HAD I NOT SEEN THE SUN ist eine taiwanesische Serie auf Netflix und bevor man sich in die zehn Episoden stürzt, sollte man wissen, dass die Serie in zwei Teile geteilt ist und die letzten Episoden erst Anfang Dezember veröffentlicht werden. Wer die Geschichte um den charismatischen Serienmörder Li Jen Yao und seine Jugendliebe Chiang Hsiao Tung in einem Stück sehen möchte, sollte sich bis zum 11. Dezember gedulden.
Genremäßig ist die Serie eine Mischung aus Drama, Krimi und Mystery, wobei der dramatische Anteil in den ersten zehn Episoden deutlich überwiegt. Das als kleine Vorwarnung für alle, die eine Serie mit Fokus auf die Morde des Serienmörders erwarten.

Inhalt von HAD I NOT SEEN THE SUN
Die Assistentin einer kleinen Filmproduktionsfirma wird zu einem zum Tode verurteilten Serienmörder geschickt, um ihn zu einer Dokumentation über seine Morde zu bewegen. Chou Pin Yu ist von dem charismatischen Li Jen Yao nachhaltig beeindruckt. Kurz nach dem Besuch erscheint ihr ein Schulmädchen in ihren Träumen, das eine Verbindung zu dem Verurteilten zu haben scheint. Nach und nach erfährt Pin Yu mehr über deren gemeinsame Vergangenheit, was nicht ohne Folgen bleiben soll.
Resümee zu HAD I NOT SEEN THE SUN
Der Einstieg von HAD I NOT SEEN THE SUN ist gut gelungen und weckt das Interesse an der weiteren Handlung. Man lernt Pin Yu und Jen Yao kennen, die sich gegenseitig nur recht kurz sehen, wie das bei einem Besuch im Gefängnis zu erwarten ist. Es gibt ein paar Einblicke in die Taten von Jen Yao und man möchte mehr zu den Hintergründen der Morde erfahren, vor allem nachdem man den oft schelmisch wirkenden Täter das erste Mal gesehen hat. Die brutalen Morde wollen auf den ersten Blick nicht zu dem jungen Mann passen, allerdings haben wir beispielsweise durch Ted Bundy gelernt, dass der Schein oft trügt und auch der freundlich Lächelnde ein Serienmörder sein kann.

Die Handlung dreht sich um die Frage, weshalb die vielen Leute ermordet wurden, und um diese zu beantworten, arbeitet die Serie vor allem mit Rückblenden. Diese werden zunächst in Träume und Visionen von Pin Yu eingebettet, allerdings gibt es schnell ganze Episoden, die nur in der Vergangenheit spielen und Jen Yao zur Schulzeit zeigen. Diese Rückblenden sind sehr ausufernd und, wenn man ehrlich ist, könnte sehr viel von deren Inhalt zusammengekürzt werden. Es geht vor allem um die Beziehung von Jen Yao zu der ambitionierten Ballerina Chiang Hsiao Tung und wie diese sich entwickelt hat. Hierbei wird sehr ins Detail gegangen und dadurch entstehen Längen. In HAD I NOT SEEN THE SUN passiert lange Zeit sehr wenig, so dass vor allem die drei letzten Episoden wie ein Schlag in den Magen sind, denn da passieren die Dinge, die zu den späteren Morden führen. Hier ist das Geschehen sehr überzeugend und düster dargestellt, so dass man sich hervorragend in die Charaktere hineinfühlen kann. Allerdings dürften viele Leute schon vorher abgeschaltet haben, denn die Handlung davor plätschert vor sich hin und bietet wenig Spannung. Ganz genau genommen hätte die wirklich relevante Geschichte sicherlich in höchstens zwei Stunden erzählen können.
Handwerklich ist HAD I NOT SEEN THE SUN gut umgesetzt. Einzig die stets dramatische Musik dürfte für westliche Sehgewohnheiten etwas deplatziert wirken. Allerdings gewöhnt man sich an diese Art der Musikuntermalung.
Die Besetzung ist gut gewählt und vor allem die beiden Hauptrollen sind mit Moon Lee und Tseng Jing Hua überzeugend gewählt.
Im ersten Teil der Serie gibt es nicht übermäßig viel Gewalt zu sehen, aber was man sieht, ist handwerklich vollkommen in Ordnung.
Alles in allem ist HAD I NOT SEEN THE SUN durchwachsen. Zu Beginn und Anfang ist Spannung da, die aber in den sechs anderen Episoden zum größten Teil vollkommen abhandenkommt. Es bleibt zu hoffen, dass der zweite Teil der Serie näher auf die Morde eingeht und die offenen Fragen klärt.
Leider ist ein Trailer auf Deutsch oder Englisch nicht zu finden, auf Netflix kann man die Episoden aber mit Untertiteln schauen.










