Wir müssen reden: Trailer…wichtiger als der Film?

trailer wichtiger als der film

 

Wir zeigen euch hier regelmäßig neue Trailer und wir besprechen regelmäßig ganze Filme. Was wir normalerweise nicht tun, ist im Detail über Trailer zu sprechen.
Wir machen heute eine Ausnahme, weil Trailer ein Phänomen sind, das immer mehr Platz einnimmt.

Sprechen wir kurz über Trailer im Allgemeinen.
Es tut mir leid, wenn ich jemandes Träume zerstöre, aber machen wir uns nichts vor. Die Dinger sind Lügner! Sie sind wie eine Mischung aus Gebrauchtwagenhändler und Sektenführer. Sie würden dir alles erzählen, um zu erreichen, was sie wollen.
Denkt an Filme wie BABADOOK oder THE WITCH, die man mögen kann oder nicht, die aber viele Leute alleine dadurch verprellt haben, weil ihnen der Trailer etwas ganz anderes versprach, als der Film war.

Wie einfach das geht, zeigen folgende Beispiele:

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Und? Welchen würdet ihr euch an einem Horrorabend eher ansehen, wenn ihr nicht wüsstet, was euch erwartet? Viel Spaß mit Baby beim Wassermelonentragen.

Aber so verlogen Trailer auch sein mögen, jeder mag sie.
Ich persönlich hasse es zu spät ins Kino zu kommen und die Trailer zu verpassen, ich hasse es, wenn DVDs keine Trailer zu anderen Filmen beinhalten.
In Zeiten, in denen die Aufmerksamkeitsspanne der meisten Menschen nicht mehr bei 90 Minuten, sondern eher 90 Sekunden liegt, ist ein Trailer für viele genau so gut wie ein vollwertiger Film und dazu noch billig. Wenn man dann noch berücksichtigt, dass einige Produktionen im Vorfeld mehrere Trailer, Teaser, Redband-Trailer, International Trailer und was-es-alles-gibt-Trailer erhalten, hat man oft schon 2/3 der relevanten Szenen gesehen, bevor das fertige Produkt erscheint.

Trailer: Lügner und Verführer

Da bleiben auch Spoiler nicht aus, was zumindest dann ärgerlich ist, wenn man sich den kompletten Film irgendwann noch mal ansehen möchte.
In der Neuverfilmung von FRIEDHOF DER KUSCHELTIERE hat man aus Angst vorm Publikum gleich während des Trailers alles verraten, was es neues gibt. Man muss sich das vorstellen: da sitzen die Drehbuchautoren monatelang da und überlegen, dass sie Ellie statt Gage töten (warum auch immer) und nachdem man highfivend die ursprüngliche Story so ins Skript geschrieben hat, dass dem Zuschauer die Kinnlade runterfällt, entscheidet irgendwer, dass es ja eine tolle Idee wäre, wenn man diese Überraschung schon Monate vor dem Release preisgibt…und trotzdem war das Interesse groß.

Die Industrie benimmt sich entsprechend. Trailer werden Tage vor Erscheinen von PR-Agenturen angekündigt und wenn was angekündigt wird, berichten Medien darüber…es muss ja wichtig sein. Einige Trailer erhalten wiederum einen eigenen Teaser, was die imaginäre Bedeutung noch mehr in die Höhe schraubt und wenn es dann Filme wie ES, HALLOWEEN oder eben FRIEDHOF DER KUSCHELTIERE sind, also Remakes/Neuverfilmungen oder Sequels, zu denen sowieso jeder eine Meinung hat, oftmals OHNE ein Bild gesehen zu haben, kannst du dir sicher sein, dass du die nächsten drei Tage in den sozialen Medien nichts mehr anderes siehst.

Da mag man sich fragen, was als nächstes kommt. Vielleicht wird man gar keine Filme mehr drehen, aus denen man dann Trailer schneidet, sondern den umgekehrten Weg gehen.
Moment mal…das ist ja schon lange denkbar.
HOBO WITH A SHOTGUN und MACHETE waren anfangs Fake Trailer im GRINDHOUSE-Double Feature von Tarantino und Rodriguez und CLOWN wurde nur deswegen von Eli Roth produziert, weil Regisseur Jon Watts zunächst aus Spaß einen Fake Trailer erschuf, in dem er behauptete, dass der vermeintliche Film von Roth gedreht wurde.
Zugegeben, diese Filme sind die Ausnahme, nicht die Regel, aber warum kommen clevere Filmemacher nicht öfters auf die Idee, sich damit für Langfilme vorzustellen? Andererseits leben wir auch in Zeiten, in denen junge Filmemacher lieber 5€ mit dem Verkauf ihrer Kurzfilme verdienen wollen, statt sie einem breiten Publikum als Referenz auf Youtube zu zeigen.

Vielleicht stehen wir auch an der Schwelle einer cineastischen Zeit, in der man nur noch Trailer braucht.
Die meisten Geschichten sind so simpel, dass man in 1-2 Minuten alles von Relevanz erzählen könnte.
Ihr kennt diese 3 Szenarien zu genüge:
-Familie zieht in ein altes Haus → es spukt
-5 Freunde fahren in den Wald → Maskenmänner und Mutanten schlagen zu
-eine Frau wird vergewaltigt → jemand schneidet dem Täter den Schwanz ab.

Trailer als Ersatz für vollwertige Filme?

Warum so tun, als müsse man ein komplizierte Story darum aufbauen? Warum einen talentfreien Autoren bemühen, der den Hauptfiguren dumme Dialoge auf die Lippen legt? Warum 90 Minuten Film abdrehen? Das kostet doch nur Zeit und Geld!
Zeigt uns einfach die 5 Jumpscares oder die Handvoll Splatter-Szenen in einem Trailer und nach weniger als 2 Minuten geht jeder seiner Wege….
Natürlich zahlt der Kunde für das Ergebnis das Gleiche (oder mehr), wir Horrorfans sind gewohnt, dass man uns verarscht und für dumm verkauft (siehe hier oder hier) und wir lassen uns gerne verarschen.

Oder aber, macht mal was verrücktes: zeigt uns kurze Ausschnitte aus dem Film, die halbwegs repräsentativ sind, Lust machen genau diesen Film zu sehen und nicht die ganze Geschichte verraten….ich weiß, das klingt verrückt, aber könnte funktionieren.

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