KEEPER wurde von Osgood Perkins gedreht und ist nach LONGLEGS und THE MONKEY bereits sein dritter Film in 15 Monaten.
Bemerkenswert dabei ist, dass die drei Filme zwar alle dem Horror-Genre zugeordnet werden können, aber sicher nicht zu verwechseln sind.
Wo LONGLEGS ein paar DAS SCHWEIGEN DER LÄMMER-Vibes versprühte und THE MONKEY mit feinen Kills und Humor a la FINAL DESTINATION punktete, ist KEEPER wieder anders.
Wie? Lest selbst…
Wovon handelt KEEPER?
Liz und Malcolm sind seit einem Jahr ein Paar. Zu diesem Jubiläum wollen die beiden Zeit in seinem Ferienhaus in den Wäldern verbringen.
Doch dort erhalten sie nicht nur unangemeldeten Besuch von Malcolms rüden Cousin und seiner Begleitung, Liz hat auch eigenartige Träume in dem Anwesen und als Malcolm, der Arzt ist, am nächsten Tag unerwartet in die Klinik muss, bleibt Liz alleine zurück…
KEEPER stammt von der Produktionsfirma NEON, die seltsamerweise bisher weniger bekannt ist als etwa A24, aber für ähnlich anspruchsvolle Genrefilme stehen.
Daher muss man sich von der klischeebeladenen Waldhütte auch nicht abschrecken lassen und unser Paar sind keine geilen Teens mit flotten Sprüchen, sondern erwachsene Menschen (die Schauspieler Tatiana Maslany und Rossif Sutherland haben beide die 40 überschritten).
Das heißt aber auch, dass sich ihre Beziehung auf eine Weise verkompliziert, über die man auf der High School nicht nachdenkt und als Malcolm zurück in die Stadt fährt und Liz mit einer Freundin telefoniert, wächst in ihr der Verdacht, dass sie nur seine Geliebte sein könnte und er eine Familie hat.
Die Hauptfiguren sind somit fürs junge Publikum womöglich zu wenig nahbar und auch die Geschichte kracht nicht mit der Tür ins Haus, sondern entfaltet sich langsam.

Ein „Keeper“ kann im Englischen vieles sein, kann jemanden beschreiben, der etwas hält oder aufbewahrt oder sich um etwas kümmert, bezeichnet aber in einer Beziehung auch jemanden, der es wert ist behalten zu werden. Da bleibt die Frage, ob Liz für Malcolm ein solcher Keeper ist, was zur Beziehungsthematik passen würde, oder das Wortspiel doch etwas anderes meint.
Natürlich geht es hierbei um mehr und während wir an dieser Stelle nicht spoilern wollen: das Foreshadowing im Film ist eklatant. Wenn da bei Ankunft im Ferienhaus ein Kuchen auf dem Tisch steht, dessen Verpackung Fingerspuren aufweisen, die sowohl von Schokolade stammen könnten (was nicht sehr appetitlich wirkt), aber auch getrocknetes Blut darstellen könnten (was noch weniger appetitlich wirkt), ist viel über Kuchen und Film gesagt.
Und da im Miteinander zwischen Liz und Malcolm immer etwas „off“ wirkt, stellt man sich zudem auch schnell die Frage, was denn da gerade nicht stimmt.
Selbst nach dem Film bin ich unschlüssig, ob die beiden Hauptdarsteller, die grundsätzlich wie anständige Schauspieler wirken, nur auf Regieanweisung hin keine Chemie aufbauten, sie sich wirklich nicht ausstehen konnten oder das Thema in Schnitt und Story danebenging.
Jedoch ist gerade Liz anzumerken, dass sie sich glücklicher gibt, als sie offenbar ist und auch bereit ist gute Mine zum bösen Spiel zu machen (etwa als der Cousin vorbeischaut), unklar bleibt aber, woran das liegt.

Grusel für Erwachsene…Effekte für Vorschüler
Osgood Perkins ist einer, der Stimmung beherrscht, aber sich immer etwas schwer tat mit der Geschichte auf den Punkt zu kommen. Die Fähigkeit die Geschichte, die er zweifelslos im Kopf vollständig vorliegen hat, auch dem Zuschauer zu vermitteln, zählte nie zu seinen Stärken.
Nachdem Perkins im Normalfall die Bücher für seine Regiearbeiten selbst schrieb, hat man ihm für KEEPER den Autor Nick Lepard zur Seite gestellt. Der ist zwar recht unerfahren, hat mir DANGEROUS ANIMALS aber einen stattlichen Einstand gegeben.
Doch leider fruchtet die Zusammenarbeit nur bedingt, denn während Perkins die Atmo etwas runterfährt (schade), bleiben Charakterzeichnung und Storytelling Mittelmaß und Fragen offen.
Dafür, dass sich der Aufbau des Films lange hinzieht und man als Zuschauer aber schon früh Hinweise in großen Brocken hingeworfen bekommt ist die Auflösung zu dünn. Meine Hoffnung war, dass die Filmemacher genau damit spielen und dann etwas anderes bringen, aber auch wenn sich natürlich nicht jedes Detail vorhersehen lässt, entsprach KEEPER am Ende dem, was sich nach 25-30 Minuten abzeichnet.

KEEPER tut geheimnisvoll, packt aber früh aus
SPOILER:
Wenn man LONGLEGS als Perkins DAS SCHWEIGEN DER LÄMMER sehen will, ist KEEPER sein LAST NIGHT IN SOHO. Sicher das Setting ist gänzlich anders, nämlich weniger originell, die Geistergeschichte beherbergt in Art und Weise aber eine Verwandtschaft und auch das Intro mit dem 50er-Jahre-Hit „Love is strange“ erinnert dezent daran.
Den Zuschauer selbst denken zu lassen, geht bei großen Produktionen, die dir alles vorkauen, gerne verloren. KEEPER umgibt sich hingegen mit vielen Andeutungen, die aber auch nach dem finalen Zusammensetzen des Puzzles Fragen offenlassen. So sehen wir etwa einen Kill, der erahnen lässt, dass die Geister über gewaltige physische Kräfte verfügen, während andere Filmteile dem widersprechen.
Spoilerende
Das Budget von KEEPER betrug um die 6 Millionen $, was sicher keine Unsumme, aber auch kein Low Budget ist, zumal Cast und Location überschaubar bleiben. Der Film bietet dann auch Professionalität, fängt Szenen stimmungsvoll ein, verfügt aber auch über Effekte, die manchmal passend creepy wirken, wie man es sich von einem solchen Werk erhofft; manchmal deplatziert und unfreiwillig komisch erscheinen, wie etwa ein Geisterwesen mit unnatürlich langem Giraffenhals.
Und auch die miese CGI-Schlusszene (Stichwort Honig) hätte sich zweifelsohne eleganter inszenieren lassen.
Fazit zu KEEPER
Auch wenn im Text viel Kritik zu lesen war, ist KEEPER ein passabler Film, der aber trotz Autorenverstärkung einmal mehr die Schwächen eines Osgood Perkins aufzeigt, erzählerische Lücken offenlässt und teils lachhafte Effekte nutzt.
Übrigens: egal, wie ihr über den Film urteilt, es wird euch hinterher auffallen, dass der folgende Trailer irreführend wirkt.










