Heavy Metal im Horrorfilm

Heavy Metal im Horrorfilm – Special auf Thrill & Kill

Das Erste, was mich am Heavy Metal ansprach, waren die Monster und Mutationen auf den Plattencovern. Die oft nicht weniger brachialen Texte mit Hang zur Finsternis taten ihr Übriges, um einen unbedarften Teenager in den Bann zu ziehen. Ein Bann, den die Musik mit dem Schrecken jener Horrorfilme teilte, die damals ihren Weg in den VHS-Player fanden.

Horrorfilme und Metal…wer vor der Jahrtausendwende aufwuchs, weiß, dass man damit fast zwangsläufig als dämonischer Serienkiller abgestempelt wurde.
Filme, die man heute bei Mediamarkt kaufen kann, waren beschlagnahmt und eine Hard n Heavy – Sendung (die sinnigerweise „Hard n Heavy“ hieß), wurde auch wegen öffentlichen Drucks der braven Bevölkerung aus dem Programm genommen.
Es passte also immer zusammen.

Heavy Metal im Horrorfilm…eine unheilige Allianz

Nun steht nicht jeder auf schreiende Gitarren und es soll Menschen geben, die Lemmy nicht kennen (bildet euch, ihr Blasphemisten!), trotzdem hätte man meinen können, dass Heavy Metal öfters im Horrorfilm auftaucht. So viele sind es gar nicht, aber wir haben hier diverse Filme für euch zusammengetragen, in denen Rock und Metal nicht nur zum Soundtrack gehören, sondern die Figuren in dieser Szenerie verwurzelt sind.

Let’s Rock!

Übrigens: Wer auf die hier aufgeführten Bandnamen klickt, kann sich beim Lesen von ein paar derben Klängen berieseln lassen.


Heavy Metal im Horrorfilm


THE DEVIL’S CANDY

Eine Familie zieht in ein neues Haus. Soweit ist das ein alter Hut. Was THE DEVIL’S CANDY anders macht, ist nicht nur der Soundtrack (u.a. Metallica, SunO))) und Slayer), ist nicht nur, dass Papa und Tochter die Liebe zu harten Klängen teilen und trotzdem normale Menschen sind, sondern auch, dass man das dämonische Übel, das hier bald zum Problem wird, temporär mit fetten Powerchords zurückhalten kann.

Jesse als Metal-Dad im Spukhaus in THE DEVIL'S CANDY (2015)

DEATHGASM

Du kennst das, da spielt man einmal ein paar falsche Akkorde und schon steht das Tor zur Hölle weit offen.
Spaßig und blutig, wie man das von neuseeländischen Horrorkomödien kennt, schickt DEATHGASM einen jungen Metal-Fan und seine neu gegründete Band in schwermetallischen Funsplatter, bei dem das ein oder andere lautstarke Klischee liebevoll bedient wird.

DEATHGASM (2015) – Neuseeland trifft Heavy Metal

SUCK

Mehr Rock und Metal kann man kaum in einen Horrorfilm packen, vor allem nicht was Namen angeht:
Alice Cooper, Henry Rollins, Iggy Pop oder Alex Lifeson geben sich die Ehre und es geht auch inhaltlich um eine Rockband, die zunächst erfolglos dahintingelt, aber nach einer Begegnung mit einem Vampir plötzlich zu Erfolg kommt…und einen unnatürlichen Blutdurst entwickelt.

Die Vampir-Rockband in SUCK (2009)

AMERICAN SATAN

In SUCK mimt Malcolm McDowell einen Vampirjäger, in AMERICAN SATAN ist er der Leibhaftige selbst. Außerdem spielen Musiker der Black Veil Brides und Asking Alexandria mit.
Der Film ist in Deutschland kaum zu kriegen und ist mehr Musik- als Horrorstreifen. Dementsprechend zeichnet er mehr den aufstrebenden und destruktiven Karriereweg einer jungen Band nach, verweist aber gleichzeitig immer wieder auf den Pakt mit dem Teufel. Sind die Ereignisse, die sich im Umfeld der Newcomer-Combo The Relentless ereignen, normaler Rock’n’Roll-Alltag? Sind die Drogen und das Rampenlicht schuld? Oder steckt da mehr dahinter?
PS: der Soundtrack ist klasse.The Relentless in AMERICAN SATAN (2017)

EX DRUMMER

Es ist kein Metal, es ist kein Horror und trotzdem hat der typisch schräge Belgier um eine krachige Punk-Band einen Platz in der Liste verdient.
EX DRUMMER handelt von Schriftsteller Dries der als Schlagzeuger angeheuert wird, aber sich vor allem dadurch hervortut, dass er die anderen Bandmitglieder manipuliert.
Ein Film wie ein Rülpser….laut und stinkig, mit schlechtem Nachgeschmack.

Schriftsteller Dries als Drummer in EX DRUMMER (2007)

RAGMAN

Man sagt Heavy Metal-Fans eine besondere Nähe zu ihren Lieblingsbands nach und Eddie ist da keine Ausnahme. Als sein Idol Sammy Curr bei einem Brand ums Leben kommt, ist der schikanierte Außenseiter am Boden zerstört. Etwas Trost findet er in Currs letztem Demo, doch als er das spielt kündigt sich ein teuflisches Comeback an.
Es waren die 80er: ihr werdet große Frisuren, aber auch große Stars wie Gene Simmons und Ozzy Osbourne treffen.Sammy Curr feiert in RAGMAN (1986) ein untotes Comeback

GATE – DIE UNTERIRDISCHEN

Wie eingangs erwähnt war der Heavy Metal in den 80ern sehr böse. Zumindest in den Augen der Eltern. Eine Familie ging nach dem Selbstmordversuch zweier Jugendlicher sogar so weit, die Band Judas Priest zu verklagen, weil sie angeblich zum Suizid auffordernde Botschaften auf ihren Platten versteckte….wenn man diese rückwärts hört.
Die Band wurde freigesprochen, aber dieser und ähnlich gelagerte Prozesse wurden von der Popkultur aufgegriffen. Daher wundert es nicht, dass die Kids, die in GATE alleine zuhause sind, Heavy Metal – Platten rückwärts hören. Das, zusammen mit dem verstorbenen Familienhund und dem Loch eines gefällten Baumes im Garten führt zu einer Verkettung von Umständen, die viele kleine und auch einen sehr großen Dämon hervorholen.

Dämonen aus dem Loch in GATE – DIE UNTERIRDISCHEN (1987)

LORDS OF SALEM

LORDS OF SALEM ist vermutlich Rob Zombies ungewöhnlichster Film, obwohl mal wieder seine Frau Sheri Moon eine tragende Rolle spielt. Dass der Musiker mal einen Film dreht, in dem es um Musik geht, scheint allerdings logisch. Hierin erhält eine Rock-Radiostation eine Kiste mit einer Aufnahme der Band Lords. Nicht nur kommt die Musik bei den Fans erstaunlich gut an. Als DJ Heidi die Platte rückwärts abspielt, erreicht sie eine zweite Kiste, mit der sich die Lords live ankündigen….

DJ Heidi entdeckt in LORDS OF SALEM (2012) eine mysteriöse Schallplatte

GREEN ROOM

Ob nun Metal, Hardcore oder Punk, wir machen da keinen großen Unterschied. Vor allem wenn die Band im Film, die durch eine Verkettung dummer Umstände vor einem Nazi-Publikum auftreten muss und die Eier hat, als Opener das Dead Kennedys Cover „Nazi Punks Fuck Off“ zu spielen.
Klar, dass der Gig kein gutes Ende nimmt (obwohl die Gründe andere sind).
Neben lauter Musik überzeugt GREEN ROOM durch hässliche Gewaltdarstellung und zeigt Anton Yelchin in seiner letzten Rolle.

Die Band verschanzt sich in GREEN ROOM (2015)

BOMB CITY

Wir bleiben beim Punk und wenden uns einer tragischen Geschichte zu, die sich tatsächlich in den 90ern ereignete.
In einem Konflikt zwischen jungen Punks und dem lokalen Highschool-Footballteam eskaliert die Situation.  Ein Toter bleibt zurück und als der Fall vor Gericht aufgerollt wird, zeigen die kulturellen Vorurteile ihre hässliche Fratze.
BOMB CITY ist trotz Gewalteinlagen ein Drama und zeigt die Klischees in den Köpfen, während die  Figuren nicht so leicht in Gut und Böse zu separieren sind.

Brian und die Punks in BOMB CITY (2017)

EAT THE RICH

Es soll hier ja theoretisch um Filme gehen, in denen es inhaltlich um Metal und Co. geht. Das ist bei EAT THE RICH eigentlich nicht der Fall, wenn aber Motörhead einen „Live“-Auftritt haben, Lemmy auch sonst eine kleine Rolle hat, fast die komplette „Orgasmatron“-Platte als Soundtrack gespielt wird, der ganze Film so rotzig und anarchisch ist und es um ein Edelrestaurant geht, dass seine Gäste an die nächsten Gäste verfüttert, machen wir gerne eine Ausnahme.Lemmy Kilmister in EAT THE RICH (1987)

LORDS OF CHAOS

Wenn der ehemalige Drummer von Bathory bei einem dunkelfinsteren Drama über eines der erschreckendsten Kapitel der Musik Regie führt, ist nicht nur mit lauter Musik, sondern auch viel Insiderwissen zu rechnen.
LORDS OF CHAOS zeigt, wie zwei Egos innerhalb der Band Mayhem gegeneinander prallen, rechnet aber auch mit dem Irrsinn ab, den sich manche Black Metal Kapelle auch heute noch auf die Kutte schreibt.Kirchenbrand-Szene in LORDS OF CHAOS (2018)

THE CROW

Dass Hauptfigur Eric Gitarrist einer Band war, ist in THE CROW zwar wenig relevant, trotzdem atmet der Film Rock. Den Look der Protagonisten könnte man auf manchem Konzert wiederfinden, laute und/oder düstere Musik ist im Film allgegenwärtig, sei es von Band oder live und der Soundtrack zählt wohl zu den bekanntesten seiner Zeit.Eric Draven als Racheengel in THE CROW (1994)

PYEWACKET

PYEWACKET bietet eine andere Perspektive. Zwar ist die Hauptfigur auch Metal-Fan, was Aufnäher auf der Jacke und ihr gesamter Look und ihre Freunde bestätigen, musikalisch hält sich der Film aber zurück.
Es ist jedoch kein Geheimnis, dass viele Metal-Fans zumindest mit satanischen Interessen kokettieren und so zeigt auch Mia ein lebhaftes Interesse an okkulten Riten. Nur dass das, was sie hier erweckt, eine Nummer zu groß für sie ist.

Mia und das okkulte Ritual in PYEWACKET (2017)

WE SUMMON THE DARKNESS

Drei Jungs, drei Mädels, ein Rockkonzert, eine gemeinsame Party danach….was wie ein feuchtfrivoler Spaß klingt, entwickelt sich für die Herren schnell zum nietenbesetzen Alptraum.
Zwar verliert der Streifen mit zunehmender Handlung seinen Metal-Touch und ist auch nicht der beste dieser Liste, er bewahrt sich aber durch Look und Musik sein hübsches 80er-Flair.Die drei Mädels nach dem Konzert in WE SUMMON THE DARKNESS (2019)

EL DIA DE LA BESTIA

Alex de la Iglesias Horrorfilme sind anders. Die Streifen des Spaniers sind immer skurril und EL DIA DE LA BESTIA, in dem ein Priester, ein Plattenladenbesitzer und der Moderator einer okkulten TV-Sendung die Ankunft des Antichristen verhindern wollen, bildet keine Ausnahme.
Dass mal ein Death Metal-Fan mal zu den (un)heiligen drei Königen zählen würde, die selbst über die Stränge schlagen, um die Welt vor noch Schlimmeren zu bewahren, ist dabei typisch Iglesia.
Wie es aussieht, wenn ein Priester auf einem saftigen Rockkonzert landet, sieht man auch nicht alle Tage.

Der Priester, der Moderator, der Plattenladenbesitzer und der Gehörtne in EL DIA DE LA BESTIA (1995)

STUDIO 666

Die Foo Fighters (die sich in dieser Splatterkomödie selbst spielen) wollen ihre neueste Platte aufnehmen. Dass sie dafür in eine Villa einmieten, in der sich zuvor Morde ereigneten ist keine gute Idee und spätestens als Frontmann Dave Grohl im Keller ein Band mit Aufnahmen einer anderen Band findet, beginnt er sich auf schreckliche Weise zu verändern und trachtet seinen Kollegen nach dem Leben.

Dave Grohl dreht durch in STUDIO 666 (2022)

 

Dieses Special wurde geschrieben, während Musik folgender Bands lief:

BENEDICTION
JUDAS PRIEST
MOTÖRHEAD
DROPKICK MURPHYS
BLACKSHINE
OBITUARY
MACHINE HEAD
CANNIBAL CORPSE
BLACK VEIL BRIDES
ZEAL & ARDOR
FOO FIGHTERS
SLAYER
STONE SOUR
BLACK SABBATH


FAQ

Welcher Horrorfilm hat den besten Metal-Soundtrack?

THE DEVIL'S CANDY führt das Feld an – mit Metallica, Slayer und Sunn O))) als integraler Teil der Story. Auch LORDS OF CHAOS und GREEN ROOM überzeugen musikalisch, letzterer mit einem Dead-Kennedys-Cover als provokativem Opener.

Welche Horrorfilme eignen sich für Metal-Fans?

THE DEVIL'S CANDY und DEATHGASM sind die direktesten Empfehlungen – beide stellen Metal-Fans als normale Menschen dar statt als Klischee-Satanisten. LORDS OF CHAOS ist für alle interessant, die mehr über die Black-Metal-Szene der 90er erfahren wollen.

Gibt es Horrorfilme, in denen echte Metal-Musiker mitspielen?

Ja – in SUCK sind unter anderem Alice Cooper, Iggy Pop und Henry Rollins zu sehen. In RAGMAN spielen Gene Simmons und Ozzy Osbourne mit. EAT THE RICH hat einen Gastauftritt von Motörhead-Frontmann Lemmy Kilmister.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert