Undergrounders: STURMGEWEHR

sturmgewehr

 

Es gab dieses Jahr einige sehenswerte Undergrounder im deutschsprachigen Raum, z.B. DAUGHTER OF DISMAY, NOCTA oder DAS WUNDERN DES JUNGEN ULYSSES. Da wächst die Hoffnung, dass auch aus der Schweiz – immerhin der Inbegriff der Zuverlässigkeit – ein anständiger kleiner Film kommt…..

Inhaltlich geht es in STURMGEWEHR nur am Rande um die titelgebende Waffe, dafür aber um einen reichen Herren, der zwei Handlanger losschickt, ein behindertes Mädchen aus einem Heim zu entführen und langsam zu ermorden.

Nach Reichtum sieht der Auftraggeber nicht aus., sondern lungert schon mal vor grafittibeschmierten Wänden rum. Dafür scheint nicht nur das Opfer behindert und der Dialog im Telefonat zwischen Auftraggeber und Befehlsempfänger ist so schwach zusammengeschnitten, als würde einer nach der Uhrzeit fragen und der andere mit „Hellgrün“ antworten.

Die beiden Verbrecher geben sich nun erst mal als Dokumentarfilmer aus, die die Betreuerin des Mädchens ausgiebig interviewen, bevor sie beide entführen.
Besagte Betreuerin kann immerhin schauspielern und man nimmt ihr ab, dass sie tatsächlich als Sonderpädagogin oder ähnliches arbeitet. Spannend ist das Interview mit ihr trotzdem nicht, was einfach daran liegt, dass es nichts zum weiteren Verlauf beiträgt, was übrigens auch für überlange Naturaufnahmen eines Strandes, einer Landstraße und einem Gewässer gilt, mit denen man sich uninspiriert die Zeit vertreibt, ohne auch nur ansatzweise Stimmung zu erzeugen.

Also Fast Forward zum Foltern. Hier bearbeiten die Folterknechte, die mal Sonnenbrillen, mal funny Masken tragen, das Mädchen mit Frischhaltefolie, bevor sie endlich das besagte Sturmgewehr hervorholen. Man zwingt die junge Frau dazu am Lauf zu lutschen.
Verstanden, das soll quasi eine orale Vergewaltigung sein. Oh, wie gerne man maximal pervers wäre, aber das Getue zieht sich über Minuten und ist weder hart noch künstlerisch, sondern zum Fremdschämen öde.
Weil die Filmemacher noch ein vermeintliches Ass im Ärmel haben, kommt ein zweites Sturmgewehr zum Einsatz, was die Szene nur länger, aber keinen Deut besser macht.
Das merken wohl auch die debilen Killer, also hacken sie ihr Opfer, die plötzlich wie eine Schaufensterpuppe aussieht, in Stücke.

Als wäre das nicht genug, wiederholt sich das nahezu gleiche Schauspiel noch mal mit der Betreuerin und am Ende pinkelt einer der beiden Profimörder aufs jeweilige Opfer.
Da man zu prüde war, den eigenen Schwanz zu zeigen, besprenkelt sich der Foltermeister mit einem Gummidödel versehentlich die eigene Jeans, was in etwa die Qualität seiner Arbeit und des Films widerspiegelt.

Immerhin, eine Szene dürfte männlichen Zuschauern beim Hinsehen weh tun. Gegen Ende mögen sich die beiden Mörder nämlich gar nicht mehr, und einer rammt dem anderen einen Schraubenzieher in die Harnröhre des Plastikpenis. Die obligatorische Kastrations- / Schwanz ab – Szene hat man aber in den letzten Jahren schon so oft gesehen, dass man ohnehin mit ihr rechnete.

Eins muss man den Schweizern lassen, sie sind lässig. Alle Opfer ertragen ihr Leid ohne Murren. Da wird geschnippelt, geschnitten, gestochen, aber kaum ein Laut des Schmerzes kommt über Lippen der Gefolterten. Vielleicht sind sie aber auch eingeschlafen. Man könnte es ihnen eben so wenig verübeln, wie die Tatsache, dass sich die meisten Schauspieler nur mit Vornamen in den Credits führen lassen.

Warum man den Film STURMGEWEHR und nicht HACKEBEIL, FRISCHHALTEFOLIE oder PAPIERSCHERE nannte, bleibt ein Geheimnis. Es löst sich nicht mal ein Schuss aus der Wumme.
Sorry, aber hier passt nichts zusammen.

Bildquelle: imdb.com

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