Special: Der Ärger mit den Oscars

Am 27. Februar werden in Los Angeles wieder einmal die Academy Awards verliehen. Während sich die Reichen und Schönen auf dem roten Teppich vergnügen, würdigt man die Hässlichen, Düsteren und Makabren in der Regel keines Blickes.

Gemeint sind Horrorfilme, die traditionell bei den Oscar-Verleihungen leer ausgehen und meist nicht einmal nominiert werden.
In den letzten 10 Jahren fanden sich -selbst wenn man die Grenzen erweitert- nur wenige Filme wie PAN’S LABYRINTH, DISTRICT 9 oder CORPSE BRIDE die für Horrorfans von Bedeutung waren.

Gründe dafür gibt es viele, angefangen bei unzähligen Low Budget – Werken, die nichts anderes machen, als eine alte Suppe ein weiteres Mal aufzukochen. Und es gibt jene Filme, die auf eine Geschichte fast völlig verzichten und lediglich auf Gewalt und Ekel setzen.
Diese Effekte mögen ein Grinsen auf das Gesicht des geneigten Fans zaubern, hochwertig oder innovativ sind sie selten…und vielleicht möchte man auch vermeiden, dass das Publikum bei der Verleihung mit grünem Gesicht die Toilette aufsuchen muss, wenn man einen Ausschnitt aus bestimmten Filmen zeigt.

Machen wir uns nichts vor: Horrorfilme sind das missbildete Kind, dass man auf dem Dachboden einsperrt. In der Videothek findet man sie in einem separaten Räumchen, zusammen mit Filmen mit vielversprechenden Namen wie „Analexzess in Cottbus“, „Black Dagger – der feiste Lecker“ oder „Drei Schwengel für Charlie“. Wer in dieser Nachbarschaft lebt, hat in Hollywood keinen Zweitwohnsitz.

So richtig ernst nimmt man Gruselfilme wohl weder in der Branche selbst noch in der Gesellschaft.
Ich jedenfalls ernte keine bewundernden Blicke, wenn mir Leute davon berichten, dass sie am Wochenende „Der Vorleser“ oder „Schmetterling und Taucherglocke“ gesehen haben und ich kontere, dass ich THE HOUSE OF THE DEVIL oder BLOOD RIVER sah.
Auch wenn es Horrorstreifen gibt, die der Gesellschaft den Spiegel vorhalten, sollen die meisten Filme unterhalten und hier und da an die niederen Instinkte appellieren. Sei es, weil wir mit den Protagonisten fiebern und ihre Angst zu unserer wird oder auch weil wir einfach mal sehen wollen, wie ein Mensch von innen aus sieht. Es ist ja nur ein Film.

Natürlich gibt es auch solche Menschen, die ohnehin nur Filme deswegen ansehen, weil sie „Underground“ sind. Für diese Verfechter wäre die große Bühne der Oscars demnach ohnehin ein Alptraum.
Das ändert aber nichts an der Tatsache, dass es intelligenten Horror mit guter Qualität gibt. Er versteckt sich wohl selten in der zweiten oder dritten Fortsetzung oder einem lieblosen Remake, und man übersieht ihn leicht in der Masse des Unbrauchbaren, aber es gibt ihn.


PSYCHO, DER WEISSE HAI, DER EXORZIST, DAS OMEN und DIE FLIEGE sind einige der Filme, die einen Oscar gewannen, aber das liegt natürlich lange zurück. Der letzte relevante Abräumer war DAS SCHWEIGEN DER LÄMMER…und das war 1992.

BRAM STOKER’S DRACULA konnte 1993 einige der weniger wichtigen Oscars einheimsen, dass aber einige Schauspieler die beste Arbeit ihrer Karriere ablieferten, blieb unberücksichtigt.
Nicole Kidman, sonst Dauergast bei allen Verleihungen, wurde mit THE OTHERS erst gar nicht nominiert.
Auch LET THE RIGHT ONE IN, der es fast als Schwedens Beitrag des besten ausländischen Films in die Nominierungen geschafft hätte, wurde letztlich fallen gelassen.

Natürlich sind diese Entscheidungen subjektiv und die Qualitäten anderer Filme sollen nicht in Abrede gestellt werden, aber wer könnte wohl Jack Nicholson vergessen, der insgesamt 12x nominiert war und drei der begehrten Trophäen mitnahm? Nun, die Jury der Academy Awards hielt es nicht einmal für nötig Herrn Nicholson für seine heute wohl legendärste Rolle in THE SHINING auch nur zu nominieren.

2011 ist mit BLACK SWAN mal wieder ein Film nominiert (5-fach), der in der Horrorgemeinde auf großen Anklang stieß. Bleibt nur zu hoffen, dass die Juroren das ähnlich sehen.

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