Review: THE LODGERS (2017)

BEWERTUNGEN:
Redaktion: 5.0

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4/10 (1)

Darsteller: Charlotte Vega, David Bradley, Eugene Simon
Regie: Brian O'Malley
Drehbuch: David Turpin
Länge: 90 min
Land:
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Veröffentlichung: 22. Juni 2018 (Heimkino)
Verleih/ Vertrieb: Lighthouse
FSK: ab 16

Es gibt Regisseure, die drehen immer wieder den gleichen Film. Zu denen will Brian O’Malley offenbar nicht gehören. Zwar ist dessen Zweitling THE LODGERS auch ein Mitglied der großen Horrorfilm-Familie, vom rauen Debüt LET US PREY, ist die verträumte Gothic-Mär aber weit weg.

Irland, 1920. Es ist die Zeit des irischen Unabhängigkeitskriegs.
In einem Anwesen auf dem Land, leben die Geschwister Rachel und Edward. Ihre Eltern sind tot, das Haus verfällt allmählich, doch die 17-jährigen Zwillinge haben noch ein anderes Problem, denn beide sind mit einem Fluch belastet, der ihr Leben diktiert und drei Dinge vorschreibt: Sie müssen um Mitternacht im Bett sein, kein Fremder darf das Haus betreten und sollte einer von ihnen weggehen, ist der andere in Lebensgefahr.

Man kann sich ausmalen, dass das für zwei Teenager am Rande zum Erwachsenwerden kein einfaches Leben ist und die beiden durch ein unsichtbares Band an Haus und auch aneinander bindet. Die Lage wird noch vertrackter, als sich Rachel zu dem Soldaten Sean hingezogen fühlt, der vom Krieg in die Heimat zurückkehrt.

THE LODGERS ist nicht nur stilistisch eine andere Hausnummer als LET US PREY, er bedient auch ein gänzlich anderes Publikum. Wenig Action, kaum Gewalt, allenfalls mag man behaupten, dass erneut Fragen offen bleiben…was aber auch nicht jeder mögen wird.
Drückt man es positiv aus, könnte sich Guillermo del Toro für das Setting begeistern und die meisten Szenen wirken gar nicht mal so, als habe man viel Aufwand betreiben müssen, um den verwunschenen Look künstlich zu imitieren.
Das mag auch am Schauplatz bzw. Drehort Irland liegen, dessen Kulisse vielerorts auf natürliche Weise märchenhaft wirkt.

Ebenfalls positiv ausgedrückt ist THE LODGERS ein „slow burner“. Dass der Film eher im Tempo einer Kerze als einem Feuerwerk abbrennt, muss jedoch nicht zwingend als Kompliment zu verstehen sein und weniger positiv formuliert, wartet man lange darauf, dass wenig passiert.

Und hier sind wir wieder bei der Frage, wen der Film ansprechen wird: Menschen, die sich auf eine melancholische Zeitreise einlassen können, auch gegen eine kleine Romanze nichts einzuwenden haben und die ansprechenden Aufnahmen der Wälder, Seen sowie des zerfallenden Hauses genießen können.
Ist man hingegen auf den nächsten ultraharten Schocker aus, ist THE LODGERS keine Option. So gar nicht.

Aber selbst wenn man den Film als pures Mystery-Drama betrachtet und sich auch von der FSK16-Freigabe irritieren lässt, die unverhältnismäßig hart erscheint, wirken manche Szenen zu lange und bergen zu wenig Substanz, um begeistern zu können.
Sicher, die interessante Frage, ob die Geschwister dem Fluch entkommen können, schwebt von Anfang an durch den Raum, es mag aber der Unerfahrenheit des Drehbuchautors geschuldet sein, dass daraus nie echte Spannung entsteht. So ist es zwar schön, dass man auf blöde Jumpscares verzichtet und augenscheinlich bewusst einen „altmodischen“ Film erstellen wollte, aber auch altmodische Filme sind nicht immer Granaten.

Dass zahlreiche Dialoge zudem steif wirken, mag man wahlweise auf die gängige Wortwahl des verarmten irischen Landadels der damaligen Zeit oder auf eine mittelprächtige Synchronisation schieben.

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