HAD I NOT SEEN THE SUN ist eine taiwanesische Serie von Netflix, die in zwei Teilen mit je 10 Episoden veröffentlicht wurde. Sie handelt von dem Serienmörder Li Jen Yao, der bereits sechs Jahre auf seine Hinrichtung wartet und über den eine Dokumentation gedreht werden soll. Eine junge Assistentin der Produktionsfirma scheint eine besondere Verbindung zu dem Verurteilten zu haben und soll das Interview führen. Während der Vorbereitungen beginnt sie, Halluzinationen von einem Schuldmädchen zu haben, und glaubt, von einem Geist heimgesucht zu werden. Durch das Schulmädchen erfährt sie von der Verbindung zwischen Jen Yao und eben diesem Schulmädchen.
Wie bereits in dem Review zu den ersten 10 Folgen angemerkt, handelt es sich bei HAD I NOT SEEN THE SUN um ein Drama mit Einflüssen von Thriller und Mystery. Aber der Vollständigkeit halber folgt hier trotzdem das Review zu Teil 2.
Inhalt von HAD I NOT SEEN THE SUN Teil 2
Der zweite Teil der Serie startet direkt dort, wo Teil 1 aufgehört hat: Li Jen Yao schlägt sich nach seiner Haftstrafe in Taipeh durch und trifft auf eine blinde Radio-Moderatorin, die ihn stark an seine Jugendliebe Chian Hsiao Tung erinnert. Während er sie näher kennenlernt, stößt er auf eine düstere Wahrheit und beginnt seine Rache, wegen welcher er in der Gegenwart auf seine Hinrichtung wartet.
Resümee zu HAD I NOT SEEN THE SUN Teil 2
Teil 2 des Dramas mit Thriller-Einlagen bleibt sich selbst treu: Es gibt haufenweise Flashbacks und die allgemeine Stimmung ist düster und passt zu den vielen regnerischen Tagen in HAD I NOT SEEN THE SUN. Genau genommen sind die 10 Episoden eine riesige Rückblende, denn es gibt kaum einen Moment in der Gegenwart. Diese Entscheidung sorgt erneut dafür, dass sich kaum Spannung entwickelt. Auch in den letzten zehn Folgen der Serie liegt der Fokus wieder mehr auf den dramatischen und romantischen Anteilen der Geschichte. Die Morde von Jen Yao werden zwar gezeigt, sind auch gut umgesetzt, nehmen aber deutlich weniger Raum ein, als man hofft.
Die Handlung erinnert im weiteren Verlauf immer mehr an eine Telenovela, vor allem was die Absurdität der Wendungen angeht Es gibt Operationen zum Verändern des Aussehens und auch dissoziative Identitätsstörungen dürfen nicht fehlen.
HAD I NOT SEEN THE SUN wirft wichtige Themen auf, wie die Unantastbarkeit gewisser Menschen, auch wenn sie höchst kriminelle Dinge tun, oder die Folgen von Trauma. Allerdings wird die Machart der Serie ihnen nicht gerecht. Alles wird ins Extrem getrieben, so dass es beinahe wie eine Parodie wird. Vor allem der „Bösewicht“ Ouyang Ti sticht hier negativ hervor. Er wirkt dermaßen erratisch in seinem Verhalten, dass man ihn kaum ernst nehmen kann, obwohl er abscheuliche Dinge getan hat und weiterhin tut. Teilweise mag es hier an Overacting liegen, aber da nicht alle Charaktere so sind, fällt es trotzdem negativ auf.
Obwohl sich die Geschichte darum dreht, weshalb Jen Yao die Morde begangen hat, geht es erstaunlich wenig um die Morde. Die Hintergrundgeschichte steht komplett im Fokus und die Morde sind vielmehr ein Beiprodukt der Rache. Im Grunde handelt es sich um eine ziemlich komplizierte Liebesgeschichte, die ein paar grausige Szenen beinhaltet.
Vom Handwerklichen her ist HAD I NOT SEEN THE SUN kompetent umgesetzt. Der überdramatische Soundtrack gepaart mit viel Slow Motion ist gewöhnungsbedürftig, ist aber in dieser Art von Serie Standard. Ab und zu fragt man sich, weshalb die Straßen in den Städten so leer sind und oftmals nur Jen Yao und Hsiao Tung an Orten sind, die seltsam unbelebt wirken.
Bis auf das bereits erwähnte Overacting ist die Besetzung gut gewählt und kann mit ihrer Arbeit überzeugen.
Alles in allem ist Teil 2 von HAD I NOT SEEN THE SUN die perfekte Fortführung von Teil 1. Allerdings bleiben dieselben Schwächen bestehen: Es fehlt an Spannung, der Fokus liegt auf der dramatischen Hintergrundgeschichte und einer romantischen Beziehung. Dazu kommt, dass einige der Wendungen wie aus einer südamerikanischen Telenovela entsprungen scheinen und ziemlich übertrieben wirken. Wer ostasiatische Dramen mag, könnte seine Freude an der Serie haben, den meisten anderen dürfte sie deutlich zu langatmig sein.
Leider ist weiterhin kein Trailer auf Deutsch oder Englisch verfügbar, aber die deutschen Untertitel gibt es auch in Teil 2.












