Review: WILD IN BLUE (2014)

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Redaktion: 6.0

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6/10 (32)

Darsteller: Frank Cermak Jr., Charlotte Ellen Price, Steve Railsback
Regie: Matthew Berkowitz
Drehbuch: Matthew Berkowitz
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Wer seine Filme gerne gewöhnlich mag, kann dieses Review und auch den dazugehörigen Film überspringen, denn WILD IN BLUE ist ein Experimentalfilm, der es dem Betrachter nicht immer einfach macht. Bringt man hingegen eine gewisse Affinität für Arthouse-Indie mit Gewalteinlagen mit, könnte hier ein Geheimtipp lauern.

Charlie ist ein Mörder. Er entführt Frauen und tötet sie brutal, während er seine Taten filmt. Doch dann lernt er Ashley kennen und es setzt eine Veränderung in ihm ein. Aber wird die junge Frau ihm Halt geben oder wird er sie mit in den Abgrund reissen?

wild in blue berkowitz

So ähnlich hätte es aussehen können, wenn Oliver Stone das Drehbuch des MANIAC-Remakes in die Hände bekommen hätte.
Inhaltlich bewegen wir uns in einem ähnlichen Rahmen, erfahren ein paar Dinge über die Kindheit des Serienmörders, beobachten ihn (und seinen Gehilfen) bei seinem blutigen Werk und sehen mit an, wie er die Frau kennenlernt, die für ihn mehr sein soll als nur ein Opfer.

Wie Frank Zito ist auch Charlie kein 2-Meter-Maskenmann und hat durchaus seine Selbstzweifel, wirkt aber kontrollierter (auch wenn die suizidale Eingangssequenz anderes vermuten lässt).
Was WILD IN BLUE aber von MANIAC und anderen Filmen abhebt, ist die visuelle Arbeit. Zwar erleben wir immer wieder die Ereignisse unmittelbar mit Charlies Augen wie wir das auch von MANIAC kennen, aber auch über die von ihm benutzte Kamera oder ganz klassisch als unsichtbarer Beobachter in der dritten Person. Zuletzt enthält der Film auch diverse alte Aufnahmen, z.B. aus Charlies Kindheit.
Wie Oliver Stone es in einigen seiner Filme tat, werden innerhalb eines Dialogs kurze Zwischensequenzen eingeblendet. Ist etwa die Rede von Gott, sehen wir für Sekundenbruchteile den Himmel oder eine Kirche.
Hässliche Sterbeszenen in schäbiger Optik wechseln sich mit ästhetischen Aufnahmen vor einem Sonnenuntergang ab und auch die Bildqualität selbst variiert erheblich.

wild in blue

Es ist allerdings nicht zu verleugnen, dass Matthew Berkowitz‘ Film kein großer Hollywoodfilm ist, sondern in etwa zwei Wochen abgedreht wurde.
Dafür ist das Ergebnis gut, aber längst nicht perfekt. Während Darstellerin Charlotte Ellen Price nicht vom hässlichen Baum gefallen ist, fehlt ihr der Zauber, den Nora Arnezeder in MANIAC entfachte. Vor allem die zweite Filmhälfte verliert an Biss, wo auch Ashley und Charlie oft gelangweilt wirken und die Figuren lange nicht vorankommen, bevor man im Finale noch einmal wachgerüttelt wird und plötzlich vieles in Frage stellt.

wild in blue 2

Das wird mancher Zuschauer ohnehin tun, denn WILD IN BLUE kann verwirren. Wer verstehen will, was wann passiert und was davon nur in Charlies Fantasie, muss schon genau hinsehen und womöglich doch nicht alles klar zuordnen.

Fazit: Mutiger Film, den man mit genügend Ruhe im Kopf sehen sollte, aber auch dann wird dieser Streifen nie massentauglich.

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