Review: WORLD WAR Z (2013)

World War Z
BEWERTUNGEN:
Redaktion: 7.5

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7.7/10 (39)

Darsteller: Brad Pitt, Mireille Enos, Daniella Kertesz
Regie: Marc Forster
Drehbuch: Drew Goddard, Damon Lindelof, J. Michael Straczynski, Matthew Michael Carnahan
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WORLD WAR Z ist neben den Remakes von EVIL DEAD und CARRIE wohl einer der Horrorfilme 2013, die im Vorfeld am meisten Staub aufwirbelten. Das liegt einerseits an der prominenten Besetzung (Brad Pitt spielt die Hauptrolle), zum anderen daran, dass der Film auf Max Brooks‘ gleichnamigem Buch (dt: OPERATION ZOMBIE) beruht, das durchaus Kultstatus genießt.
In dem Roman wird in zahlreichen, meist voneinander unabhängigen kurzen Geschichten der globale Zombieausbruch beschrieben und wie die Menschheit damit umgeht.

World War Z

Auch die Handlung des Films setzt kurz vor der Apokalypse an und begleitet Gerry Lane und seine Familie an einem scheinbar normalen Tag. Doch dann bricht die Hölle los und innerhalb weniger Stunden liegen Millionenstädte in Schutt und Asche. Seiner Beziehung zur UNO hat es Gerry zu verdanken, dass seine Familie auf einem Flugzeugträger Schutz findet. Doch um dort bleiben zu dürfen, muss Gerry in einem Wettlauf gegen die Zeit (und die Untoten) um die Welt reisen, um ein Gegenmittel zu finden.

Es gibt Filme, die so einzigartig sind, dass sie entweder innerhalb eines Genres einen Boom auslösen können oder so besonders sind, dass sie einen Schlussstrich unter alles bisher Dagewesene ziehen.
WORLD WAR Z könnte beides schaffen. Einerseits ist dieses Werk schnell, spannend, hochprofessionell und setzt damit in einem Genre neue Maßstäbe, wo unzählige Streifen nur deswegen produziert werden, weil es einfach ist, den Kumpel als Untoten zu schminken.
Andererseits ist mit WORLD WAR Z der Zombie endgültig im Mainstream angekommen und hartgesottene Fans werden ihre Enttäuschung nur schwer verbergen können.

World War Z

Nein, ein Horrorfilm muss nicht zwingend voller Eingeweide sein, aber wer „Weltkrieg“ im Namen trägt, sollte auch die Grauen des Krieges zeigen. Brutal geht es prinzipiell durchaus zu, aber immer wenn ein paar Blutspritzer drohen, bringt sich der Kameramann in Sicherheit. So wird in einer Szene einer jungen Frau mit einer Machete der Unterarm abgetrennt, Blut scheint dabei (im Gegensatz zu einer vergleichbaren Szene in EVIL DEAD) aber keines zu fließen.
WORLD WAR Z war teuer, sehr teuer und daher mussten wohl einige Kompromisse gemacht werden. Die Folge ist eine vergleichsweise harmlose FSK 16 – Freigabe.

Kenner des Buches werden außerdem beklagen, dass sich der Film weit von der Vorlage entfernt. Auch das war in gewisser Weise abzusehen, da es für den Zuschauer schlichtweg einfacher ist, EINER Person zu folgen, die die Story zusammenhält. Diese Person ist Gerry, liebender Familienvater, aber auch Profi durch und durch. Ein Kerl, der morgens noch Pfannkuchen für die Familie backt und kurz darauf gegen die Toten in den Krieg zieht.

World War Z

Es gibt Augenblicke in denen Gerry etwas zu sehr wie der All-American-Hero dargestellt wird, dass dies nicht überhandnimmt, ist aber Brad Pitt zu verdanken, der längst nicht mehr beweisen muss, dass er mehr kann als gut aussehen und auch hier gut spielt.
Als Zuschauer folgen wir ihm von den USA nach Korea, Israel und Wales, wo ihn verschiedene Weggefährten vorrübergehend begleiten (u.a. übrigens Moritz Bleibtreu).
Die unterschiedlichen Schauplätze sind dabei ebenso abwechslungsreich wie die Ereignisse und mit Sicherheit kann man dem Film nicht vorwerfen langweilig zu sein.

Sollte eines Tages die Zombieapokalypse kommen, könnte sie ähnlich aussehen wie in WWZ. Keine langsamen Untoten (wie sie Brooks in seinem Buch beschrieb), die von einem achtjährigen mit einem Klappspaten gestoppt werden könnten, sondern rasende, sich blitzschnell verwandelnde Viecher, die über eine Art Schwarmintelligenz verfügen und so ohne Rücksicht auf eigene Verluste jedes Hindernis überwinden können.

Was ist WORLD WAR Z also? Blutleeres Popcornkino oder Hyperspeed-Weltuntergang? Anbiederung an den Mainstream oder Vollbedienung in Sachen Zombie?
Vielleicht etwas von allem. Das bewusste Umschiffen jeder Gewaltszene wirkt albern und die Geschichte hat mit Max Brooks‘ Buch wenig gemein, davon abgesehen macht der Film aber Spaß (gerade auf der großen Leinwand), bedient sich großartiger Effekte und hat bei aller Oberflächlichkeit gute Einzelszenen. Somit ist WORLD WAR Z eine Mischung aus jedem Roland Emmerich-Film und 28 TAGE SPÄTER…wie auch immer man das finden will.

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