Review: NIGHTCRAWLER (2014)

BEWERTUNGEN:
Redaktion: 9.0

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9/10 (33)

Darsteller: Jake Gyllenhaal, Rene Russo, Riz Ahmed, Bill Paxton
Regie: Dan Gilroy
Drehbuch: Dan Gilroy
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Genre:

„Jeder liebt den Verrat, aber niemand liebt den Verräter.“
Das Gleiche gilt wohl auch für überneugierige Reporter, die als Aasfresser auf das nächste Blutbad lauern. Paparazzi stehen im sozialen Gefüge nur eine Stufe über Frauenschlägern, aber die Menschen reißen sich um ihre Bilder von ungeschminkten Promis bis hin zu grausam entstellten Leichen von Unfällen.

Nightcrawler

Dass sich damit Geld verdienen lässt bemerkt in NIGHTCRAWLER auch der arbeitslose Louis Bloom, der sich mit Gelegenheitsdiebstählen in LA über Wasser hält, bis er beginnt den Polizeifunk abzuhören und zu Unfällen und Tatorten zu fahren, um Videoaufnahmen zu machen, die er an einen Lokalsender verkauft. Anfangs ist Louis nur Beobachter, doch er ist skrupellos und ehrgeizig und beginnt schon bald das Schicksal in seine Hände zu nehmen.

Als Zuschauer verfolgen wir Louis Karriere von Anfang an, sehen wie er mit laienhaftem Equipment, ein wenig Talent aber fehlenden Kenntnissen beginnt und sich dank der Unterstützung von News-Chefin Nina schnell einen Namen macht.

Louis ist -salopp gesagt- äußerlich und innerlich ein Schmierlappen. Wirkt er anfangs noch unsicher, kommt mit dem Erfolg schnell auch die Arroganz. Den jungen Rick lässt er für einen Hungerlohn für sich schuften, von Nina erpresst er sexuelle Zuneigung und beruflich bewegt er sich immer am Rande der Legalität. Er schreckt vor Einbruch nicht zurück und ein Unfalltoter wird schon mal so drapiert, dass er besser zur Geltung kommt.

nightcrawler jake-gyllenhaal

Louis‘ Person ist dabei für den Beobachter aber so ambivalent wie sein Beruf. Es ist schwer ihn zu mögen, aber es ist auch nicht leicht sich ihm zu entziehen. Er hat sein Ziel klar vor Augen, verkauft sich prächtig und ist zu guter Letzt die Hauptfigur, die wir permanent begleiten. Er befriedigt unseren Voyeurismus, macht uns zu den Menschen die die Bild-Zeitung verdammen, aber jeden Morgen wissen wollen, was sich hinter diesen drastischen Schlagzeilen verbirgt, die uns von Seite 1 anschreien.

NIGHTCRAWLER ist vor allem Psychostudie eines Soziopathen, manchmal aber auch Thriller und dazu Mediensatire. Wobei Satire womöglich das falsche Wort ist, denn man kann sich vorstellen, dass die Darstellung des manipulativen Nachrichtenjägers gar nicht sehr überspitzt dargestellt ist.
Übertrieben wird höchstens an der Stelle, als Louis seine Auftrag- und Geldgeberin um Sex erpresst, wo man annehmen könnte, dass ein Vollprofi wie Nina schon andere Verhandlungen geführt hat.

Nightcrawler rene russo

Das ist aber nur eine kleine Schwäche in einem sonst glaubwürdigen Drehbuch und die schauspielerische Performance ist 1A. Louis wird gespielt von Jake Gyllenhaal, einem der besten jüngeren Schauspieler unserer Zeit, Rene Russo spielt Nina und Riz Ahmed, der bisher oft auf die Rolle des muslimischen Terroristen festgenagelt war (u.a. FOUR LIONS) ist Louis‘ Assistent Rick, sein Gewissen, aber auch sein Lehrling.
Star ist aber auch die Stadt Los Angeles, deren Straßen und dunkle Ecken bereits Meisterwerken wie DRIVE und das MANIAC-Remake besonderen (üblen) Glanz verliehen haben und der in der weltweiten Medienwelt natürlich ein besonderer Stellenwert zukommt.

Fazit: Beeindruckender Film, auch weil in uns allen ein Louis Bloom steckt.

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