Classic-Review: DIE KÖRPERFRESSER KOMMEN (1978)

Die Körperfresser kommen review
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Redaktion: 8.5

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Darsteller: Donald Sutherland, Brooke Adams, Leonard Nimoy, Jeff Goldblum, Veronica Cartwright u.a.
Regie: Philip Kaufman
Drehbuch: W.D. Richter
Länge: 111 Min.
Land:
Genre: ,
Veröffentlichung: Kinopremiere: 26.01.1979; DVD: 11.05.2000
Verleih/ Vertrieb: 20th Century Fox, NSM Records
FSK: ab 16

„Menschen werden dupliziert. Und wenn es einem einmal passiert ist, ist man Teil dieser… Sache.“

Man könnte meinen, dass Philip Kaufmans DIE KÖRPERFRESSER KOMMEN eine Überarbeitung von Don Siegels Klassiker aus dem Jahr 1956 wäre, jedoch übernimmt er lediglich die Grundprämisse und stellt diese für eine andere Ära und einen anderen Ort neu dar.

Story von DIE KÖRPERFRESSER KOMMEN

DIE KÖRPERFRESSER KOMMEN beginnt auf einem trostlosen, sterbenden Planeten, auf dem Sporen in den Weltraum schweben, um schließlich ihren Weg zur Erde zu finden. San Francisco in den später 70ern: Überall in der Stadt blühen wunderschöne aber fremdartige Blumen. Als Elizabeth Driscoll (Brooke Adams, SHOCK WAVES – DIE AUS DER TIEFE KAMEN, DEAD ZONE) eine von ihnen mit nach Hause nimmt und sie auf dem Nachttisch ihres Freundes Geoffrey platziert, scheint dieser am nächsten Morgen wie ausgewechselt. Schon bald hegt sie den Verdacht, dass Geoffrey und auch andere Mitmenschen durch identische, emotionslose Doppelgänger ersetzt wurden. Mit dieser Erkenntnis versucht sie, anfangs vergeblich, ihren Kollegen Dr. Matthew Bennell (Donald Sutherland, WENN DIE GONDELN TRAUER TRAGEN, DÄMON-TRAU KEINER SEELE), der ebenfalls bei der Gesundheitsbehörde arbeitet, zu überzeugen. Doch als sich immer mehr Menschen seltsam verhalten, wollen er, Elizabeth und auch seine Freunde Jack Bellicec (Jeff Goldblum, DIE FLIEGE, JURASSIC PARK ) und dessen Frau Nancy (Veronica Cartwright, ALIEN, DIE HEXEN VON EASTWICK) gemeinsam dieser grauenhaften Apokalypse entkommen.

Die Körperfresser kommen Jeff Goldblum

Grelle Töne und unerklärliche Assoziationen

Kaufman, der in den 1980er Jahren mit DER STOFF, AUS DEM DIE HELDEN SIND (1983) und DIE UNERTRÄGLICHE LEICHTIGKEIT DES SEINS (1988) große Erfolge feierte, ist auch in der Lage, viel mehr Humor einzubauen, den er mit bösartiger Subtilität einsetzt, ohne jedoch die Aura der Spannung des Films zu untergraben. Er nutzt auch die damals neuen Entwicklungen des Dolby-Stereo-Tons, der den Bildern eine zusätzliche Grobheit verleiht. Ben Burtt, der einen Großteil des Sounddesigns von STAR WARS und später WALLE gemacht hat, war ein wichtiger Mitarbeiter. In Zusammenarbeit mit dem Kameramann Michael Chapman, der Scorseses TAXI DRIVER und WIE EIN WILDER STIER drehte, verleiht Kaufman den Zuschauern ein Neo-Noir-Gefühl.

Einer der großartigsten Soundeffekte des Films ist „der Schrei“. Dieses klaxonartige „Alarmsystem“ der Doppelgänger tritt immer dann auf, wenn sie menschliche Emotionen entdecken und auch als Verständigung untereinander. Man muss sich den Film mehrmals ansehen, um zu erkennen, dass diese Schreie schon immer zu hören waren, tief in der Tonmischung vergraben, die mit dem Hupen der Autos und dem Brummen der Stadt verschmolzen sind.

Auch die Abfolge von eindringlichen, unpassenden Gesichtern, die aufblitzen oder irgendeine unerklärliche Assoziation auslösen, verstärken die anfängliche Paranoia beim Zuschauer: Robert Duvalls Hintergrund-Cameo auf einer Schaukel, der die Soutane eines Priesters trägt; Lelia Goldoni, aus SCHATTEN, als eine weitere Frau, die glaubt, ihr Mann sei nicht mehr ihr Mann; die Kundin im türkischen Bad, die von Velikovskys Werk „Welten im Zusammenstoß“ schwärmt.

Big Brother is watching you!

Die 1956er Version DIE DÄMONISCHEN war ein Klassiker des Kalten Krieges. Die meisten sahen in den emotionslosen Menschen eine Allegorie für den Kommunismus, obwohl sich einige fragten, ob die Kritik in die falsche Richtung zielt. Könnten diese geistig betäubten Massen für das Gruppendenken der McCarthy-Ära stehen? Diese Befürchtung ist in DIE KÖRPERFRESSER KOMMEN viel tiefer verwurzelt. Überall verhalten sich die Menschen abnormal: Auf der Fahrt durch die Stadt wirken Sutherland und Adams wie ein Zivilistenpaar, das sich in ein unerklärtes Kriegsgebiet verirrt hat. Hier verstärkt die Anwesenheit eines Überwachungsstaates das Unbehagen nur noch. Leere Gesichter beobachten jeden Schritt von Matthew und Elizabeth, kompromittierte Regierungsbeamte sind ihnen immer einen Schritt voraus, und niemand weiß, wer getäuscht wurde und wer nicht, bis es zu spät ist.

Fazit von DIE KÖRPERFRESSER KOMMEN

Leider geht der Film nicht so weit, wie er könnte. Zu viele Höhepunkte lenken von dem ab, was eine wirklich grüblerische und intensive Paranoia hätte sein können – etwas, das Polanski in seinem Film DER MIETER ziemlich gut gelungen ist. Trotzdem ist der Film emotional aufwühlend, visuell beeindruckend und um keinen Tag gealtert. Der langsame Aufbau der Enthüllungen und die Überlebensinstinkte im letzten Drittel führen dann zu einem der besten Twist-Enden der Kinogeschichte.

Die Besetzung ist grandios exzentrisch, wobei Leonard Nimoy das perfekte lächelnde Abbild eines selbstgefälligen Bestseller-Psychologie-Gurus, der aus Mr. Spock und den gesammelten Plattencovern von Leonard Cohen geschlüpft zu sein scheint. Donald Sutherland als ein Post-Hippie-Columbo, der als Gesundheitsinspektor arbeitet, Brooke Adams, seine melancholische rehäugige Assistentin, Jeff Goldblum als wütender Dichter und schließlich Veronica Cartwright als die mutig Ausharrende.

Der Film ist ein Paradebeispiel für ein fast perfektes Remake. Es ist mehr als nur eine Überarbeitung der gleichen Elemente oder eine seelenlose Coverversion eines beliebten Songs. Es ist ein Remake, das den Originalfilm dekonstruiert, versteht, was an ihm großartig ist, und dann diese Bestandteile zu etwas Neuem und ganz, ganz Schrecklichem zusammensetzt.

Weitere Verfilmungen

1993 produzierte Abel Ferrara die dritte Verfilmung mit dem Titel BODY SNATCHERS  – ANGRIFF DER KÖRPERFRESSER. Auch Oliver Hirschbiegel wollte es 2007 mit INVASION noch einmal wissen und konnte Stars wie Nicole Kidman und Daniel Craig verpflichten.

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