Wenn man die 90er Jahre mit einem Film zusammenfassen mĂŒsste, wĂ€re THE CROW eine gute Wahl.
Das Werk fĂ€ngt den Zeitgeist dieser Epoche ein, was sicher auch an einem fabelhaften Soundtrack-Mix aus dunklen KlĂ€ngen der Alternative-, Grunge- und Elektro/Industrial-Ecke liegt. Er transportiert aber auch modische EindrĂŒcke seiner Zeit, ohne deswegen heute altmodisch zu erscheinen.
THE CROW entstand 1994 und konnte -nicht zuletzt wegen des tragischen Todes von Brandon Lee- schnell eine Fangemeinde anziehen. Mainstream war der Film trotz Fanartikeln wie Postern und Kalendern jedoch nie, was an der BrutalitĂ€t, vor allem aber der DĂŒsternis liegen könnte.
Inhalt:
Ein Jahr nachdem Eric Draven (Brandon Lee) und seine Verlobte Shelley von einer Gang brutal ermordet wurden, kehrt Eric noch einmal ins Reich der Lebenden zurĂŒck. Er ist unverwundbar und eine KrĂ€he zeigt ihm den Weg. Eric will Rache an den Mördern und Vergewaltigern ĂŒben.
Rache, Liebe, Trauer und Tod
Die Story ist simpel, aber basieren nicht viele gute Filme auf einer einfachen Begebenheit?
Die Geschichte entstand bereits Jahre vor der Verfilmung als Comic von James OÂŽBarr und kombiniert eine klassische Geistergeschichte mit modernem Racheepos. OâBarr verarbeitete in der Geschichte eine ganz reale persönliche Trauer und diese AuthentizitĂ€t ist auch dem Film ein StĂŒck weit anzumerken.
Die Welt, in die Eric zurĂŒckkehrt, ist in allen Belangen unfreundlich. Verfall und Gewalt dominieren das Bild der namenlosen Stadt (es wird nur kurz angedeutet, dass es sich um Detroit handelt; im Comic wird dies klarer) und stetiger Regen und Dunkelheit tun ihr Ăbriges.
Regisseur Alex Proyas zeichnete eine solch trostlose Umgebung, dass er sich wohl automatisch fĂŒr den Film mit dem bezeichnenden Titel DARK CITY qualifizierte, den er 4 Jahre spĂ€ter drehte.
Obwohl THE CROW viel Action enthÀlt, ist Eric Draven kein stumpfer Racheengel, sondern jemand, der zunÀchst verstehen muss, was geschehen ist, der unter dem Geschehenen leidet wie ein normaler Mensch, der aber auch anderen Hoffnung gibt und mit bitterem Sarkasmus daherkommt. Da auch die Geschichte von Eric und Shelley erzÀhlt wird, kratzt der Film an der Grenze zum Kitsch, kriegt aber stets die Kurve und liefert eine fantastische Mischung aus verschiedenen Genres.
Wie oben erwĂ€hnt ist der Tod von Brandon Lee unweigerlich mit dem Film verbunden. Der Hauptdarsteller wurde wĂ€hrend des Drehs von einer Kugel getötet, die eine Platzpatrone hĂ€tte sein sollen. Makaber: wie die Figur Eric Draven, wollte Lee in KĂŒrze heiraten; wie Draven starb auch er erst viel spĂ€ter im Krankenhaus. Dieser Umstand verschaffte dem Film einige Publicity, Ă€ndert aber nichts an der QualitĂ€tâŠund die ist hervorragend.
Wenn man ĂŒberhaupt etwas bemĂ€ngeln möchte, dann höchstens, dass im Comic die Gewalt noch sinnloser beschrieben und die Geschichte geradliniger erzĂ€hlt wird, wobei man auf Nebenfiguren wie das MĂ€dchen Sarah und Sergeant Albrecht, die im Film gewissermaĂen zu VerbĂŒndeten Erics werden, weitestgehend verzichtet und dafĂŒr dessen Schmerz mehr Platz einrĂ€umt.
Letztlich ist es aber Geschmackssache welche Schwerpunkte man bevorzugt.
THE CROW und das Remake, das keiner will
Immer wieder geht das GerĂŒcht um, dass der Film ein Remake erhalten soll und gerade mit Hinblick auf eine gröĂere NĂ€he zum Comic, muss das nicht per se ein schlimmer Gedanke sein.
THE CROW lebt aber auch von der echten Tragödie, die ihn trÀgt und so passend ist, dass man sie nicht duplizieren könnte.
Aber auch wenn man die tragisch-nostalgische Brille abnimmt, muss man betonen, wie treffend Lee Eric Draven verkörpert. Mal ist es ohnmÀchtige Trauer, dann lakonische Oneliner (selbst Poes DER RABE wird zitiert) oder kalte Rache. Lee spielt tatsÀchlich die Rolle seines Lebens, auch wenn diese ihn das Leben kostete.
So gesehen ist es wohl gut, dass alle bisherigen Versuche eines Remakes scheiterten.
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