Review: DEVIL’S KNOT (2013)

BEWERTUNGEN:
Redaktion: 5.5

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5/10 (36)

Darsteller: Colin Firth, Reese Withersppon, Kevin Durand
Regie: Atom Egoyan
Drehbuch: Scott Derrickson, Paul Harris Boardman
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Wenn ein Film verspricht auf wahren Begebenheiten zu beruhen, erwartet man entweder unfreiwillige Komik, weil das Versprechen vollkommen an der Realität vorbeigeht, oder aber eine akribische Aufarbeitung wirklich wahrer Ereignisse. DEVIL’S KNOT ist zweiter Kategorie zuzuordnen, und zwar mit allem was dafür und dagegen spricht.

1993 gehen in West-Memphis, Arkansas drei Jungen zum Spielen in die Wälder und kommen am Abend nicht wieder nach Hause.
Bei einer groß angelegten Suchaktion, werden ihre nackten, gefesselten Leichen in einem Teich gefunden. Schnell geraten drei ältere Teenager der Stadt in Verdacht. Sie gelten als schwer erziehbar, hören Heavy Metal, sollen mit satanischen Ritualen in Verbindung stehen. Es dauert nicht lange, bis man Anklage erhebt, aber Fragen bleiben.

devils knot

Es sind vor allem die ersten Minuten des Films, die im Gedächtnis bleiben. Das Setting wirkt authentisch und auch wenn die Morde nicht gezeigt werden, brennt sich der Anblick der echt aussehenden Kinderleichen ins Gedächtnis.
Was folgt nimmt uns Zuschauer mit auf eine Reise der Vorurteile, Anschuldigungen, Rätsel und Verkettungen.

Dass die Beschuldigten einige fragwürdige Dinge tun, ist aus der Sicht der Gesellschaft nachvollziehbar und Andersartigkeit machte Menschen schon immer Angst. Da muss man gar nicht so weit wie an Hexenverbrennungen im Mittelalter zurückdenken. Dass sich etablierte Rockmusiker vor Gericht verantworten mussten, ereignete sich im auslaufenden 20. Jahrhundert. Da kann man also erahnen, wie schnell ein paar langhaarige jugendliche Rabauken mit Hang zum Okkultismus in den Fokus rücken.
Als Horrorfanverursacht das einen Kloß im Hals, denn was würde wohl die Polizei zu euren Splatter-DVDs sagen, wenn in der Nachbarschaft mal jemand ermordet wird?

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Die Besetzung des Films ist hochklassig. Reese Witherspoon (WALK THE LINE) spielt die Mutter eines der Ermordeten, Colin Firth (THE KING’S SPEECH) einen Privatermittler und neben den beiden Oscarpreisträgern gibt Kevin Durand (LEGION) eine für ihn ungewohnt ernste Rolle. Selbst kleine Rollen werden noch mit bekannteren Mimen gefüllt, wie z.B. Mireille Enos (WORLD WAR Z).
Regie führte Atom Egoyan (WAHRE LÜGEN), eine echte Überraschung zeigt sich aber mit Blick aufs Drehbuch. Da steht u.a. der Name Scott Derrickson. Der schreibt seine Bücher normalerweise für sich selbst und ist natürlich als Regisseur von Horrorthrillern wie SINISTER oder ERLÖSE UNS VON DEM BÖSEN bekannt.

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Bevor aber falsche Erwartungen geweckt werden, DEVIL’S KNOT ist kein Horrorfilm, auch kein Thriller, sondern vor allem Drama, das sich den Morden von verschiedenen Seiten nähert, mal auf die Familien blickt, mal auf die Polizeiarbeit, aber viel Zeit im Gerichtssaal verbringt.
Dass Gerichtsprozesse nicht öde sein müssen, beweisen EINE FRAGE DER EHRE oder DIE 12 GESCHWORENEN, hier wird aber mehr Wert auf Authentizität gelegt, was die Sache zu einem zweifelhaften Vergnügen macht.

Um es vorweg zu nehmen, es ist bis heute nicht abschließend geklärt, wer die Morde beging und mit genau dieser Ungewissheit muss auch der Film klarkommen, der nahezu jedem eine Schattenseite einräumt, aber eben nicht in der Lage ist einen Schuldigen zu benennen. Darin verheddert sich letztlich das Drehbuch, führt eine Unzahl von Personen ein, lässt sie wieder verschwinden, verwirrt mit Namen oder Aussagen, die plötzlich wiederrufen werden.

Während Witherspoon glaubhaft spielt, aber für die Geschichte kaum mehr tut als ein Gast im Gerichtssaal, ist Firth‘ Figur wichtiger, er bleibt aber erstaunlich blass.

DEVIL’S KNOT ist kein Totalausfall, dafür ist einfach zu viel individuelle Qualität involviert, umgekehrt hätte man bei all den prominenten Mitwirkenden aber mehr erwarten können. Schön, dass man sich realitätsnah gibt, nach einem gelungenen Einstieg zieht sich der Film aber in die Länge.

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