Erwartungen sind oftmals schwierig und eine Garantie für Enttäuschung, wenn es um Filme geht. Wenn man nun also einen Film schaut, der von OLDBOY-Regisseur Park Chan-wook stammt und als Genre-Bezeichnung neben Drama und Mystery auch Thriller trägt, würde man nicht einen Film wie DIE FRAU IM NEBEL erwarten. Der Film ist schwer klar einem Genre zuzuordnen, so dass alle genannten Genres zwar passen, aber die Richtung des Inhalts schwerlich wiedergeben.
DIE FRAU IM NEBEL ist 2022 erschienen und hat im folgenden Jahr einige Nominierungen und Gewinne auf verschiedenen Filmfestivals einsammeln können, beispielsweise die Goldene Palme aus Cannes für Beste Regie. Auch bei verschiedenen Kritiker*innen kam die Mischung aus Drama, Thriller und Romanze gut an. Aber wir bei Thrill & Kill bilden uns ja gern eine eigene Meinung und die könnt ihr im Folgenden lesen.

Inhalt von DIE FRAU IM NEBEL
Kommissar Jang Hae-joon soll in Busan den Tod eines Bergsteigers untersuchen, der am Fuße eines Berges aufgefunden wurde. Schnell gerät die chinesische Ehefrau des Toten, Song Seo-rae, in den Fokus der Ermittlungen. Song hat jedoch für jedes verdächtige Indiz eine überzeugende Erklärung und außerdem ein Alibi für den Zeitpunkt. Der Kommissar beginnt, die Verdächtige zu beschatten, und steigert sich in eine Obsession hinein.
Resümee zu DIE FRAU IM NEBEL
Wer sich von DIE FRAU IM NEBEL einen knallharten Thriller mit viel Spannung erhofft, dessen Erwartung wird enttäuscht werden. Die Handlung wird innerhalb von 138 Minuten erzählt und bei so viel Laufzeit ist der ein oder andere etwas langwierige Moment vorprogrammiert. Wie bereits zu Beginn erwähnt, können Erwartungen stets zu Enttäuschungen führen und dieser Film ist dafür ein gutes Beispiel. Dabei handelt es sich bei DIE FRAU IM NEBEL keinesfalls um einen schlechten Film, nur dürfte er nicht dem entsprechen, was man bei einem Mystery-Thriller erwartet. Im Grunde erzählt der Film die romantische Verbindung zweier Menschen, die durch tote Menschen zusammen geführt wurden. Und darauf muss man sich einlassen können, wenn man eigentlich etwas anderes erwartet hat.
DIE FRAU IM NEBEL ist ein ästhetischer Film. Jedes kleine Detail im Szenenbild sitzt und jede Kameraeinstellung wirkt perfekt geplant. Es ist eine Menge Arbeit in das Werk geflossen und so ist es kein Wunder, dass er auf Filmfestivals zum großen Teil gut ankam. Immerhin sitzen dort diejenigen, die den Film als Kunstwerk schätzen. Und ein Kunstwerk ist Parks Erzählung definitiv. Selbst die toten Männer scheinen noch auf ansehnliche Art und Weise positioniert worden zu sein. Auch die Dialoge fließen angenehm dahin und es macht Spaß, sich die gemeinsame Zeit von Hae-joon und Seo-rae anzusehen. Zum Ende hin ist wunderbar herausgearbeitet, dass beide der Personen mit Obsessionen zu kämpfen haben und dies das Grundthema des Films ist.

Aber: So schön DIE FRAU IM NEBEL ist, leider geht die anfängliche Spannung schnell verloren. Während die ersten 30 Minuten schnell vergehen mit dem Fund des Toten, den Recherchen der Polizei und dem Verhören von Seo-rae, beginnt sich die Handlung danach in die Länge zu ziehen. Es gibt viele Szenen zwischen dem Kommissar und der Verdächtigen, die zwar an sich angenehm gestaltet sind, aber die Geschichte nur minimal voranbringen und ab und zu auch zu Stirnrunzeln führen dürften. Es wird nicht direkt problematisiert, dass sich der Ermittler auch privat mit der Hauptverdächtigen trifft, obwohl dies sicher auch in Südkorea gesellschaftlich verpönt, oder sogar verboten ist.
DIE FRAU IM NEBEL ist schwierig zu bewerten. Der Film ist gut gemacht und sehr detailreich. Die Geschichte an sich ist auch interessant, allerdings nicht unbedingt als spannender Mystery-Thriller geeignet. Die Beziehung zwischen dem Kommissar und der Verdächtigen steht komplett im Fokus, so dass es eher ein Romantikfilm mit etwas Mord und Polizeiermittlungen in der Nebenhandlung ist. Wer also auf einen spannenden Thriller hofft, wird definitiv enttäuscht. Wer sich auf langsame Erzählweise und mehr Romanze einlassen kann, sollte DIE FRAU IM NEBEL eine Chance geben.











