Buch-Review: DIE INSEL von Richard Laymon

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Redaktion: 1.0

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3.5/10 (2)

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Gestrandet auf einer einsamen Insel, welch Wohltat. Endlich mal die Hose runterlassen, im Schritt kratzen und tun und lassen was man will. Das dachte sich wohl auch Richard Laymon, als er Anfang der 90er dieses Unglück namens DIE INSEL verbrach.
Machen wir es wie Laymon: Wäre dies ein gewöhnliches Review würden wir uns um Objektivität bemühen und versuchen euch ein paar Infos mitzugeben. Dies ist aber kein normales Review, denn wenn der Autor sich keine Mühe gab, machen wir das eben auch nicht.

Dabei hat die Ausgangslage, die von ROBINSON CRUSOE über HERR DER FLIEGEN bis LOST oft genutzt wurde eindeutig Appeal, alles was du tun musst, ist es nicht total zu versauen.
Laymon versaut es total.

Das liegt zu einem Großteil am Erzähler dieser hanebüchenen Rohstoffverschwendung, einem dauergeilen Teenager namens Rupert, der mit seiner Freundin und ihrer Familie auf diesem Eiland ums Überleben kämpft. Ok, kämpfen ist das falsche Wort, denn der Trottel tut eigentlich nichts Sinnvolles.
Jedenfalls fliegt zwar die Yacht der Gruppe in die Luft, unser Blödian findet es aber gar nicht so übel dort festzuhängen, immerhin tragen alle Frauen knappe Bikinis.
Man könnte denken, dass die Libido von unserem „Helden“ darunter leidet, dass ein Killer die Gruppe gewaltig dezimiert (d.h. die Männer sterben, die Frauen müssen noch für eine Reihe klebriger Fantasien herhalten), aber es finden sich etliche an den Haaren herbeigezogene Szenen, wo Mr. Erekto plötzlich einen Ständer kriegt, etwa weil er sich in der Nähe der Frauen umzieht.

Übrig bleibt als männlicher Vertreter also nur Rupert, was in etwa so wäre, als würde man einen Neandertaler ins Weiße Haus setzen….das ist aber eine andere Geschichte.
Seltsamerweise scheint Ruperts Freundin ihn kein bisschen leiden zu können, was zwar verständlich ist, einen gemeinsamen Urlaub  aber in Frage stellt. Andererseits ist das sicher das kleinste Problem von DIE INSEL.

Exemplarisch sei nur eine von vielen hirnverbrannten Szene genannt in der Rupert eine Reihe von Frauen findet, die vom Bösewicht in Käfigen gehalten werden, damit er sie zum Nacktwrestling (kein Scheiß) zwingen und anschließend vergewaltigen kann.
Das klingt grausig, im Fall von Laymon aber nur halb so wild. So erzählen die Geschändeten erst mal in aller Ruhe ihre Lebensgeschichte und scheinen von ihrem Schicksal weit weniger beeindruckt als man das meinen könnte. Vielleicht liegt es daran, dass diese wilde Aneinanderreihung von Worten an Frauenfeindlichkeit kaum zu überbieten ist und man das ungute Gefühl hat, auch in Laymons Beschreibung eine gewisse Geilheit lesen zu können, wenn eine 14jährige vergewaltigt wird.
Aber zurück zum Thema: Rupert findet also diese Frauen, die alle nackt in ihren Käfigen stehen und die Mutter seiner Freundin, die gerade noch vergewaltigt wurde, freut sich so sehr, dass sie ihm erstmal die Zunge in den Mund steckt und ihn befummelt.
Komm schon, Laymon, ist das dein Ernst?!?! Da haben ja youporn-Clips ein besseres Drehbuch!!
Selbst im Hirn eines empathielosen Idioten sollte sich herumgesprochen haben, dass Vergewaltigungsopfer kurz nach der Tat nicht sonderlich scharf auf Sex sind.

Man soll ja nicht schlecht über Tote reden. Über den Autor Laymon aber nur ein gutes Wort zu verlieren, hieße potentielle Käufer zu belügen. Dabei ist es nicht mal das Wie, aber eben das Was er schreibt. Wer hier noch sagt, dass Lesen bildet, liegt falsch.

PS: Falls sich jemand fragt, warum wir nicht mal eine Spoiler-Warnung gesetzt haben:
Die Zielgruppe von Laymon sind entweder Minderjährige mit Gewaltfantasien, die beim Wort „Penis“ nervös kichern oder feiste Herren ab Ende Vierzig, die auch mal gerne einer Frau ungefragt auf den Arsch haun. Unsere Zielgruppe sind diese Leute nicht.

 

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