Review: THE SADNESS (2021)

the sadness rezension
BEWERTUNGEN:
Redaktion: 10.0

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8.9/10 (7)

Darsteller: Ying-Ru Chen, Ralf Chiu, Wei-Hua Lan
Regie: Rob Jabbaz
Drehbuch: Rob Jabbaz
Länge: 99 min
Land:
Genre: , ,
Verleih/ Vertrieb: Capelight
Sonstiges: Fantasy Filmfest 2021

Die letzten Horrorjahre waren geprägt von Geister-, Spuk- und Arthousefilmen.
Natürlich gab es dazwischen immer mal den ein oder anderen (Fun-)Splatter, aber die Brutalität und Ernsthaftigkeit, die die ersten Jahre dieses Jahrhunderts auszeichneten und neben der Folterwelle steinharte Werke wie INSIDE, IRREVERSIBEL, A SERBIAN FILM, EDEN LAKE, THE HUMAN CENTIPEDE und diverse mehr hervorbrachte, flaute merklich ab.
Und dann kommt THE SADNESS und schlägt dir mit einer rostigen Brechstange alle Zähne aus…

Story:
Jim und seine Freundin Kat erwachen an einem normalen Morgen in Taiwans Hauptstadt Taipeh. Die Nachrichten melden, dass der sogenannte Alvin-Virus noch immer grassiert und während die einen diesen aber nur als Grippevariante belächeln, warnen die anderen vor Mutationen.
Dem jungen Paar macht das wenig und Jim fährt Kat zum Bahnhof…doch dann beginnen Menschen mit größter Gewalt aufeinander loszugehen.
Mit Not kann Jim zunächst entkommen, doch er weiß, er muss Kat finden.the sadness kritik

THE SADNESS ist das härteste Stück Film, das du dieses Jahr sehen wirst

Mit TRAIN TO BUSAN kam vor einigen Jahren ein großartiger Zombiefilm aus dem südostasiatischen Raum, der epischer angelegt war, dafür aber (eigentlich genreuntypisch) sparsam mit Splatter umging. THE SADNESS ist das Gegenteil. Zwar ist klar, dass sich die Seuche auch hier mindestens über die ganze Stadt verbreitet, dennoch wirkt er in der Auswahl der Protagosisten intimer, dafür aber ungleich derber.

Zwar kann man THE SADNESS vorübergehend auch gerne in diese Zombie-Schublade legen, akkurat ist diese Beschreibung aber nicht, denn die Infizierten sind nicht tot und sie sind vor allem auch nicht dumm. Sie sprechen und nutzen Waffen, sind aber gänzlich verroht. Schlimmer noch, sie sind nicht nur daran interessiert ihre Opfer zu fressen, sondern wollen quälen und vergewaltigen. Am ehesten kommt ihr Zustand wohl Betroffenen aus THE CRAZIES nah, nur dass in THE SADNESS das Maß für Härte auf einem anderen Level ist.The-Sadness-review

THE SADNESS scheiterte beim Versuch eine FSK-Freigabe zu erhalten und man kann sehen warum. Dies ist der drastischste Horrorfilm seit Jahren.
Nicht nur glänzt das Werk mit hässlichen Blutbädern und wahrlich exzessiver Gewalt, diese ist auch noch gelungen umgesetzt.

Spaß ist die Ausnahme

Vor allem aber ist der Film frei von freundlichen Onelinern oder aufgesetzter Hollywood-Ironie und im Ganzen todernst.
Die einzelnen Szenen, die doch humorvoll anmuten, sind in den wenigen Atempausen gerne genommen, aber wenn man einen Infizierten sieht, der nackt hinter Jim her hetzt, ist das eher absurd als lustig, wenn man weiß, dass dieser (kleiner Spoiler) gerade davor eine Frau gleichzeitig vergewaltigte und auffraß.

Sexuelle Gewalt ist ein großer Aspekt von THE SADNESS, denn die Infizierten lassen allen Formen  von Gewalt und Erniedrigung freien Lauf. Das geschieht teils nur mit obszönen Bemerkungen, teils auch in deutlichen Bildern. Zwar geht der Film nicht so weit wie A SERBIAN FILM, ist aber auch nicht weit davon entfernt.
Sexualität (und zwar offenbar einvernehmlich) gibt es in einer Szene aber auch zwischen den Infizierten, die in einer Blutorgie übereinander herfallen.
In einer anderen Szene muss sich Kat gegen die Annäherungsversuche eines gewöhnlichen Bahnreisenden wehren. Zu diesem Zeitpunkt scheint die Lage noch normal und dennoch liegt etwas Unangenehmes in den Avancen des älteren Herren gegenüber der jungen Frau.the sadness film 2021 kat

Gleichzeitig wird uns Kat nähergebracht, die keine amazonenhafte unbesiegbare Heldin ist, aber doch deutlich mehr als ein schmückendes Beiwerk Jims, das darauf wartet gerettet zu werden. Im Film haben die beiden wenige gemeinsame Szenen, der Rest beschreibt ihr Bemühen wieder zueinander zu finden und im Überleben sind beide gleich stark, wenn auch mit unterschiedlichen Vorgehensweisen.

Während Hollywood sich derzeit bemüht in jeden Film zwanghaft Minderheiten einzubauen und ungelenk aus alten männlichen Hauptfiguren weibliche Hauptfiguren machen möchte, gelingt THE SADNESS mit Leichtigkeit einen starken weiblichen Charakter zu etablieren. Das bedeutet freilich nicht, dass Kat problemlos durch das Chaos der Körpersäfte spaziert, es wirkt aber organisch und glaubhaft.

Überhaupt geschieht nichts in THE SADNESS, das man als gänzlich unlogisch, verkrampft oder als dumme Entscheidung der Figuren bezeichnen möchte. Dafür ist dieser höllenartige Zustand auch einfach zu rasch da. Zu schnell und unkontrolliert sind die Ereignisse. Und immerhin sind es auch für den Zuschauer neue Ereignisse, denn während Zombies in hunderten Filme gezeigt wurden und auch vergleichbare Infizierte/Besessene aus REC, 28 DAYS LATER oder THE CRAZIES inzwischen bekannte Größen sind, hat Regisseur/Autor Rob Jabbaz Verrückte erschaffen, die nicht nur enorm unangenehm und verstörend wirken, sondern auch gänzlich anders agieren als die bekannten.
the sadness film 2021

THE SADNESS ist 99 Minuten blutiges Chaos…und trotzdem mehr

Die Story ist simpel, aber vorhanden und nebenbei bleibt immer noch Platz für einen sozialen Kommentar. Dem Werk ist zudem anzumerken, dass es unter den Eindrücken der Corona-Pandemie entstand, wenngleich dies hier wirklich nur im Vorbeigehen angerissen wird.

Dass sich Jabbaz in zwei Szenen (bewusst oder auch nicht) bei IRREVERSIBEL und A SERBIAN FILM bedient und zudem eine Verneigung vor David Cronenbergs SCANNERS einbaut (Jabbaz ist ebenfalls Kanadier), tut der Kreativität keinen Abbruch, zeigt aber wes Geistes Kind er ist. Und dass das Blut an 1-2 Stellen etwas höher spritzt, als man denken könnte, ist ebenfalls kein Unglück, denn auch finstere Werke wie INSIDE oder MARTYRS schlugen gore-technisch vereinzelt über die Stränge.
In jedem Fall macht es Sinn, dass im Abspann ein Song einer Death Metal- /Grindcore-Combo läuft.

Fazit:
Über THE SADNESS wird man reden.
Jugendschützer, aber auch zartbesaitete Fans werden damit Sorgen haben. Wer aber einen erfrischend direkten, harten und geschmacklosen Film erleben will, muss ihn sehen. Wenn so Horror in den 20ern Jahren aussieht, kommen wilde Zeiten auf uns zu.

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