Wir müssen reden: Rothaarig, immer lächelnd…FÜRCHTERLICH

kindheitstraumata clowns

 

Angst hat jeder vor irgendwas. Auch wenn mir in diesem Punkt wohl einige widersprechen möchten, ist Angst keineswegs etwas was man um jeden Preis bekämpfen muss. Schließlich schützt sie uns vor Dingen, mit denen wir nicht zurechtkommen, die uns in Gefahr bringen oder die grundsätzlich einfach nicht gut für uns sind.

Reden wir nun also über das, was meine Psyche und tatsächlich auch meinen Körper lähmt. Wie schon offensichtlich durch das Titelbild ist, sind es Clowns. Allerdings ist der Ursprung ein anderer, als ein misslungener Besuch im Zirkus.


Once upon a time… mein Opa besaß eine Videothek. Da meine Eltern berufstätig waren, durfte ich nachmittags nach dem Kindergarten, jeden Tag bei Opa in der Videothek warten bis einer der anderen Feierabend hatte. Es war aufregend… ich, gerade fünf Jahre alt, durfte jeden Tag Filme sehen. Eigentlich waren es nur Trailer der aktuellen Kinofilme, für eine Fünfjährige aber etwas Besonderes. Bis zu jenem Tag… ich ging wie immer in die Videothek. Opa war noch beschäftigt, also ging ich durch die Regale und schaute mir die großen Pappaufsteller von E.T. und Freddy Krüger an. Immer noch wartend, setze ich mich an den Tresen über dem viele kleine TV-Geräte hingen und die neusten Trailer und teilweise ältere Filme zu Werbezwecken liefen.

An jenem Tag lief CHUCKY, DIE MÖRDERPUPPE… ich sah gespannt auf den Bildschirm und konnte Chucky beiwohnen, wie er einem kleinen Jungen in einem Luftschacht hinterher kroch, mit einer Schere in der Hand. Diese Szene verfolgt mich seit diesem Tag, sobald ich den Filmtitel höre, ist sie da. Dieser war auch der letzte Tag, an dem ich die Videothek betrat. Um meinen Schreianfällen zu entgehen, mussten sich meine Eltern fortan die Schichten anders einteilen. Für mich gab es keine Videothek mehr.

Chucky

Viele Jahre später entwickelte sich daraus zunächst nur die Angst vor roten Haaren. Diese wuchs heran zu einer waschechten Phobie vor Clowns und deren Lächeln, welches man nie als echt erkennen kann. Viele Versuche diese mit Konfrontation zu beseitigen, schlugen fehl. Der letzte Versuch ist noch gar nicht lange her, der erste Teil des ES Remakes sollte es sein. Ich hab ihn durchgestanden, bis zum Ende, mit geistiger Unterstützung eines Freundes. Allerdings heulte ich den halben Film durch. Eine körperliche Reaktion, die für mich nicht steuerbar ist. Die Tränen laufen, meine Hände sind nass und meine Beine taub. Der Abspann war die Erleichterung des Jahrhunderts.

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Die Phobie beschränkt sich leider nicht nur auf Filme in denen ein Clown auftaucht, allein die alljährlichen Zirkusbanner an den Geländern meiner Heimatstadt sind der pure Horror. Plüschtiere oder auch witzige Grußkarten sind ein Alptraum, dem man oft nicht aus dem Weg gehen kann. Von der Mode der Killerclowns will ich gar nicht erst anfangen, einer dieser Gestalten zu begegnen, wäre wohl nahezu meine persönliche Hölle.

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Lasst euch also gesagt sein, wenn jemand euch seine Ängste anvertraut, dann tut er dies sicher nicht mit der Bitte, dass ihr ihn damit aufzieht und dies ins Lächerliche zieht. Mit einer Phobie konfrontiert zu werden, bedeutet für Betroffene Todesangst durchzumachen. Mag es auch manchmal noch so komisch klingen, oder nahezu unglaublich, ist es doch nicht witzig.

Es gibt Freunde und Familienmitglieder, die meine Angst seit jeher belustigt. Jene Menschen machen sich einen Spaß daraus, mich zu „erschrecken“. Neulich fand ich zum Beispiel eine Clowns-Puppe zugedeckt auf meinem Bett. Wie lustig es für mich war, mitten in der Nacht die Bettdecke hochzuschlagen und in eine hässliche Clownsfratze zu schauen, könnt ihr euch in etwa ausmalen.

Ich habe meine Angst vor diesen rothaarigen Monstern akzeptiert und muss wohl mit dem ein oder anderen Schrecken leben.

 

 

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