Neuseeländische Horrorfilme haben eine lange Tradition, vermutlich denkt ihr aber zuerst an blutig-lustige Eskapaden wie BRAINDEAD oder DEATHGASM und nicht an eine schwere Aufarbeitung der Geschichte des Landes.
Dabei scheint es leider nur logisch, dass den Maori, ähnliche Grausamkeiten widerfuhren wie Ureinwohnern in Australien, Amerika und anderen Ländern, sobald die Europäer dort ankamen.
Die Handlung von MARAMA
Als die junge Mary Stevens einen Brief erhält, der ihr verspricht, dass sie erfahren könne, was mit ihrer Familie passiert sei, begibt sie sich 1859 auf eine lange Schiffsreise von Neuseeland nach Whitby in England. Als sie über zwei Monate später dort eintrifft, ist der Absender des Schreibens verstorben, doch sie wird von dessen Bruder freundlich in einem Herrenhaus empfangen.
Auch wird der Maori-stämmigen Frau Arbeit als Kindermädchen angeboten und sie bemerkt, dass dort auffallend großes Interesse an der Maori-Kultur besteht. Aber sie entdeckt auch dunkle Geheimnisse.

MARAMA wird als „Maori-Gothic-Rache-Horror” beschrieben, was nicht falsch ist, aber womöglich trotzdem ein falsches Bild vermittelt. Mary ist keineswegs ein wütender Racheengel, der nach England kommt, um frühere Ungerechtigkeiten zu sühnen und auch nur dieses brutale Ziel vor Augen hat. Sie ist auch ganz sicher keine Klischee-Wilde, die in traditioneller Maori-Tracht einläuft, sondern eine an damalige Sitten, Bräuche, Sprache und Kultur angepasste Frau auf der Suche nach Antworten.
Maori-Gothic im viktorianischen England – Stil und Atmosphäre
Ganz sicher ist MARAMA aber ein Film im Gothic-Stil. Das viktorianische England, die große Villa mit ihrer spärlichen Beleuchtung, die Klippen zur rauen See vermitteln traditionellen Schauer, ohne dass irgendetwas darüber hinaus geschehen muss.
Dazu kommt, dass schon DRACULA in Whitby spielte und Mary bzw. Darstellerin Ariana Osborne einige Mal an Lily Rose Depp im jüngsten NOSFERATU erinnert. Allerdings spielt Osborne natürlicher.
Mehr als Mystery und Stimmung gesteht uns MARAMA über weite Teile nicht zu, baut in diese schattige, britische Welt aber immer wieder Bilder der Maori-Kultur ein, die meist in Form von Träumen und kurzen Erinnerungen präsentiert werden. Währenddessen erfahren wir mehr über Marys Geschichte, meist wenn sie sich mit der kleinen Anne unterhält, um die sich kümmert.
Hierbei erfahren wir übrigens auch, dass Mārama Marys richtiger Name ist.

Leider versäumt der Film dennoch seinen Zuschauern mehr über die Maori und ihre Geschichte mitzugeben. Man darf davon ausgehen, dass jemand wie MARAMA-Regisseur und – Autor Taratoa Stappard, dessen Mutter Maori und dessen Vater Engländer ist und der in Neuseeland geboren wurde und heute in London lebt, bestens über historische Zusammenhänge informiert ist, das gilt aber nicht für die breite Masse.
Was MARAMA gelingt und was nicht
Es ist heute sicher ein Problem, dass Filmemacher übererklären, Stappard hält sich diesbezüglich vornehm zurück und so werfen auch andere Elemente wie eine skurrile englische Kostümparty oder ein Gefühlsausbruch von Mary, der den heute oft im Rugby anzutreffenden Haka-„Tanz“ der Maori nutzt, womöglich Fragen auf bzw. wirkt wie schlimmstes Overacting, obwohl ein Sinn dahintersteckt.

Und so steckt die Geschichte einerseits voll mit kulturellen Eigenheiten, die sich nicht selbst erklären, andererseits mit Andeutungen, die auch nicht unmittelbar verständlich sind.
Das wäre weniger tragisch, wenn Stappard berücksichtigen würde, für jedes neue Geheimnis ein altes zu entwirren. Es mag aber der Unerfahrenheit des Langfilm-Debütanten geschuldet sein, dass der Film Mysterien und Fragen sammelt und erst am Ende alles auf den Tisch legt. Dort wirkt die Geheimniskrämerei leider banaler als erwartet. Das große Aha bleibt aus und als Zuschauer merkt man womöglich, dass ein oder zwei Geschichtsstunden fehlten, um besser in die MARAMA-Welt eintauchen zu können.
Aus der Sicht des Horror- und Gruselfans lässt sich festhalten, dass MARAMA eindeutig ein Slow-Burner ist, der weder durch laute Jumpscares noch ausufernde Gewalt auffällt und erst im letzten Filmdrittel ruppiger wird. Ein paar Parallelen zum australischen NIGHTINGALE sind durch die Beziehung zwischen Ureinwohnern und englischer Kolonialzeit zwar vorhanden, dieser war jedoch deutlich physischer.
Fazit zu MARAMA
MARAMA glänzt durch seine Bilder und die daraus entstehende Stimmung. Erzählerisch ist aber Luft nach oben und man wird den Eindruck nicht los, dass Regisseur/Autor zu viel als bekannt vorausgesetzt hat, während der eigentliche Plot mehr Dichte hätte brauchen können.
Kombiniert mit seiner ohnehin ruhigen Erzählweise ist MARAMA kein Mainstreamwerk, auf dem ein oder anderen Festival aber gut aufgehoben.
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FAQ
Was ist MARAMA (2025)?
MARAMA ist ein neuseeländischer Gothic-Horrorfilm, der im Jahr 1859 spielt. Eine Maori-stämmige Frau reist von Neuseeland nach Whitby in England, um Antworten über ihre Familie zu finden – und stößt dort auf dunkle Geheimnisse in einem viktorianischen Herrenhaus.
Wer steckt hinter MARAMA (2025)?
Regie und Drehbuch stammen von Taratoa Stappard, dessen Mutter Maori und dessen Vater Engländer ist. Es ist sein Langfilm-Debüt. Die Hauptrolle spielt Ariana Osborne.
Ist MARAMA ein Horrorfilm für ein breites Publikum?
Nein. MARAMA ist ein langsamer Slow-Burner ohne laute Jumpscares oder ausufernde Gewalt. Erst im letzten Filmdrittel wird der Film ruppiger. Er richtet sich an Fans von Gothic-Horror und atmosphärischem Arthouse-Kino.







