Review: JOYRIDE (2001)

BEWERTUNGEN:
Redaktion: 8.0

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8/10 (1)

Darsteller: Steve Zahn, Paul Walker, Leelee Sobieski
Regie: John Dahl
Drehbuch: Clay Tarver, J.J. Abrams
Genre: Thriller
Land: USA,
FSK: ab 16

Sicher hat niemand von euch zuhause gesessen und auf ein JOYRIDE-Review gewartet. Viele kennen den Film ohnehin und obwohl er zwei Fortsetzungen nach sich zog, ist er in gewisser Weise unspektakulär. Weder zu seinem Erscheinungsdatum noch über die Jahre genoss er einen aufdringlichen Ruf. Es ist nicht mal so, dass er besonders originell wäre und trotzdem hat dieser Film etwas.
Gehen wir der Sache auf den Grund.

Als Lewis davon erfährt, dass seine Angebete Venna vom College in Colorado nach New Jersey reisen will, kauft er extra ein altes Auto und macht sich in der Hoffnung auf einen gemeinsamen Roadtrip auf den Weg. Der Ärger beginnt, als er erfährt, dass er seinen nichtsnutzigen Bruder Fuller im Gefängnis abholen muss, vor allem als der ein CB-Funkgerät anschleppt und sich Scherze mit anderen Funkern erlaubt.
Dabei veräppeln die beiden einen Trucker namens Rusty Nail, gehen aber einen Schritt zu weit und ziehen damit den Unmut des Fernfahrers auf sich.

Es ist kaum möglich über JOYRIDE zu sprechen, ohne wenigstens kurz auf Stephen Spielbergs Debüt DUELL einzugehen, das 30 Jahre zuvor entstand und wo ein Autofahrer von einem anonymen LKW-Fahrer durch die Wüste gejagt wird. Der Einfluß ist sicherlich vorhanden, so wie sich Co-Autor J.J. Abrams später auch mit SUPER 8 erneut im Umfeld Spielbergs bediente, ein Remake ist JOYRIDE aber nicht, was der Story Freiheiten einräumt und allzu konkrete Vergleiche verhindert.

Die Hauptcharaktere sind im Collegealter, was man aus hunderten Thrillern/Horrorfilmen kennt. Aber auch wenn Fuller ein Chaot ist, hat er seine liebenswerten Seiten und lobenswerterweise beschränken sich die Figuren nicht auf „Ficken, höhöhö“ und „Lass zum See fahren“-Gelaber, sondern haben die richtige Tiefe um mit ihnen zu fiebern.

Gespielt werden Lewis, Fuller und Venna von Paul Walker, Steve Zahn und Leelee Sobieski. Walker tut das, was er auch in seiner späteren Karriere meist tat und was ihn tragischerweise auch das Leben kostete, er fährt. Zahn alias Fuller ist wie schon angesprochen der Wildere der beiden und obwohl er der klassische Sidekick ist, den Zahn später noch einige Male spielen sollte, die auffälligste Figur. Um Leelee Sobieskis Karriere wurde es in den letzten Jahren ruhiger und auch in JOYRIDE ist sie wenig aufsehenserregend, sondern tut das, wozu vor und nach ihr viele Filmfrauen verdammt wurden: sie lässt sich von den Helden retten.

Besondere Aufmerksamkeit kommt Rusty Nail zu, der wie der Trucker in DUELL nie gezeigt wird, hier aber wenigstens durch eine Stimme per Funk in Erscheinung tritt, die tatsächlich an rostige Nägel erinnert. Im Original wird dieser Part übrigens von Ted Levine, dem Buffalo Bill aus DAS SCHWEIGEN DER LÄMMER, gesprochen.

Obwohl die physische Präsenz eines Bösewichts fehlt, geht von ihm eine gewaltige Bedrohung aus, die nicht zuletzt durch den riesigen Truck ausgestrahlt wird, mit dem er unterwegs ist.

Was wir hingegen nicht wissen, ist wie Rusty Nail tickt und je nach Sichtweise kann seine Wankelmütigkeit als perfides Katz-und-Maus-Spiel oder Drehbuchschwäche ausgelegt werden.
Vielleicht beides. Es wundert, dass der wütende LKW-Fahrer die beiden zunächst mit einer simplen Entschuldigung davonkommen lässt, sie später mit peinlichen (für den Zuschauer lustigen) Aufgaben malträtiert und schließlich auf die Idee kommt noch weiter zu gehen, trägt aber auch zu einer Unvorhersehbarkeit bei. Übertrieben hart ist JOYRIDE nicht, trotzdem wird schon früh klar, dass man sich nicht mit Rusty Nail anlegt (Stichwort: herausgerissener Kiefer).

Hier und da übertreibt der Film natürlich, zum Beispiel, wenn Mr. Nail mit seinem Truck durch einen kleineren LKW hindurchfährt ohne auch nur einen Kratzer im Lack abzukriegen. Aber damit lässt sich sicher leben, denn JOYRIDE ist ganz wie der Titel es vermuten lässt, ein spaßiger, spannender Roadtrip mit Action, Suspense und toller Kulisse.

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