Special: Horror zum 2. Advent – Frau Perchta

Frau Perchta

 

Die zweite Kerze brennt. Die Stiefel wurden gefüllt und so mancher fand vielleicht mehr darin, als Einlegesohlen. Damit es uns bloß nicht zu warm ums Herz wird, schauen wir in andere Mythen und Volkssagen, bei denen es um die Weihnachtszeit weniger herzlich zugeht. Dafür besuchen wir Frau Perchta, eine uralte Göttin. Ihre Folklore findet man sowohl in der germanischen und keltischen Mythologie, als auch in der römischen und slawischen.

Die Perchta ist die Göttin der Zwischenräume, der Übergänge vom Alten zum Neuen, der Zeit zwischen den Jahren und auch die Göttin der Spinnerinnen sowie des Ackerbaus. In ihrer Darstellung, die bis ins Jahr 900 zurückreicht, hat sie zwei Gesichter. Eines, welches schön und strahlend erscheint, dieses zeigt sie den guten, den braven und fleißigen. Das andere aber ist grässlich, zerschrammt und mit einem langen, Hexennase ähnlichem Riechorgan versehen. Man sagt ihr auch eine starke Bindung zum Eisen nach, denn auf ihrem Kopf trägt sie eine Krone aus eben diesen, weshalb sie mancherorts den Beinamen „Eisenberta“ trägt.

In den Tagen zwischen dem 21. Dezember und 6. Januar veranstaltet die Perchta einen Umzug. Diesen nutzt sie, um nachzusehen, ob sich die Menschen an ihre Regeln halten. Ihr  Regelwerk besagt zum Beispiel, dass keine Wäsche an den Perchttagen gewaschen werden darf. Die Spinnräder der Spinnerinnen müssen still stehen und es darf nur Brei und Fisch verspeist werden. Begleitet wird sie von den Seelen ungeborener Kinder, welche eine Axt, einen eisernen Pflug, Ketten und Steine mit sich tragen.

Wird nun gegen ihre Regeln verstoßen, wählt sie ihre Strafe sehr genau. Erwischt sie Frauen beim Spinnen, verwüstet sie das Garn oder macht es anderweitig unbrauchbar. Flegelhaftes, böses oder freches benehmen bestraft Perchta, in dem sie ihren Atem benutzt, um Erblindung zu verursachen. Den Höhepunkt ihres Zorns erfährt nur, wer es wagt, andere Speisen als Brei und Fisch zu sich zunehmen. Jenen wird der Bauch aufgeschnitten, wofür sie keine Schere oder ähnliches nutzt, sondern ihre Axt. Der Bauch wird ausgeweidet und mit Steinen vollgestopft. Anschließend näht sie den aufgehackten Oberkörper wieder zusammen. Pflug und Ketten dienen ihr dabei als Nadel und Faden. Was letzten Endes noch von dem Missetäter übrig bleibt, gleicht in etwa dem Brei, den er lieber hätte essen sollen.

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In jedem der Orte, in dem die Perchta eine Rolle spielt, sind die Erzählungen um sie verschieden. Gräbt man dort etwas tiefer, findet sich der Ursprung immer in einer gottähnlichen Figur. Teilweise wird sie als Verwandte oder gar Zwillingsschwester von Frau Holle, der Märchengestalt, betitelt. Laut alten Überlieferungen waren es die Gebrüder Grimm, die Frau Holle aus den guten Eigenschaften der Perchta erschufen.

Eine nennenswerte Verfilmung, die sich annähernd um Frau Perchta dreht, gibt es nicht. Was es sehr wohl gibt, sind Horrorfilme die Geschichten alter Folklore innehaben. Aus der japanischen Mythologie stammt Kuchisake Onna mit ihrer 2007 verfilmten Sage CARVED-THE SLIT MOUTHED WOMAN. Im lateinamerikanischen Raum verbreitet, ist die Legende der La Llorona, die mit dem Film LLORONAS FLUCH erst jüngst erschienenen ist.

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Es ist seit Urzeiten ihre Jahreszeit, die Mitte des Winters. Die Göttin Perchta kommt, um euch daran zu erinnern, dass ihr Kinder der Natur seid, dass auch ihr in diesem Wechsel der Jahreszeiten lebt und von ihm lernt. Macht es wie die Sonne und ruht euch aus. Bleibt anständig und esst euren Brei.

Hier geht es zum Horror zum 1. Advent

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