Review: A GIRL WALKS HOME ALONE AT NIGHT (2014)

BEWERTUNGEN:
Redaktion: 9.0

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10/10 (5)

Darsteller: Sheila Vand, Arash Marandi,
Regie: Ana Lily Amirpour
Drehbuch: Ana Lily Amirpour
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A GIRL WALKS HOME ALONE AT NIGHT ist als iranischer Vampir-Western der erste seiner Art. Die iranisch-amerikanische Regisseurin Ana Lily Amirpour erschuf mit gekonnt inszenierten Stilmittel und viel Liebe zum Film eine zeitlose Hommage an das Kino der 50er Jahre.

Die weniger Bewohner der fiktiven Stadt Bad City führen ein tristen Dasein. Bad City gleicht einer Geisterstadt, in der das Leben nicht mehr lebenswert ist. Mitten drin muss der junge Arash (Arash Marandi) sich und seinen drogensüchtigen Vater durchbringen, der bei seinem Dealer schon weit im Zahlungsrückstand steht. Arash’s ganzer Stolz ist sein Ford Thunderbird, den er sich schwer erarbeitet hat und sein einziger Freund ist sein Kater. Des Nachts läuft ein Vampir-Mädchen (Sheila Vand, ARGO) durch die leeren Straßen, ihre Opfer sind skrupellosen und schlechten Menschen, die in Bad City nicht schwer zu finden sind. Es kommt wie es kommen muss und die Wege der beiden kreuzen sich. Ab da an entwickelt sich eine Liebesgeschichte für die an diesem Ort eigentlich kein Platz ist.

A girl walks home alone at night

Bad City macht seinem Namen alle Ehre, denn dort ist kein Platz für gute Seelen. Mit viel Bildsprache in schwarz-weiß erzeugt der Film eine tief einsame und nihilistische Atmosphäre, wie wir es sonst von David Lynch Filmen gewohnt sind und die zu keiner Zeit gekünstelt oder aufgesetzt wirkt. Nicht mal dann, als das Vampir-Mädchen auf einem Skateboard durch die Straßen rollt und auf Arash in einem Dracula-Kostüm trifft. Es suggeriert dem Zuschauer eine schicksalshafte Begegnung der beiden Charaktere ohne es lächerlich erscheinen zu lassen.

A girl walks home alone at night

Stilistisch erinnert uns der Film stark an das Kino der 50er Jahre und Arash an einen jungen James Dean, der einfach an einem falschen Ort geboren worden zu sein scheint. Unterlegt mit einem außergewöhnlichen Soundtrack verschwimmen die Grenzen der Zeit, sodass die Szenerie völlig zeitlos wirkt. Im Laufe des Films verstricken sich die einzelnen Schicksale der Protagonisten durch die Taten des Vampir-Mädchens, das sich der Tragweite ihrer Taten nicht bewusst ist, was eine Gefahr für die junge Liebe und die sich entwickelnde Beziehung zwischen ihr und Arash darstellt. Nun stellt sich die Frage: Ist ihr gemeinsamer Traum von einem besseren Ort stark genug, um alles geschehene hinter sich zu lassen? Was bedeutet gut und was ist böse? Hier kann ganz ohne schlechtes Gewissen ein Vergleich zu SO FINSTER DIE NACHT gezogen werden, bei dem A GIRL WALKS HOME ALONE AT NIGHT besteht.

A girl walks home alone at night (2)

Die Regisseurin Ana Lily Amirpour schafft es eine perfekte Illusion eines iranischen Films zu inszenieren. Da es nicht möglich war tatsächlich im Iran zu drehen, mussten die Dreharbeiten in Kalifornien stattfinden, was dem Film mit und ohne Hintergrundwissen nicht anzusehen ist. Der deutsche Hauptdarsteller und die amerikanische Hautdarstellerin, beide mit iranischen Wurzeln, überzeugen in ihrem Schauspiel und transportieren ihre Gefühle ohne lange Textpassagen.

Fazit: A GIRL WALKS HOME ALONE AT NIGHT ist ein Fest für Cineasten, wer rasante Vampir-Action erwartet wird hier nicht bedient.

 

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