Review: DAS SCHWARZE REPTIL (1966)

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Redaktion: 7.0

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8/10 (20)

Darsteller: Noel Willman, Jennifer Daniel, Ray Barrett
Regie: John Gilling
Drehbuch: Anthony Hinds
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Genre:

Wie Humor und Mode unterliegt auch Horror dem Wandel der Zeit. Schaut man heute einen Gruselfilm der 1960er Jahre, wird das vermutlich nur in den seltensten Fällen Schockstarre und Alpträume auslösen. Das heißt aber nicht, dass diese Filme trotzdem gute Unterhaltung bieten können.
Das gilt vor allem dann, wenn das Werk in den legendären Hammer Studios geschmiedet wurde, wie eben DAS SCHWARZE REPTIL.

Nach dem Tod seines Bruders zieht Harry Spalding mit seiner Frau Valerie in dessen Haus auf dem Land. Die Einheimischen geben sich wenig einladend und nur Kneipenwirt Tom heißt die Fremden willkommen. Aber auch der weiß nicht, woran Harrys Bruder starb.
Hat der Nachbar der Spaldings, der mit seiner Tochter und einem unheimlichen Diener in den Sümpfen lebt, etwas damit zu tun?

das schwarze reptil 1966

Wie es sich für einen -im besten Sinne- altmodischen Horrorfilm gehört, werden alle Register gezogen. Schwere Musik, alte Herrenhäuser, noch ältere Flüche, Unwetter, finster dreinblickende Aristokraten und ein eigenartiger Diener, der um die Häuser schleicht. Dazu spielt DAS SCHWARZE REPTIL zu einer Zeit als man sich noch mit Pferdekutschen fortbewegte und dementsprechend sind die Sitten und Gegebenheiten.

Da lässt sich leicht erklären, warum Menschen mit unbekannter Todesursache ohne Obduktion beerdigt werden, denn es gibt schlichtweg keinen Arzt in der Gegend. Dass die gleichen Leichen Tage oder sogar Wochen später wieder ausgebuddelt werden, noch erstaunlich frisch aussehen und erst dann ansatzweise von Laien untersucht werden, die aber auf den ersten Blick den Grund des Ablebens benennen können, wirkt nicht sehr realitätsnah.
Aber auch das gehört zur damaligen Zeit, als man dem Publikum wohl den Anblick realistisch entstellter Leichen ersparen wollte. Risse in der Logik finden sich hingegen noch heute in vielen Filmen.

das schwarze reptil the reptile1966

Trotzdem ist die Geschichte um die Spaldings ansprechend erzählt. Oder anders gesagt, man merkt, dass hier noch die Story im Mittelpunkt steht und nicht nur Schocks aneinandergereiht werden.
Grusliger wird es dementsprechend vor allem in der hinteren Filmhälfte, wo dann auch das Mysterium um das titelgebende Reptil gelüftet wird.
Die hier zum Einsatz kommenden Effekte sind aber nach heutigen Standards unfreiwillig komisch und das glubschäugige Schlangenwesen kann man mögen oder auch nicht, jedenfalls wird es einem nicht den Schlaf rauben.
das schwarze reptil anolis

Wie so einige Hammer-Filme seiner Zeit, hat auch DAS SCHWARZE REPTIL einige Momente unterschwelliger Sexualität, die 1966 jedoch nur durch dünne Nachthemden weiter an die Oberfläche kommen. Letztlich ist es ja aber auch genau diese unschuldige Nostalgie, die ältere Filme ausmachen.
Insgesamt gilt natürlich auch hier, kann man mögen, muss man aber nicht. Wer ausschließlich auf modernen Horror steht, wird sich DAS SCHWARZE REPTIL ohnehin sparen können und einen wegweisenden Film verpasst man damit nicht, immerhin aber solide Hammerware.

Die Bildqualität auf der nun erschienenen Blu Ray ist übrigens besser als in diesem Trailer

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