The Franchise: RESIDENT EVIL – Part 1

Bekanntermaßen basiert das RESIDENT EVIL-Universum zunächst auf einer Videospielreihe, die dann ebenfalls als Filmreihe, sowie als Animationsfilmreihe aufgegriffen wurde und zwischenzeitlich auch eine Reihe von Büchern hervorbrachte. Hier fokussieren wir uns auf die Realfilmreihe mit Milla Jovovich als Alice. Die Filmreihe selbst ist vage auf den Videospielen basierend. So ist der Ausgangspunkt in beiden ein Unfall mit experimentellen Biowaffen in einer geheimen Forschungsanlage der Umbrella-Corporation in der Kleinstadt Raccoon City. Auch tauchen immer wieder einige Figuren der Videospielreihe auf, wie die Polizistin Jill Valentine oder der Umbrella-Scherge Albert Wesker.

RESIDENT EVIL (2002)

Der erste Teil spielt vollständig in der geheimen, unterirdischen Forschungsanlage, unterhalb der Villa, in welcher der erste Teil der Videospielreihe angesiedelt ist. Die zunächst erinnungs- und besinnungslose Alice schließt sich einem Sondereinsatzkommando an, welche die Vorkommnisse in der Forschungsanlage, dem Hive, untersuchen soll. Nach und nach erfahren wir, wie es zu dem verhängnisvollen Vorgang kam. Dabei setzt sich das Team neben Horden von Zombies und dem einen oder anderen Mutanten auch mit der künstlichen Intelligenz, der Red Queen, auseinander. Wie der Rest der Serie ist auch dieser Teil eher actionlastig, wobei durchaus unheimliche Elemente vorkommen, vor allem bei den ersten Auftritten der Zombies. Die Atmosphäre des Films ist dabei ebenfalls, trotz andauernder Schusswechsel, recht unheimlich, aufgrund der klaustrophobischen Umgebung des nach und nach zerfallenden Labors.

Bewertung: 6.5

RESIDENT EVIL: APOCALYPSE (2004)

Der wohl schlechteste Teil der Serie orientiert sich vage an den Geschehnissen des dritten Videospiels, welches ebenfalls in einer Nacht in Raccoon City spielt, am Tag des Übergriffs des Virus auf die Stadt. So begegnen Fans der Reihe auch der Heldin des Videospiels, Jill Valentine, sowie einem alt-bekannten Mutanten, Nemesis, dessen verzerrte Fratze wohl auch den einzigen Höhepunkt des Films darstellt. Ansonsten brilliert dieser vor allem durch atemberaubend schlechte Dialoge, zumeist ebenso miese schauspielerische Leistungen und Actionszenen, die geradezu peinlich verkrampft versuchen, Klischees von Coolness zu reproduzieren. Großartige neue Einblicke in das RESIDENT EVIL-Universum erhält man ebenfalls kaum, außer ein wenig Aufklärung über die Entstehung des Nemesis. Über Alice erfahren wir, dass sie nach dem ersten Teil mit einer besonderen Variante des Virus infiziert wurde, wodurch sie besondere Kräfte entwickelte.

Bewertung: 3.5

RESIDENT EVIL: EXTINCTION (2007)

Zum Glück wurde im dritten Teil wieder der richtige Ton getroffen. Einige verkrampft wirkende Szenen gibt es immer noch, aber kein Vergleich zum Vorgänger. Auf pseudo-coole Sprüche wird weitgehend verzichtet, was der bedrückenden Atmosphäre gut tut. Diese speist sich vor allem daraus, dass man sich in diesem Teil bereits weiter von der Videospielreihe entfernt. So hat der Zombie-Virus bereits auf die ganze Welt übergegriffen, und damit Menschheit und Natur nahezu ausgerottet. Alice ist auf der Flucht vor der Umbrella Corporation, die ihr Blut für das Gegenmittel und ihre eigenen, finsteren Pläne benötigt. Der Film ist deutlich ernster als sein Vorgänger und das apokalyptische Wüstenszenario paart sich angenehm mit dem Überlebenskampf der Hauptpersonen. Auch nimmt die Story nochmal eine angenehme Wendung, da die Umbrella Corporation nicht nur nach einem Gegenmittel forscht, sondern mit Klonen des Hauptcharakters Alice weiterhin Forschungen für ihr Biowaffenprogramm betreibt. Dennoch sind auch hier die teilweise überzogene, sowie stereotype Darstellung mancher Charaktere störend, sowie eine ganze Fülle von Logiklücken.

Bewertung: 6.5

RESIDENT EVIL: AFTERLIFE (2010)

Mit den in EXTINCTION gefundenen Klonen macht sich Alice auf die Jagd nach den weltweit verteilten Geheimlaboren der Umbrella Corporation, um diese endgültig auszuschalten. Währenddessen sucht das Original nach Überlebenden in Alaska. Bevor sie auf diese trifft verbraucht sich der Großteil des Films in einem erstaunlich klassischen Zombieszenario: eine belagerte Shopping Mall, in welcher Alice zufällig (und im buchstäblichen Sinne) landet. So wenig es die Story vorantreibt, so angenehm ist es, gerade diesen Klassiker wieder einmal zu sehen. Auch wenn es, wie in allen RESIDENT EVIL-Filmen, sehr actionlastig zugeht, bleibt ein konstantes Gruselniveau vorhanden. Erst gegen Ende des Films stößt Alice auf die scheinbare Rettung, die sich als Falle herausstellt – und somit auch auf Albert Wesker. So gut umgesetzt das Szenario mit der Belagerung auch ist, neue Aspekte liefert der Film dabei wenig. Problematisch ist dabei unter anderem die Gestaltung der Charaktere, die durchweg stereotyp besetzt und gespielt sind – natürlich ist der Afroamerikaner Basketballspieler und selbstverständlich ist der ziegenbärtige Hollywood-Produzent ein schleimiger Verräter… Wirkliche Schockmomente kommen eigentlich kaum auf, aber für einen durchschnittlichen Filmabend – und natürlich als Fan des Franchise – kann man es sich schon mal ansehen.

Bewertung: 5.5

RESIDENT EVIL: RETRIBUTION (2012)

Was man nicht von diesem Film sagen kann. Zwar ist der Anfang recht gut gemacht und löst leichten Horror aus, da Alice zunächst nur eine unbedarfte Mutter ist, die sich plötzlich in einer Vorstadt-Zombieapokalypse wiederfindet – oder zumindest scheint es zunächst so. Auch die Idee, neben Umbrella und den Zombies, mit der Red Queen eine Amok laufende, künstliche Intelligenz als größte Bedrohung aufzunehmen ist vielleicht nicht neu, stellt aber eine interessante Erweiterung des RESIDENT EVIL-Universums dar. Oder zumindest hätte es so sein können. Denn letztlich erschöpft sich der Film in nicht enden wollenden, wenn auch teils gut choreographierten, Martial Arts-Kämpfen und noch längeren, extrem ungelenk und unrealistisch anmutenden Schießereien erschöpft. Lächerlich überzogen anmutende Charakterentwicklungen und Dialoge, die vor lauter Klischees kaum noch als Gespräche durchgehen können, vervollständigen das Bild eines wirklich erschreckend schlechten Films.

Bewertung: 3.0

RESIDENT EVIL: THE FINAL CHAPTER (2016)

Und dann das! Auf einmal, nachdem man alle Hoffnungen aufgegeben hat, wird mit dem letzten Teil der Reihe nochmal ein Film geschaffen, der tatsächlich sehenswert, ja sogar gut ist! Harte, apokalyptische Bilder, die teilweise sehr an World War Z erinnern. Super Spezialeffekte, denen man natürlich ansieht, dass der erste Film der Reihe bereits 12 Jahre zuvor gedreht wurde. Aber vor allem eine Story, die spannend zu Ende erzählt wird, mit Wendungen, die nicht an den Haaren herbeigezogen, sondern glaubhaft sind und zum Überfluss auch noch Hintergrundinformationen zur ganze RESIDENT EVIL-Geschichte aufdecken. Und dann verzichtet man sogar noch auf den Großteil der hölzernen Schießereien, sowie die erbärmlich schlechten Dialoge. Gut, dass alles reicht dann natürlich trotzdem nicht, um einen großartigen Film zu schaffen. Dennoch ist es ein guter Film, den man tatsächlich empfehlen kann, ohne anschließend von schlechtem Gewissen geplagt zu werden.

Bewertung: 7.5

FAZIT:

Bei RESIDENT EVIL handelt es sich um eine erstaunlich durchwachsene Filmreihe. Keiner der Filme kann wirklich als sehr gut bezeichnet werden, auch wenn manche bei Fans dieses Franchise durchaus nostalgische Freuden auslösen können. Andere, namentlich der erste, dritte und letzte Teil, sind durchaus spannend und sehenswert, wogegen vor allem der zweite und fünfte als massive Zeitverschwendung einzuschätzen sind. In aller Fairness muss man aber auch dazusagen: die Filmreihe soll natürlich vor allem Fans der Videospiele ansprechen und gerade die Fans der jüngeren Spiele – also der actionlastigeren – können sich damit ein paar nette Abende machen.
Wie schon mehrmals erwähnt wurde, besteht dieses Universum aus weit mehr als nur der Filmreihe mit Milla Jovovich. In einem zweiten Teil dieses Specials – wann auch immer es soweit sein sollte – wenden wir uns dann der animierten Filmreihe, sowie den Videospielen zu.

Zum Schluss dann noch ein kleiner Hoffnungsschimmer am Horizont: ein Reboot ist bereits geplant, wobei noch unklar ist, ob es eine Serie oder eine Filmreihe werden soll. Die Dreharbeiten sollen bereits im kommenden Jahr losgehen. Es gibt also noch Hoffnung! Und wie wir im nächsten Special zu dieser Reihe sehen werden, hat es das RESIDENT EVIL-Universum mehr als einmal geschafft, sich erfolgreich neu zu erfinden.

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