Undergrounders: DAUGHTER OF DISMAY von James Quinn

daughter of dismay

Der Name James Quinn klingt zwar nach großer weiter Welt, tatsächlich kommt der junge Filmemacher aber „nur“ aus Österreich. Dass das kein Nachteil sein muss, bewiesen in den letzten Jahren nicht nur Filme wie ICH SEH ICH SEH, DIE HÖLLE oder DAS FINSTERE TAL, sondern auch Quinn selbst, der nach diversen Shorts 2017  mit seinem ersten Langfilm FLESH OF THE VOID vorstellig wurde.

Einfache Kost sieht jedoch anders aus und FLESH OF THE VOID zog mit seinen stilisierten Schwarzweiß-Bildern einige Vergleiche zu BEGOTTEN  auf sich. Damit füllt man keine Multiplex-Kinos, macht sich aber im Untergrund einen Namen und auch wenn DAUGHTER OF DISMAY weniger abstrakt erscheint, wird der knapp neunminütige Kurzfilm ein ähnliches Publikum bedienen.

Darin sehen wir eine alte Frau, die im Wald ein Blutopfer darbringt und damit dunkle Mächte herbeiruft.

Die Geschichte wird ohne viele Worte erzählt, was dazu führt, dass man die Ereignisse auf verschiedene Weise deuten darf. Um Quinns eigentliche Absicht zu verstehen, muss man die offizielle Inhaltsangabe lesen. Da beide Gedankenansätze Sinn ergeben, verzichten wir hier auf weitere Details.

Allerdings ist es ohnehin nicht die Story, sondern die Bilder, die fesseln.
Das Waldstück, auf dem die Hexe ihr Ritual vollzieht, scheint einem Märchenforst entliehen.
Die Natur wirkt authentisch und dennoch künstlich. Mal glaubt man fast den Wind zu spüren, Sekunden später fragt man sich, woher der unnatürliche Lichteinfall kommt. Manche Aufnahme wirkt gar so eigenartig, als würden die Figuren vor einem Greenscreen stehen.

Allerdings funktioniert diese eigenwillige Natur-Optik nicht nur prächtig, sondern wird gepaart mit morbider Okkult-Ästhetik, einer gelungenen Kameraarbeit und einem düsteren Geigen/Cello-Score.
Hieraus entsteht eine folkloristische Atmosphäre, die entfernt an THE WITCH oder HAGAZUSSA erinnert.

DAUGHTER OF DISMAY erlaubt sich kleinere Schwächen: so sieht ein Messer, mit dem sich die Frau eine böse Wunde zufügt, zu sehr nach Rambo und entsprechend wenig geheimnisvoll aus. Auch wirken ihre Hände und Körperhaltung jünger als sie (vermutlich) sein sollen.
Man muss aber sagen, dass diese paar unrunden Details den positiven Gesamteindruck kaum trüben.

Ob James Quinn mit diesem oder seinen kommenden Filmen den Mainstream abholt, sei dahingestellt. Darauf kommt es aber auch nicht an und dass in DAUGHTER OF DISMAY viel Talent floss, steht außer Frage.

 

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