SLEEPING BEAUTIES von Stephen King und Owen King | Buch-Review

sleeping beauties kritik
BEWERTUNGEN:
Redaktion: 3.0

Please rate this

2/10 (1)

Land:
Genre:
Autor: Stephen King, Owen King
Verlag: Heyne
Seiten: 976

Es gibt Kritiken, die man schreibt, weil ein Film oder Buch neu ist, das ist hier nicht der Fall.
Es gibt Reviews, die man verfasst, weil man eine Geschichte liebt, das ist leider auch nicht der Fall.
Und es gibt Rezensionen die man aus purer Hilflosigkeit tippt. Dieser Text gehört zur letzten Kategorie und er handelt von SLEEPING BEAUTIES.

Vorweg: ich liebe Stephen King, halte ihn aufgrund seines Lebenswerks für die wichtigste Figur im Horror, bin aber auch der Ansicht, dass er besser schrieb, als er noch trank und andere Substanzen zu sich nahm.
Was man ihm aber lassen muss: er wiederholt sich nicht und auch die Ausgangslage in SLEEPING BEAUTIES, das er zusammen mit seinem Sohn Owen schrieb, ist angenehm Eigen.

Wovon handelt SLEEPING BEAUTIES?

In der Kleinstadt Dooling tötet eine junge Frau mehrere Drogendealer und lässt sich dann widerstandslos festnehmen. Zur gleichen Zeit schlafen Frauen auf der ganzen Welt ein und wachen nicht wieder auf, sondern werden durch einen Kokon verhüllt. Versucht man sie zu wecken, werden sie zu rasenden Bestien…

SLEEPING BEAUTIES enthält zu Beginn ein mehrseitiges Register mit Figuren, das dem Leser dabei helfen soll den Überblick zu bewahren. Na vielen Dank auch. Ich dachte, das wäre die Aufgabe des Autors, aber Vater und Sohn King führen hier eine Unmenge Charaktere ein, die sie selten charakterisieren, aber irgendetwas tun lassen, was häufig genug ins Leere läuft.

Vereinfacht ausgedrückt ist SLEEPING BEAUTIES ein feministischer Roman, bei dem viele der weiblichen Figuren, von denen ein großer Teil in einem Gefängnis sitzt, zwar im juristischen Sinne schuldig sind, aber die eigentlichen Bösewichte die Männer sind.
Das ist schon alleine deswegen interessant, weil auch die Kings nun mal Männer sind und auch der männliche Verfasser dieser Kritik gerne einräumt, dass Männer nun mal oft Schweine sind.

Nur ist es leider so, dass Stephen King, immer dann, wenn er mit Botschaft schreibt (TOMMYKNOCKERS = Atomkraft, DIE ARENA = Klimawandel), seine schwächeren Werke abliefert. Zu viel, zu aufgesetzt, zu plump wirkt das dann…aller lobenswerter Ansätze zum Trotz.

Der eine Typ, der in der Story zu den Guten zählt, ist Gefängnis-Psychiater Dr. Norcross, aber selbst der steht im Verdacht seine Frau betrogen zu haben. Die Aufklärung dazu, die noch relativ früh in der Story stattfindet, wirkt schon schwach konstruiert und mit Spucke zusammengeklebt, ist aber längst nicht das größte Problem.

Gut gemeint, nicht gut gemacht

Stephen King ist für seinen ausufernden Stil bekannt, der langsam zur Sache kommt, sich dann aber mit viel Wucht entlädt. Hier ist es eher so, dass nach den ersten 50-70 Seiten kaum noch etwas passiert. Obwohl binnen weniger Tage nach dem Einschlafen der Frauen, die natürlich früher oder später wegnicken, ein endzeitartiges Feeling entsteht, woraus sich zwei kontrahierende Männergruppen bilden, plätschern die wenigen Ereignisse vor sich hin und verlieren sich in der immer gleichen Message (ja, Männer sind immer noch Schweine).

Insgesamt bringt es SLEEPING BEAUTIES auf stolze 950 Seiten und soviel Papier mit derart wenig Inhalt zu füllen, ist auch eine Kunst. Leider wird man nicht einmal mit Kings besonderem Schreibstil belohnt, der besonders lebhafte Vergleiche oder ein paar humorvolle Momente einbaut. Zwar wird mal Joe Hill (Stephen Kings zweiter Sohn) erwähnt, was ein nettes Easteregg ist, dem Leser aber auch einen Stich versetzt, weil Hill eindeutig der talentiertere Schreiber der King-Brüder ist.

Es ist nicht so, als könnten die Autoren plötzlich keinen Satz mehr schreiben, aber SLEEPING BEAUTIES fehlt es an Biss. Biss in den Formulierungen, Biss in der Geschichte, Biss in der Länge, die sich bequem hätte halbieren lassen, ohne etwas zu verpassen.

Es ist aber schwer den Finger in die Wunde zu legen, denn der Roman blutet aus allen Löchern.

Mal ist die „Schlafkrankheit“ ein globales Problem, dann scheinen gewisse Dinge nur für Dooling zu gelten. Einige Frauen sind tagelang wach, andere schaffen selbst im Wissen der Gefahr keine 24 Stunden. Hunderte Seiten lang wird eine unglaubwürdige Gefährdungslage um das Gefängnis herum aufgebaut, (SPOILER) dann trinken Männer, die sich eben noch aus eigenartigen Gründen nach dem Leben trachteten, ein Bier miteinander.

Viele Personen, viele Seiten, wenig Inhalt

Die ominöse Mörderin verfügt über enorme körperliche Kräfte, weiß Dinge, die sie nicht wissen kann und ist in der Lage Ratten zu befehligen eine Zellentür zu knacken. Trotzdem muss (oder will) sie gerne in ihrer Zelle beschützt werden. Und da haben wir uns noch nicht über die Welt unterhalten, in der die schlummernden Frauen landen oder den weißen Tiger, der das Portal beschützt.

Natürlich darf ein King-Roman jede Barriere des Rationalen und Weltlichen überschreiten, aber SLEEPING BEAUTIES wirkt wie ein Sammelsurium der Resterampe, in dem kein roter Faden zu erkennen wäre, was bei Kings Zusammenarbeit mit Peter Straub zu DER TALISMAN noch anders war.

Konsequenterweise wusste ich bis zum Ende des Wälzers bei verschiedenen Figuren nicht, wer sie eigentlich sind, ob sie der belanglosen oder der bösen Seite angehören und welche Charaktereigenschaft sie mitbringen.

Ich würde diese Kritik eigentlich gerne mit etwas Positivem abschließen, aber da bleibt eigentlich nur, dass wie schon oben erwähnt, SLEEPING BEAUTIES ein eigenständiger Roman ist und während man bei einem Harlan Coben weiß, dass mal wieder wer verschwindet und in gefühlt jedem Sebastian Fitzek – Schriftstück wer eingesperrt ist und ein Akademiker mit forensischem Background involviert ist, bleibt Stephen King auch auf die alten Tage unberechenbar.

Nun mögen solche Vergleiche unfair sein, aber vielleicht ist ein Satz wie „Wenigstens schreibt King nicht so eine frauenverachtende Grütze wie Richard Laymon“ für irgendwen eine Hilfe.

Fazit zu SLEEPING BEAUTIES

Hätte ein Neuling SLEEPING BEAUTIES verfasst, wäre es mutmaßlich nicht veröffentlicht worden, sondern mit einer freundlichen Ausrede vom Verlag zurückgegangen. Dass das bei einem Bestsellerautor anders läuft, steht außer Frage, aber hätte man denn nicht mal wen hinsetzen können, der da drüber liest und die richtigen Fragen stellt?

Hier kannst du SLEEPING BEAUTIES kaufen

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert