Review: HEREDITARY – DAS VERMÄCHTNIS (2018)

BEWERTUNGEN:
Redaktion: 8.0

Please rate this

8.5/10 (2)

Darsteller: Toni Collette, Milly Shapiro, Alex Wolff, Gabriel Byrne, Ann Dowd
Regie: Ari Aster
Drehbuch: Ari Aster
Länge: 2 Std 7 Min
Land:
Genre:
Veröffentlichung: 14.06.18 (Kino), 26.10.18 (DVD/BluRay)
Verleih/ Vertrieb: Splendid Film
FSK: ab 16

HEREDITARY ist ein Film, über den man noch einige Zeit nachdem der Abspann gelaufen ist nachdenkt. Der erste Film in Spielfilmlänge von Regisseur Ari Aster wurde bereits vor der Veröffentlichung als DER EXZORZIST (1973) dieser Generation gehandelt und somit ziemlich gehyped. Wenn solche hohen Erwartungen geschürt werden, stellt sich immer die Frage, ob die Filme diese auch erfüllen können.

Inhalt von HEREDITARY

Die Handlung beginnt mit dem Begräbnis von der Mutter der Protagonistin Annie Graham. Die beiden hatten ein schwieriges Verhältnis und dementsprechend tut sich Annie schwer den Tod ihrer Mutter zu verarbeiten. Bald wird klar, dass Annies Problem mit der Verarbeitung der Trauer nicht das einzige Problem in der Familie ist.

Resümee zu HEREDITARY

Ein Film, der schon vor der eigentlichen Kinopremiere mit einem Klassiker wie DER EXZORZIST verglichen wird, hat es nicht unbedingt leicht. Bei derartigen Vergleichen wird eine sehr hohe Erwartung beim Publikum geweckt, die nicht immer erfüllt werden kann. HEREDITARY erfüllt diese Erwartungen vor allem nicht, weil er sich in eine komplett andere Richtung entwickelt und im Grunde nicht viel mit dem Werk von William Friedkin zu tun hat.

HEREDITARY ist vor allem eins: ein Familiendrama. Während der Handlung wird viel Zeit darauf verwendet die Charaktere und ihre Konflikte miteinander zu zeigen. Was zunächst wie eine glückliche Familie mit Trauerfall wirkt, entwickelt sich in eine tragische Familie, in der sich die Mitglieder zum Teil kein Stück vertrauen. Nach und nach werden den Zuschauer*innen Details gewahr, die das Chaos bei den Grahams sehr deutlich machen.

Der zweistündige Film hat ein langsames Erzähltempo, das erst zum Ende hin deutlich an Tempo aufnimmt. Zunächst wirkt dieses Tempo verwunderlich und man sitzt vor dem Fernseher und fragt sich, wann denn nun endlich etwas passiert. Aber im Nachhinein macht gerade die langsame und vorsichtige Erzählweise viel Sinn. Während des gesamten Filmes gibt es bereits Anspielungen auf das Ende, die man jedoch natürlich erst später versteht. Bis ganz zum Schluss ist nicht klar was HEREDITARY eigentlich will. Der Film lässt das Publikum ratlos dasitzen und das Geschehen verfolgen. Zwischendrin werden falsche Spuren gelegt und dann doch wieder weggefegt. Sieht man den Film ein zweites Mal, zeigen sich mit Sicherheit noch mehr Details und Hinweise, die man vorher gar nicht verstehen konnte. In dem Sinne ähnelt HEREDITARY eher Filmen wie HIGH TENSION (2003), die im Nachhinein noch einmal die komplette Handlung mehr oder weniger auf den Kopf stellen.

Die Machart von HEREDITARY ist sehr gut. Viele der Einstellungen lassen die Zimmer wie aus den Modellbauten von Annie wirken, und sind somit ein erster Hinweis darauf, dass die Geschehnisse innerhalb der Familie von Außen gesteuert werden. Der Soundtrack ist manchmal ein wenig zu dominant und fällt dann störend auf.
Die schauspielerischen Leistungen sind durchweg sehr gut. Vor allem Toni Collette kann die andauernde Abwärtsspirale, in der sich ihr Charakter befindet, ganz wunderbar verkörpern.

HEREDITARY ist nicht DER EXZORZIST dieser Generation. HEREDITARY ist ein sehr durchdachtes Familiendrama mit Horrorelementen, dass sich mit Trauer und dunklen Familiengeheimnissen beschäftigt. Der blanke Horror zeigt sich erst in den letzten Minuten des Filmes, der subtile Horror bereits über die gesamte Laufzeit.

Facebook Comments