Undergrounders: CASTING OF DEATH – Kurzfilm von Ezra Tsegaye

Man stelle sich vor, es gäbe eine Kamera, die mehr zeigt als das, was man mit dem bloßen Auge sieht. Eine Kamera, die nicht die echten Ereignisse, sondern die verborgenen Wünsche der Menschen aufzeichnet.

Ganz entfernt klingt das nach SIE LEBEN, wo auch ein optisches Hilfsmittel die wahre Identität enthüllen konnte und wie Ezra Tsegaye, der Regisseur von CASTING OF DEATH berichtet, versteht sich sein Kurzfilm durchaus auch in der Tradition von trashigen Streifen der 80er und 90er.

Darin geht es um ein Casting, in der ein Oben-ohne-Modell während eines Castings auf einen schmierigen Regisseur und dessen nerdigen Kameramann trifft. Als die russische Kamera, die zum Einsatz kommt, plötzlich ungewöhnliche (und blutige) Bilder liefert, eskaliert die Situation.

Das Nackt-Modell wird von Micaela Schäfer (SEED 2) gespielt. Die tut das, was sie am besten kann und holt in windeseile die vom anschauen abgenutzten Brüste raus und spielt sich ansonsten recht mühsam durch ihre Rolle. Originell wäre wohl nur, wenn sie angezogen geblieben wäre.
Das reissen aber die Kollegen und die Story wieder raus, die nicht nur durch besagte Kamera ein interessantes Tool bereithält, sondern auch mit humorigen Einschüben aufwartet und insgeamt professionell umgesetzt ist.

Zusätzlich wird die Geschichte durch kleine Zwischenclips aufgelockert, die z.B. einen russischen Wissenschaftler zeigen, der Details zur Kamera erzählt oder eine fantasierte Cocktailanleitung . Das passt teilweise gut zum Kontext, manchmal weniger. Was etwa ein animierter STAR TREK – Clip soll, bleibt wohl das Geheimnis der Macher, es darf aber gemutmaßt werden, dass der Regisseur, der auch als Grafiker und Comiczeichner aktiv ist, hier einfach seinen Vorlieben nachging und übers Ziel hinausschoss.

Interessanter wäre sicher gewesen, weitere Enblicke in die Köpfe der Menschen zu erhalten, die die Kamera auf undrucksvoll brutale Weise liefert. Was das angeht, scheint man noch lange nicht am Ende der Möglichkeiten und wer weiß, vielleicht macht man aus der Idee mal einen Langfilm. Ich würde ihn mir ansehen.

Wer hingegen den CASTING OF DEATH – Kurzfilm sehen will, kann das auf Vimeo tun.

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