Review: ES (1990)

 

 
Overview
 

Darsteller: Tim Curry, John Ritter, Richard Thomas, Harry Anderson, Dennis Christopher
 
Regie: Tommy Lee Wallace
 
Drehbuch: Lawrence D. Cohen
 
Länge: 180 min
 
Land: USA
 
Verleih/Vertrieb: Warner
 
Genre:
 
Bewertung
4.0
4.0/ 10


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Posted 9. Juli 2016 by

In den kommenden Monaten wird vieles über die Neu-Verfilmung oder besser gesagt Neu-Adaption von Stephen Kings ES geschrieben werden. Nachdem jahrelang die Gerüchte heiß liefen, zwischenzeitlich sogar ein Regisseur und Pennywise-Darsteller benannt wurden und alles wieder kippte, weiß man inzwischen, dass MAMA-Regisseur Andrés Muschietti die zwei neuen Filme übernehmen wird.

Darum soll es heute aber nicht gehen, sondern um das alte ES von 1990 mit Tim Curry in der Rolle des Killerclowns.

Inhalt:

Als sein Bruder und viele andere Kinder in Derry ermordet wurden, war Bill Denbrough noch ein Kind. Zusammen mit seinen Freunden, dem „Club der Verlierer“, stellte Bill damals den Mörder, ein uraltes Wesen, das bevorzugt in Form eines Clowns auftritt. Jahrzehnte sind seitdem vergangen und fast alle Freunde haben die Stadt verlassen und Karriere gemacht. Doch ein Anruf von Mike, der in Derry zurückblieb, bringt Bill und die anderen wieder zusammen…denn Pennywise der Clown ist zurück.

Ich weiß, dass ES viele von euch das Fürchten gelehrt hat und mir ging es nicht anders. In meinem Fall war es aber nicht das Film-ES, sondern das Buch-ES, wie King selbst es beschrieb.
Nun ist der Satz „Das Buch war aber besser“ ausgetreten wie ein paar Clownsschuhe, weswegen ich nicht zu sehr darauf herumreiten will, aber egal wie lange/oft man die 2-teilige Miniserie ansieht, es bleibt stets das Gefühl, dass die Macher dem Buch nicht gerecht wurden.

es pennywise
Dabei wurde im Ansatz vieles richtig gemacht, denn Drehbuchautor Lawrence D. Cohen schrieb bereits Jahre zuvor CARRIE zum Film und das bekanntermaßen sehr erfolgreich. Regisseur Tommy Lee Wallace ist ein Horrorkenner, der vorher mit FRIGHT NIGHT 2 und HALLOWEEN 3 Genrefilme drehte….die allerdings nicht zu den größten Perlen zählen.
Beide arbeiteten nach ES vor allem an TV-Produktionen und während das sicher die Rechnungen bezahlt, wollte in den 90ern noch niemand Budgets in der GAME OF THRONES- oder THE WALKING DEAD-Größenordnung fürs Fernsehen ausgeben. Und das ist eben auch ein Problem bei ES, der selbst TV-Film ist.

Zum einen bedeutet das, dass sich gewisse Szenen nicht zeigen lassen und dabei denke ich nicht einmal an die aus dem Buch bekannte Kindersex-Szene, die es für ein stimmiges Gesamtergebnis nicht unbedingt braucht, aber in ES sterben nun mal viele Kinder und Kinder haben in US-Produktionen optimalerweise zu überleben.
Stephen King kümmert das traditionell wenig (siehe FRIEDHOF DER KUSCHELTIERE), aber schon in CUJO wurde aus einem bösen Ende ein Happy End, als das Filmkind gerettet wurde, das im Roman starb.
Nichtsdestotrotz sterben in ES Kinder, auch in der Verfilmung, dort scheint man sie aber schon fast sanft einschlafen zu lassen, wirklich brutal geht es selten zu und das nimmt Pennywise einen Teil seines Schreckens.

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Tim Curry kann man dabei kaum einen Vorwurf machen, denn er spielt seinen Part stimmig, es drängt sich aber der Vergleich zu einem verspielten Freddy Krueger der späten NIGHTMARE-Filme auf, als dieser längst nicht mehr das bösartige Monster aus Teil 1 war. Ähnlich comichaft wirkt der Pennywise aus dem Film.

Ein anderes Problem ist der ungewöhnliche und ausufernde Schreibstil Kings, über den sich trefflich streiten lässt, der aber im Buch dafür sorgt, dass der Leser zum Mitglied des Clubs der Verlierer wird. In der Verfilmung hat man hingegen oft genug den Eindruck bei einer eingeschworenen Gemeinschaft am Tisch zu sitzen, die sich permanent Insider-Gags erzählen, die man selbst nicht kapiert. Das gute alte „Piep-Piep, Ritchie“ sei da nur stellvertretend genannt.
Hier ist es den Machern meist nicht geglückt den Zuschauer mit ins Boot zu holen, was entweder am überlangen Buch (>1000 Seiten), nicht genügend Laufzeit des Zweiteilers oder einer unglücklichen Erzählweise liegen mag.

Dass sich aufgrund der Romanlänge Kürzungen ergeben, war hingegen abzusehen und während die Rückblenden zu den letzten Aktivphasen von ES tiefere Einblicke in dessen Natur geben, sind sie doch verzichtbar. Und trotzdem bleiben viele sehenswerte Ereignisse, die Leser kennen, auf der Strecke.
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Unglücklich ist wohl auch die Wahl der Schauspieler, was wiederum auf ein Geldproblem zurückzuführen sein dürfte. Nein, nicht jeder der Akteure ist schlecht, aber auch nur selten gut. Wenn unsere Helden zum Beispiel erstmalig auf die gemeine Bande von Henry Bowers treffen und Gefahr in der Luft liegt, hat Bill ganz lässig die Hand in der Hosentasche….keine Körperhaltung, die man erwarten würde.

Oft gescholten wurde die Spinne am Ende des Films und das nicht zu unrecht, wobei man wohl sagen muss, dass es kaum denkbar ist, dem epischen Finale des Romans gerecht zu werden, der einem Trip in andere Sphären gleicht. Weiß der Teufel, was King damals alles genommen hat.
Es ist aber nicht nur die Spinne, die den Eindruck vermittelt, dass die Effekte in die Jahre gekommen sind, was nur zum Teil stimmt, denn sie wirkten auch schon bei Erscheinen von ES nicht allzu frisch.
Unterm Strich ist es aber genau das was diese Adaption von ES heute ausmacht: eine Mischung aus Alter, fehlendem Geld, fehlendem Talent und vermutlich auch fehlender Drehzeit.

Damit wir uns aber nicht missverstehen, ich behaupte nicht, dass die 90er-Verfilmung komplett überflüssig wäre, denn die Story um Kindheit, Verluste, Erwachsenwerden, Freundschaft, Ängste und Monster ist nun mal da und bietet ein wunderbares Grundgerüst, das mit nichts anderem vergleichbar ist und daher zu Recht ihre Befürworter hat.
Bleibt zu hoffen, dass die Neuverfilmung die Bestie zähmen kann ohne sie zahnlos wirken zu lassen.

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