Beim Film Godsend stimmt einfach alles bis auf den Film selbst. Die Besetzung ist prominent, die Grundidee ist brillant und auch die Geschichte hätte eigentlich genug hergegeben, um daraus einen richtig düsteren Horrorfilm zu machen. Umso erstaunlicher ist es, wie hartnäckig der Film an allem vorbei arbeitet, was ihn interessant machen könnte.
Wenn man den Film das erste Mal konsequent bis zum Ende schaut, zweifelt man vielleicht noch an seiner eigenen Auffassungsgabe oder Intelligenz. Dann schaut man ihn ein zweites Mal und kommt zu dem Schluss: Nein, es liegt nicht an mir. Der Plot geht einfach nicht auf und das Ende fällt in sich zusammen wie ein Souffle.
Wer nichts Besseres zu tun hat und sich selbst mit Langeweile und Enttäuschung strafen will, sollte sich den Streifen zumindest einmal geben. Aber dann nicht nach der Hälfte aufgeben und lieber bei casino-groups.com scrollen oder Tetris spielen gehen! Vielleicht liegt es ja doch an mir und den vielen anderen Kritikern und wir blicken es einfach nicht?
Wovon handelt Godsend?
Im Zentrum von Godsend steht ein Ehepaar, das seinen Sohn Adam bei einem Unfall verliert. Der Film macht relativ schnell klar, wie tief dieser Verlust sitzt. Vor allem Paul (Greg Kinnear) kommt damit überhaupt nicht zurecht, während Jessie (Rebecca Romijn) zumindest versucht, irgendwie weiterzumachen. Die Ausgangslage ist also klassisch tragisch und eigentlich genau der richtige Nährboden für einen düsteren, unangenehmen Film.
Dann taucht Dr. Richard Wells auf, gespielt von Robert De Niro. Ein ruhiger, kontrollierter Typ, der genau im richtigen Moment erscheint und den Eltern eine Möglichkeit anbietet, die man eigentlich sofort ablehnen müsste. Er behauptet, Adam zurückbringen zu können. Nicht etwa symbolisch oder emotional, sondern wortwörtlich. Er könne ihn klonen, liefert aber kaum eine Erklärung dafür, wie das überhaupt funktionieren soll.
Paul ist sofort dabei. Jessie zögert, was auch die einzig nachvollziehbare Reaktion ist, entscheidet sich am Ende aber trotzdem dafür. Und tatsächlich – Cut – und schwupps ist Adam wieder da. Der Film nimmt sich dann erst einmal viel Zeit, diese neue Situation aufzubauen. Der Junge wächst erneut auf, alles wirkt erstaunlich normal und für einen kurzen Moment spielt Godsend sogar mit der Idee, dass das Ganze einfach funktioniert.
Aber natürlich tut es das nicht. Je älter Adam wird, desto mehr häufen sich die seltsamen Momente. Es sind zunächst Kleinigkeiten, die man noch weg räsonieren kann. Ungewöhnliche Reaktionen und merkwürdige Aussagen, die irgendwie nicht so recht zu dem Kind passen, das die Eltern verloren haben. Der Film deutet dabei immer wieder an, dass hier etwas nicht stimmt, bleibt aber lange erstaunlich vage.
Parallel dazu bleibt auch die Figur von De Niro im Hintergrund präsent. Er wirkt nie wirklich vertrauenswürdig, gleichzeitig bekommt man aber auch keine klaren Antworten darauf, was genau er eigentlich tut oder warum. Statt die Spannung daraus aufzubauen, zieht der Film diese Unklarheit über weite Strecken einfach durch.
Irgendwann kippt die Situation dann endgültig. Das, was als zweite Chance gedacht war, entwickelt sich zu einem Problem, das weder die Eltern noch der Film selbst so richtig in den Griff bekommen. Hier hätte Godsend noch eine letzte Chance gehabt, um den großen Aha-Moment einzubauen, doch auf den wartet man vergeblich.
Stattdessen verliert sich die Geschichte zunehmend in Andeutungen, lässt zentrale Fragen offen und steuert auf ein Ende zu, das einfach nur noch verwirrt.
Was ist Horror an Godsend?
Der Horror in Godsend ist weniger offensichtlich, als man es erwarten würde. Blutige Szenen oder klassische Schockmomente gibt es nicht. Stattdessen setzt der Film vor allem auf psychologische Spannung und ein unterschwelliges Gefühl, dass etwas nicht stimmt.
Im Zentrum steht dabei Adam selbst. Nach seiner Rückkehr wirkt er zunächst normal, doch mit der Zeit zeigen sich immer deutlicher Veränderungen. Er hat Aussetzer, reagiert aggressiv und verliert in bestimmten Momenten komplett die Kontrolle. In diesen Szenen wird er plötzlich bedrohlich und zeigt Verhaltensweisen, die nichts mehr mit dem ursprünglichen Kind zu tun haben.
Physische Gewalt ist vorhanden, bleibt aber eher punktuell und zurückhaltend dargestellt. Viel stärker ist die psychische Komponente. Der Film spielt damit, dass in Adam Erinnerungen oder Impulse stecken, die nicht seine eigenen sind. Dazu kommen Albträume und Situationen, in denen er wie eine andere Person wirkt.
Eigentlich liegt genau hier das größte Horrorpotenzial. Ein Kind, das vertraut aussieht, sich aber immer weiter verändert und unberechenbar wird. Godsend zeigt diese Elemente, nutzt sie aber nie konsequent aus. Man wartet und wartet auf den großen Schocker, der sich kurz andeutet und dann wieder in Luft auflöst. So wie wenn man niesen muss, kurz Schnappatmung macht und dann kommt doch nichts.
Achtung Spoiler: Eine Auflösung, die absolut nichts auflöst
Spätestens im letzten Drittel versucht Godsend, seine ganzen eigenen Andeutungen irgendwie zusammenzuführen und liefert dabei genau die Art von Erklärung, bei der man sich sofort fragt, ob man vorher unaufmerksam war und etwas verpasst hat.
Es stellt sich heraus, dass Adam nicht einfach nur ein Klon des verstorbenen Kindes ist. Dr. Wells hat ihm zusätzlich Erinnerungen und Persönlichkeitsanteile eines anderen Jungen eingepflanzt. Und dieser Junge ist nicht einfach nur irgendeine kompatible Person, sondern jemand, der schwer gestört und gewalttätig war. Es wird sogar angedeutet, dass er seine eigene Mutter getötet hat.
Damit erklärt der Film nachträglich die Aussetzer, die Aggressionen und die Momente, in denen Adam komplett kippt und wirre Visionen hat. Das Problem ist nur, dass diese Erklärung alles eher schlimmer macht als besser. Denn warum genau Wells diese Mischung überhaupt erzeugt, bleibt erstaunlich vage.
Offiziell geht es um ein Experiment, bei dem nicht nur der Körper, sondern auch Erinnerungen und Persönlichkeit rekonstruiert werden sollen. In der Praxis wirkt es aber eher so, als hätte der Film einfach zwei Ideen zusammengeworfen und gehofft, dass das irgendwie aufgeht.
Statt die moralischen und psychologischen Konsequenzen dieser Entscheidung auszuspielen, wird die Auflösung in wenigen Szenen abgehandelt. Die Eltern reagieren darauf erstaunlich passiv und Wells selbst bleibt eine Figur ohne klare Motivation.
Auch das Ende selbst bleibt erstaunlich unspektakulär. Es gibt keine echte Eskalation, keinen klaren Abschluss und keine Konsequenz, die sich aus der Geschichte logisch ergibt. Stattdessen endet der Film einfach, als hätte er selbst keine Lust mehr auf sich. Alle bleiben körperlich unversehrt. Und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute.
Fazit zu Godsend
Wer den Film wie ich vor 20 Jahren gesehen hat und sich immer noch über den Plot und das Ende ärgert, der hat vielleicht auch lange auf einen Godsend Teil 2 gewartet, der irgendwie eine Entschädigung liefert. Aber vielleicht wollte man uns auch einfach vor einer noch schlimmeren Enttäuschung bewahren. Und dennoch ist es doch erstaunlich, wie ein so schlechter Film sich so ins Gedächtnis einbringen kann.
BEWERTUNGEN:
Redaktion: 2.0







