Review: MR. LONG (2017)

 

 
Overview
 

Darsteller: Chen Chang, Shô Aoyagi, Yi Ti Yao
 
Regie: SABU
 
Drehbuch: SABU
 
Länge: 129 min
 
Veröffentlichung: 14. September 2017 (Kino)
 
Verleih/Vertrieb: Rapid Eyes Movies
 
Genre:
 
Land: , ,
 
Bewertung
6.5
6.5/ 10


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Posted 16. September 2017 by

Wie beschreibt man MR. LONG?
Sagen wir es so: als die Anfrage kam, ob wir den Film reviewen wollen, war ich mir nicht sicher, ob er zu uns passt und so ganz weiß ich das immer noch nicht.
Was man mit Sicherheit sagen kann, ist dass es sich hier nicht um einen gewöhnlichen Spannungsfilm handelt, eine Neigung zum Asia-Kino gefragt ist und uns die Story bekannt vorkommt.

Mr. Long ist ein Auftragskiller in Tokyo. Doch als der letzte Job gewaltig in die Hose geht, rettet er sich schwer verletzt in ein Ghetto. Dort kommt er allmählich wieder auf die Beine, freundet sich mit einer ehemaligen Prostituierten an, startet eine neue Karriere… und wird doch von seiner Vergangenheit eingeholt.

Falls das etwas nach HEADSHOT klingt, der erst vor ein paar Monaten erschien, ist das nicht komplett aus der Luft gegriffen. Auch dort ging es um einen verwundeten Killer, der sich aus verschiedenen Gründen beruflich verändert, aber noch mal mit alten Feinden auseinandersetzen muss. Auch kam er aus Asien.
Aber Asien ist bekanntermaßen groß und während die indonesischen Mo Brothers HEADSHOT umsetzten, ist MR. LONG eine Koproduktion aus Japan, Taiwan und Hong Kong.

Was wichtiger ist, während HEADSHOT  nur gelegentlich den Fuß vom Gaspedal nahm und sonst blutige Action bot, zeigt sich MR. LONG deutlich näher am Drama und lässt den Killer nur am Anfang und Ende des Films von der Leine.

In diesen rasanten Sequenzen werden vor allem Hieb- und Stichwaffen eingesetzt und Long zeigt, dass er mit einem Messer in der Hand auch eine große Überzahl von Gegnern ausschalten kann. Das ist hübsch brutal umgesetzt, aber nicht sehr nahe an der Realität, zumal sich der Feind in Reih und Glied aufstellt. Vor allem steht übertriebene Action aber im starken Kontrast zu dem langen ruhigen und realistisch angelegten Mittelteil, der den Protagonisten von seiner anderen Seite zeigt.

MR. LONG läuft 129 Minuten und diese Zeit ist nötig, weil der Film wenige Dialoge einsetzt und stattdessen Bilder für sich sprechen lässt. Es liegt wohl auch daran, dass man sich als Beobachter tatsächlich als Beobachter sieht und immer eine spürbare Distanz zum Protagonisten bleibt.
Allerdings sind die gezeigten Bilder ebenso wie Kameraarbeit wenig spektakulär, teilweise sogar unbeholfen und während man inhaltlich erfährt, wie Long in die Gemeinschaft einer verstoßenen, armen Gesellschaft einfügt, Gutes tut, Freunde und Wärme findet, hätte man das doch deutlich schneller auf den Punkt bringen können.

Andererseits kann man davon ausgehen, dass Regisseur/Autor  SABU nie vorhatte einen Streifen nach bekanntem Muster zu kreieren, sondern gezielt diesen ruhigen Strom suchte, der letztlich nicht dem puren Entertainment dient, sondern beim aufmerksamen Zuschauer eine Reihe von Emotionen auslöst…beim Standardkonsumenten hingegen Langeweile.

Insofern verwundert es, dass MR. LONG einen deutschen Kinostart erhielt, denn viel Geld lässt sich hiermit kaum verdienen. Trotzdem löblich, dass auch solche Werke in Lichtspielhäusern gastieren und wer neben dem schon erwähnten Faible für asiatische Filme auch die nötige Geduld an den Tag legt, mag hier vielleicht eine Perle für sich entdecken.

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