Classic-Review: BEIM STERBEN IST JEDER DER ERSTE (1972)

 

 
Overview
 

Darsteller: Jon Voight, Burt Reynolds, Ned Beatty
 
Regie: John Boorman
 
Drehbuch: James Dickey
 
Länge: 105 min
 
Freigabe: ab 16
 
Land: USA
 
Veröffentlichung: 1972
 
Verleih / Vertrieb: Warner
 
Bewertung
9.0
9.0/ 10


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Posted 3. Februar 2018 by

Wenn dir die jungen Kollegen von WRONG TURN vorschwärmen, wird es Zeit über BEIM STERBEN IST JEDER DER ERSTE zu sprechen.
Ja, der Film ist alt, das erkennt man daran, dass Burt Reynolds und Jon Voight jung waren, als er entstand. Alleine an der Tatsache, dass zwei spätere Oscar-Nominees (Voight gewann ihn auch) in diesem Werk mitspielen und BEIM STERBEN IST JEDER DER ERSTE selbst für drei Oscars nominiert war, zeugt von vergangenen Tagen.
Im Original unter DELIVERANCE gedreht, ist BEIM STERBEN IST JEDER DER ERSTE vielleicht kein Horrorfilm, aber allemal abstoßender als vieles unter dieser Kategorie zu finden ist.
Abenteuerfilm? Survival? Backwoods-Thriller? Exploitation? Irgendwie von allem etwas.

Vier Männer fahren mit dem Kanu einen wilden Fluss hinunter. Es wird das letzte Mal sein, denn kurz darauf wird ein Staudamm die Landschaft für immer verändern. Für die Großstädter kommt dieser Moment aber zu spät, denn das entspannte Abenteuer der Ausflügler wird zum puren Überlebenstrip, als sie auf einheimische Jäger treffen, die einen von ihnen brutal vergewaltigen.
Die vier können entkommen, töten sogar einen der Angreifer, ziehen damit aber nur den Zorn weiterer Rednecks auf sich….
Keine Mutanten, keine Blutbäder, keine Gimmicks und Effektorgien, dafür aber ganz realistische Hochspannung. Deliverance

Authentisch waren auch viele der Stunts, Jon Voight kletterte selbst eine Felswand hinauf, Burt Reynolds brach sich in einer Wildwasserfahrt das Steißbein und Ned Beatty musste nicht nur als Vergewaltigungsopfer auf der Leinwand herhalten, sondern wäre beinahe am Set ertrunken.
Auf der anderen Seite wurden für viele kleinere Rollen der Hillbillys tatsächliche Landbewohner aus dem Umfeld des Filmlocations genommen.
Vergewaltigungsszenen sind in fast jedem Film verstörend dargestellt, womöglich haben wir es hier aber mit der ersten homosexuellen Tat im Kino zu tun, was seinerzeit zweifelsohne für zusätzliche Überraschung sorgte.

Allerdings beschränkt sich BEIM STERBEN IST JEDER DER ERSTE nicht auf plumpe Gewaltdarstellung, sondern spielt mit der Co-Existenz von Größstädtern und Landeiern, der Beziehung zwischen Natur und modernen Errungenschaften und bildet neben Szenen, die sich in einem Horrorfilm gut machen, auch abenteuerliche Augenblicke ab.

Der Film basiert auf dem in Deutschland als FLUSSFAHRT erschienenen Roman von James Dickey. Unter diesem Namen lief der Film auch teilweise im TV und während FLUSSFAHRT denkbar unspektakulär klingt, ist er allemal eine bezeichnendere Wahl als das völlig austauschbare BEIM STERBEN IST JEDER DER ERSTE. Für den Titel kann der Film aber nichts und Namen sind bekanntlich ohnehin Schall und Rauch.
Das englische „Deliverance“ bedeutet übrigens so viel wie Erlösung oder Befreiung, also eigentlich das was Touristen im Urlaub suchen…und hier garantiert nicht finden.

Wichtiger ist aber, welche Auswirkungen das Werk auf das Genre hatte.
Zwar gibt es wie so oft mehr als einen Vorreiter des Backwood-Genres und auch TWO THOUSAND MANCIACS! oder SPIDER BABY zählen dazu, BEIM STERBEN IST JEDER DER ERSTE dürfte aber wohl der beste und bekannteste seiner Art sein und zeichnet ein grausiges Bild der ungewaschenen, zahnlosen Landbewohner, das auch heute noch dafür sorgt, dass Odenwald- oder Eifel-Ausflügler vorsichtig auf die Einheimischen zugehen.

Eine ernstere Art von Einfluss hatte der Film übrigens auf Touristen, die die Kanufahrt der Protagonisten auf dem Chattooga River selbst nacherleben wollten. Über 30 Leute starben seit Veröffentlichung des Films auf der Strecke.

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