise unbekannt.

allan grey review

Regisseur Ralf Möllenhoff (NOIR) hat ihn offenbar dennoch gesehen und kennt sich auch sonst gut aus, denn sein ALLAN GREY ist ein Ritt durch die Filmgeschichte, dessen Stil darin besteht, dass er sich an jedem Stil bedient.
Da trifft dann eben der deutsche Expressionismus der Stummfilmzeit auf Italo-Ästhetik der 60er und 70er; manchmal rechnet man damit, dass ein junger Klaus Kinski durchs Bild huscht, dann befinden man sich aber schon wieder in einer alptraumhaften Lynch-Kulisse.

allan grey 2016

Auch die Handlung lässt sich nicht zeitlich verorten. Mal sehen wir Schwarz-Weiss-Bilder mit stilisierten Kulissen, wo tatsächlich der Stummfilm aufersteht, dann ist aber auch ein Computer zu sehen; Diener Renfield verschließt ein Loch mit Bauschaum und die surrealen Augenblicke, in denen ein übergroßes Gänseblümchen (oder ist es eine Margarite?) eine gefesselte Frau mit einem Handrasenmäher zu überfahren droht, erstrahlt in psychedelischen 70er-Farben.

allan grey möllenhoff

Unnötig zu erwähnen, ALLAN GREY ist kein Film, der Massen anziehen wird, es ist auch kein Film, der leicht zu verstehen wäre (wenn überhaupt), aber trotz dieser vermeintlich sinnlosen Zusammenstellung von Szenen aller Art, bleibt dennoch das Gefühl, dass sich die Teile des wilden Puzzles zusammenfügen. Farben oder das Fehlen von Farben, Klänge und Musik, sowie der latente  Wiedererkennungswert zu vorhandenen (Vampir)-Filmen, vermitteln eine dichte Atmosphäre.

Natürlich ist bei einer solche kleinen Produktion nicht alles einwandfrei, was in diesem speziellen Fall aber leicht zu verstecken ist, denn wenn beispielsweise ein Schauspieler overacted oder eine Kulisse allzu künstlich erschent, bleibt beim Zuschauer die Frage, ob Actor und Kulissenbauer das nicht besser konnten oder auch dies als Hommage an das Filmemachen vor 100 Jahren zu verstehen ist.

ALLAN GREY wurde bereits 2016 abgedreht, zwischenzeitlich auch mal auf dem ein oder anderen Festival zu sehen, erscheint aber erst jetzt auf Scheibe und kann im Online-Shop von RIP Independent erworben werden.

Fazit zu ALLAN GREY

Eine bedingungslose Kaufempfehlung auszusprechen wäre falsch, denn dieses eigenartige, eigenwillige, aber durchdachte Werk kann man nicht jedem empfehlen. Wer aber mit Arthouse, das sich auch für die ein oder andere Gore-Szene nicht zu schade ist, etwas anfangen kann, sollte einen Blick riskieren.

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