Classic-Review: DIE FLIEGE (1986)

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Redaktion: 9.5

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Darsteller: Jeff Goldblum, Geena Davis, John Getz
Regie: David Cronenberg
Drehbuch: Charles Edward Pogue,
David Cronenberg
Genre:
Land:
FSK:

 

Man kann ja zu Remakes stehen wie man will und sicher gab es auch schon vor 30 Jahren Zweifler, die eine Neuverfilmung von DIE FLIEGE aus dem Jahr 1958 – zudem mit Horrorlegende Vincent Price –  in Frage stellten. Wenn ein Regisseur einer bekannten Ausgangssituation aber seinen eigenen Stempel aufdrückt und dieser Regisseur zudem vom Kaliber eines David Cronenbergs ist, lohnt es sich der Sache eine Chance zu geben.

Sicher, das Original hat noch Charme und Qualität, wirkte aber 1986, also zum Entstehungszeitpunkt des Remakes, bereits wie ein Oldie. Natürlich haben sich Frisuren und Mode in den letzten Jahrzehnten erneut gewandelt, trotzdem muss sich Cronenbergs Film auch heute vor niemandem verstecken und könnte noch immer  leicht für Magenverstimmungen und Übelkeit sorgen.

Dabei nimmt sich DIE FLIEGE alle Zeit der Welt, bevor der Schrecken Einzug hält. Lediglich ein missglücktes Experiment an einem Pavian lässt auf unschöne Weise erahnen wie gefährlich und unausgereift die Teleportationsmaschine ist, die Wissenschaftler Seth Brundle entwickelt hat.
Leblose Stoffe befördert das Gerät bereits problemlos von A nach B, mit Lebewesen tut es sich noch schwer, doch dann gelingt Brundle der (vermeintliche) Durchbruch und er schreitet zum Selbstversuch….

Wir alle wissen, wie lästig Fliegen sein können, die um unseren Kopf schwirren, während wir schlafen wollen, besonders appetitlich sind die kleinen Tiere auch nicht, hier erreicht aber beides neue Ausmaße.
Zu dumm, dass sich in der Kammer, die den Startpunkt bildet, eine gewöhnliche Stubenfliege zusammen mit dem Wissenschaftler befindet und der Computer zwar sowohl Brundle als auch Fliege „verschickt“, dabei aber die DNA der beiden vermischt.
1958 entstanden daraus ein Mann mit Fliegenkopf und eine Fliege mit Menschenkopf, 1986 passiert …zunächst nichts.

Natürlich wäre uns DIE FLIEGE kein Review wert, wenn dieses kleine Missgeschick ohne Folgen bleiben würde und natürlich setzt mit dem Wissenschaftler eine Transformation ein, die durchaus ihre Vorzüge hat, aber sicher niemandem zu wünschen ist.

Es ist nicht nötig hier vor Spoilern zu warnen, denn im Body Horror geht es selten um tolle Storytwists. Auch DIE FLIEGE ist eine recht gradlinige Angelegenheit, bei der das Ziel schon aus der Ferne zu erkennen ist, der Weg ist hier aber das Ziel und die langsame Transformation, die Jeff Goldblum durchläuft ist beachtlich und das auch weil wir seine Figur zunächst kennenlernen.
Brundle ist ein besessener, in gewisser Weise der verrückte Wissenschaftler, aber er ist weder unsympathisch noch chaotisch. Wir verstehen was er tut und er ist vielmehr ein tragischer als ein bösartiger Charakter.

Goldblums Filmpartnerin (und später auch Ehefrau) ist Geena Davis, die die Journalistin Veronica spielt. Sie verliebt sich in Brundle, ist aber auch neutrale Beobachterin und Gewissen. Für den Zuschauer ist sie zudem die Figur, die uns am nächsten steht als Brundle beginnt sich auch innerlich zu verändern.

Soll heißen: DIE FLIEGE verfügt über großartige Effekte (es gab einen Oscar für die besten Effekte), aber auch ausgezeichnete Schauspieler. Alleine Goldblums markanten Augen kommt eine größere Rolle zu. Wirkt sein Blick anfangs auffällig getrieben und unruhig, sind es ab einem gewissen Punkt diese Augen, die man in einem kaum mehr menschlichen Körper wiedererkennt.

Randbemerkung des Verfassers: Bis heute assoziiere ich Jeff Goldblum mit seiner Paraderolle….was zuweilen befremdlich ist, wenn er in einem anderen Film auftritt und man damit rechnet, dass er gleich auf sein Essen kotzt

Fazit: DIE FLIEGE ist heute ein Klassiker, der aber (abgesehen von modischen Accessoires) nichts an Schrecken verloren hat.

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