Review: DARK STAR: HR GIGERS WELT (2014)

BEWERTUNGEN:
Redaktion: 9.0

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9.5/10 (8)

Regie: Belinda Sallin
Drehbuch: Belinda Sallin
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Als HR Giger im letzten Jahr verstarb, war nicht nur unter Kunst-, sondern auch Horror- und Metalfans die Bestürzung groß. Kein Wunder, denn Giger stand wie kein zweiter für dunkle Plattencover, verstörende Bilder und gewann bekanntermaßen einen Oscar für die Erschaffung des ALIEN.

Belinda Sallin besuchte Giger kurz vor seinem unerwarteten Tod und schafft daher mit DARK STAR: HR GIGERS WELT einen besonderen Nachruf und liefert ungewöhnliche Einblicke.

hr giger dark star

Schon die ersten Minuten des Films verwundern, denn man könnte meinen, dass ein großer Künstler anders wohnt, vielleicht in einer Villa, einem prunkvollen Anwesen. Stattdessen sehen wir einen wilden Garten, der zu einem recht unscheinbaren Einfamilienhaus führt. Die Räume sind klein und wären nicht all die typischen biomechanischen Kunstwerke, könnte man beinahe denken, man wäre im Haus eines Messies gelandet.
Glücklicherweise macht die Regisseurin nie den Fehler uns etwas erklären zu wollen. Die Bilder sprechen für sich, den Rest übernehmen Menschen aus Gigers Umfeld.
Die aktuelle und geschiedene Lebenspartnerinnen kommen zu Wort, Geschäftspartner und Freunde, darunter z.B. Tom Gabriel Fischer der Bands Celtic Frost / Tryptikon.

dark star giger tom fischer

Nebenbei erfahren wir von Unstimmigkeiten mit 20th Century Fox (das Studio hinter den ALIEN-Filmen), dass es finanzielle Nöte gab, werfen einen Blick zurück auf die Kindheit des Künstlers und die Erschaffung von ALIEN oder der (empfehlenswerten) Giger Bar & Museum in Gruyères.

Und natürlich sprechen wir mit HR Giger. Dass der von allen mit seinem echten Namen Hansruedi genannt wird, ist symptomatisch, denn der Film ist ein intimer Blick hinter die Fassade, der mit ihm selbst beginnt. Das Reden fällt ihm schwer, das Gehen auch und wie der alte Johnny Cash wirkt er vom Leben gezeichnet.
Das ändert aber nichts daran, dass er eine übergroße Modelleisenbahn im Garten hat und darauf herumfährt oder seine Augen immer wieder schelmisch aufblitzen.

Wer mit Gigers Schaffen bisher nichts anfangen konnte, kann sich diese Dokumentation vermutlich sparen, für Fans ergibt sich aber eine umfassende und stimmige Einsicht, die auch manch unbekanntes Kunstwerk zutage fördert, aber vor allem persönlich ist.
Da der Film wie schon erwähnt auch ein melancholischer (aber unkitschiger) Nachruf ist, ist es auch nicht weiter tragisch, dass man kritische Töne vergeblich sucht.

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