Classic-Review: KAP DER ANGST (1991)

BEWERTUNGEN:
Redaktion: 7,5

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9/10 (1)

Darsteller: Robert De Niro, Nick Nolte, Jessica Lange, Juliette Lewis, Gregory Peck, Robert Mitchum u.a.
Regie: Martin Scorsese
Drehbuch: Wesley Strick
Länge: 122 Min.
Land:
Genre:
Veröffentlichung: DVD-Premiere: 14.08.2003
Verleih/ Vertrieb: Universal
FSK: ab 16

„Ich bin besser als ihr alle. Ich übertreff euch im Lernen, ich übertreff euch im Lesen, ich übertreff euch im Denken, ich übertreff euch im Philosophieren und ich werd euch überleben!“

1957 wurde der Spannungsroman „The Executioners“ von John MacDonald veröffentlicht. Er wurde zweimal, 1962 EIN KÖDER FÜR DIE BESTIE und 1991 KAP DER ANGST, verfilmt. Die erste Verfilmung hält sich enger an die Romanvorlage, während die Adaption von 1991 wesentlich brutaler und gewalttätiger ist.

Story von KAP DER ANGST:

Sam Bowden (Nick Nolte) ist ein Anwalt in einer kleinen Südstaatenstadt, der vor 14 Jahren einen Mann namens Max Cady (Robert De Niro) erfolglos wegen Vergewaltigung verteidigte. Zum Zeitpunkt seines Prozesses war Cady ein Analphabet, der während seiner Haftzeit das Lesen lernte und reihenweise Bücher über Literatur, Philosophie und vor allem Jura verschlang. Während der ganzen Zeit war er nur von einer Sache getrieben: Sich an Bowden zu rächen, dessen schlampige Verteidigung und die Zurückhaltung von Entlastungsmaterial seiner Meinung nach der Grund dafür ist, dass er seine Frau, seine Tochter und einen großen Teil seines Lebens verloren hat. Als er entlassen wird, macht er sich auf den Weg in Bowdens friedliche Heimatstadt. Seine Hauptziele sind Bowdens Frau Leigh (Jessica Lange) und seine 15-jährige Tochter Danielle (Juliette Lewis). Nachdem er den Hund vergiftet und eine Freundin Bowdens brutal misshandelt, gelingt es ihm schließlich, in das Haus der Familie einzudringen, deren Haushälterin und auch den Detektiv, der sie beschützen sollte, zu töten. Panisch flüchten Sam, Leigh und Danielle auf ihr Hausboot und wägen sich in Sicherheit. Bis Cady erneut erbarmungslos zuschlägt.

Unterschiede zum Original 

Der größte Unterschied zwischen den beiden Filmen ist die Darstellung des Bösewichts Max Cady. Im Original, gespielt von Robert Mitchum, ist er zwar bedrohlich, aber auf eine lässigere, weniger offensichtliche Weise. Er macht verschleierte Drohungen und steigt jungen Frauen nach, aber er bewahrt immer die Fassade eines liebenswürdigen Südstaaten-Gentleman, was ihm bei seinen Versuchen hilft, die Polizei auszutricksen und sich jeder Schuld zu entziehen. In der Neuverfilmung ist Cady deutlich offensiver, wie zum Beispiel in der Kinoszene, in der er Zigarre rauchend und laut lachend absichtlich die Aufmerksamkeit auf sich zieht.

Statt der rechtschaffenen und makellosen Familie von 1962 zeigt die neue Version, wie sie bereits von innen her zerbröckelt, bevor Cady überhaupt erscheint, um ihre Welt zu erschüttern. Die Ehe ist von Untreue geplagt und die aufkeimende Sexualität und die rebellische Ader der 15-jährigen Tochter beunruhigen die Eltern. Cady greift geschickt in diese Risse und reißt sie weit auf. Aspekte, die im Original nur Nuancen waren, sind in der Neuverfilmung verstörend offenkundig. Auch der Einsatz von Robert Mitchum, Gregory Peck und Martin Balsam aus dem Original in Cameo-Rollen ist ein netter Zug. Ebenso gelungen ist Elmer Bernsteins Adaption der dynamischen Filmmusik von Bernard Herrmann aus dem Jahr 1962. Die schauspielerischen Leistungen in diesem Remake sind ebenfalls außergewöhnlich, wobei De Niro eine weitere seiner verrückten Randfiguren brillant verkörpert. Nolte ist in Topform und Lewis ist als Tochter eine perfekte Mischung aus Frühreife und Unschuld. KAP DER ANGST strotzt nur so vor stilistischen Schnörkeln und messerscharfen Schnitten. Dennoch hat man das Gefühl, dass Scorsese einige seiner Bravourstücke im Zaum gehalten hat, um einen größeren Mainstream-Kinoerfolg zu erzielen. Und in diesem Sinne ist KAP DER ANGST vielleicht nicht so bedrohlich und böse, wie er es zu vorgibt zu sein. Wie bei all seinen Filmen gibt es auch hier ein moralisches Schlachtfeld, das überquert werden muss, bevor ein Schlussstrich gezogen wird.

Die Schwächen von KAP DER ANGST

Scorsese, wahrscheinlich der bessere der beiden Regisseure, geht den traditionelleren Horror-Weg, inspiriert von den beliebten Slasher-Filmen der 80er Jahre, wie HALLOWEEN und FREITAG DER 13. Wie ein guter Slasher-Bösewicht kehrt Max Cady immer wieder vor dem sicheren Tod zurück, z. B. wenn er in Brand gesetzt wird, brennend vom Boot springt, und dann wieder an Bord klettert, um sein Unwesen fortzusetzen. An einer Stelle wird er von einer angeheuerten Schlägertruppe gnadenlos verprügelt, aber er steckt die Schläge irgendwie weg und schafft es, all seine Angreifer dem Erdboden gleichzumachen. Er scheint übermenschliche Kräfte zu haben und dies lässt ihn unmenschlich erscheinen und nimmt dem Film den Realismus.

Good to know

Es ist bekannt, dass manche Schauspieler extreme Wege gehen, um ihre Charaktere in Film und Theater mehr Authentizität und Glaubwürdigkeit zu verleihen– meist durch extreme Gewichtszunahme oder -abnahme. Die besten Beispiele sind Christian Bale in DER MASCHINISTAMERICAN HUSTLE und VICE, auch Robert De Niro in WIE EIN WILDER STIER, JARED LETO in CHAPTER 27 und Matthew McConaughey in DALLAS BUYERS CLUB schritten hier mutig, aber stets unter ärztlicher Aufsicht voran.

In KAP DER ANGST zahlte De Niro einem Zahnarzt 5.000 Dollar, um seine Zähne abschleifen zu lassen, damit seine Figur mehr Bedrohlichkeit ausstrahlte. Nach Abschluss der Dreharbeiten musste er weitere 20.000 Dollar berappen, um sie wieder in ihren ursprünglichen Zustand zu versetzen.

In der Eröffnungsszene sehen wir Cady beim Training zu und es gibt einen Moment, in dem die Kamera auf ein Buch mit dem Titel „The Cell Within“ (Das Gefängnis in mir), ein Roman von Jake Manning, schwenkt. Dieses Buch existiert nicht wirklich, aber ist in einer gleichnamigen MIAMI VICE-Folge (Staffel 5, Episode 13) zu sehen. Die Handlung dieser Episode hat große Ähnlichkeit mit KAP DER ANGST: Ein Detektiv wird von einem Ex-Sträfling als Geisel genommen und gefoltert.

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