Classic-Review: EIN ZOMBIE HING AM GLOCKENSEIL (1980)

BEWERTUNGEN:
Redaktion: 7.5

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8/10 (3)

Darsteller: Christopher George, Catriona MacColl, Giovanni Lombardo Radice, Michele Soavi, John Morghen
Regie: Lucio Fulci
Drehbuch: Lucio Fulci, Dardano Saccetti
Länge: 81.34 Min (cut-Version)
Land:
Genre: ,
Veröffentlichung: Kinopremiere Deutschland: 11.09.1980
Verleih/ Vertrieb: diverse
FSK: ab 18
FSK: Beschlagnahmt

„Nach Ihrer eigenen Theorie haben wir nur noch weniger als 48 Stunden bis Allerseelen!“

Story:

EIN ZOMBIE HING AM GLOCKENSEIL beginnt auf einem nebligen und unheimlichen Friedhof in der Kleinstadt Dunwich. Dort sehen wir einen anscheinend verunglimpften Priester, wie er sich an einem Baum aufhängt. Mit seinem Selbstmord öffnete er absichtlich die Tore der Hölle, durch die die Toten zurückkehren werden, um den Lebenden das Leben zu nehmen. Nicht allzu weit entfernt findet in New York eine Séance statt. Eine Hellseherin, Mary, gespielt von Catriona MacColl (ÜBER DEM JENSEITS, DAS HAUS AN DER FRIEDHOFSMAUER), wird während des Rituals Zeugin des Selbstmordes und stirbt einige Minuten später selbst. Als sie begraben und zur Ruhe gebettet werden soll, erwacht sie auf wundersame Weise wieder zum Leben. Gerade noch rechtzeitig wird sie von einem neugierigen, Axt schwingenden Reporter namens Peter, Christopher George, (EL DORADO, DRECKIGES GOLD) gerettet. Gemeinsam entschließen sie sich, die Tore zur Hölle für immer zu schließen.

Hängender Priester! Organisches Erbrechen! Madensturm!

Wie bei fast allen seinen Horrorfilmen gibt es erstaunliche Make-up-Spezialeffekte und natürlich epische Mengen von Gore. In EIN ZOMBIE HING AM GLOCKENSEIL gibt es viel Seltsames und unerklärliche Details. Zum Beispiel scheint es, dass zumindest in Italien Zombies nach Belieben herumteleportieren können, hier auftauchen und dorthin schwirren. Das macht es irgendwie schwierig, ihnen das Hirn wegzublasen. Nicht, dass dadurch ein italienischer Zombie getötet wird – der Zombie-Priester wird erst dann aufgehalten, wenn sich ein Dolch tief in seinen heiligen Schoß bohrt. Vielleicht ein Zeichen von Fulcis berühmten antikatholischen Gefühlen oder vielleicht war es einfach eine coole Art, einen Priester zu töten. Gorehounds werden jubeln, wenn sich Daniela Doria minutenlang und fast bewegungslos ihre Eingeweide auskotzt und John Morghen (ASPHALTKANNIBALEN, GANGS OF NEW YORK, DAS OMEN (2006) mithilfe eines Bohrers eine schmerzvolle Lobotomie erhält. Erwähnenswert ist auch die sehr hohe Anzahl an Maden, die in großer Vielzahl an jedem Zombie hängen.

Godfather of Gore

Lucio Fulci verbrachte die meiste Zeit seiner Karriere damit, die zweite Geige nach dem raffinierteren und stilisierteren Werken von Dario Argento zu spielen. Im Gegensatz zu ÜBER DEM JENSEITS, ein Film, den viele als sein Meisterwerk betrachten, ist Argentos SUSPIRIA ein formvollendetes Werk. Fulcis Filme sind faszinierend in ihrer Widersprüchlichkeit, gut durchdacht und gleichzeitig zusammengewürfelt. Sicherlich hat Argento nie ein Horror-Alptraum in der mühelosen Weise erreicht, wie es Fulci konnte. Die beiden Filmemacher haben in den frühen 80er Jahren ein sehr ähnliches Gebiet abgegrast und versucht, das Horrorgenre von den Beschränkungen der Erzählung zu befreien und etwas zu schaffen, das einem „Horror-Konzeptfilm“ näher kommt. Während Argento immer größere visuelle Versatzstücke einsetzte, um mit modernster Technologie bei Kamerakränen und Beleuchtung den Zuschauer zu blenden, lag der Fokus von Fulci, vielleicht beruhend auf seinem Medizinstudium, auf fast klinische Untersuchungen von Tod und Verwesung.

Zombie Disco

Die Filmmusik von Fabio Frizzi ist ein unglaubliches Synth-Horror-Special mit dem bekannten „Zombie-Disco-Thema“, das er in mehreren Fulci-Filmen wiederverwendete (wenn man es einmal gehört hat, wird man es nie mehr aus dem Kopf bekommen.) Es hat auch das Markenzeichen des „needle dropping“. Quentin Tarantino demonstriert diesen musikalischen Effekt auch in KILL BILL VOL.1, als er die Braut in ihrem Rollstuhl in die Parkgarage rollen lässt, bis sie den „Pussy Wagon“ findet und aufschließt, wodurch die Partitur abrupt abgeschaltet wird.

Fazit:

EIN ZOMBIE HING AM GLOCKENSEIL ist ein beeindruckender Zombie-Streifen. Am Ende ist es 100% Lucio Fulci. Viele seiner schlechtesten Filme sind auch „100% Fulci“, aber dies ist einer, der funktioniert und in der Lage ist, sein Publikum zu unterhalten. Das ist kein großartiges oder gar gutes Kino, aber es ist eskapistische Unterhaltung. Bei seinen besten Filmen – und dies ist sicherlich einer davon – geht es darum, wie man sich entscheidet, sie zu sehen und wie offen man für ihre irrationale Logik und Denkweise ist.

Good to know

EIN ZOMBIE HING AM GLOCKSEIL ist der erste Teil der „Tore der Hölle“ Trilogie, gefolgt von ÜBER DEM JENSEITS und DAS HAUS AN DER FRIEDHOFSMAUER.

Der Film wurde auch unter den folgenden deutschen Titeln vermarktet: DIE STADT DER LEBENDEN TOTEN, EIN KADAVER HING AM GLOCKENSEIL, EINE LEICHE HING AM GLOCKENSEIL.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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