Diesem Artikel müssen wir eine Warnung vorausschicken. Auch wenn bei Thrill & Kill meist das drin ist was draufsteht, enthält THE ASSESSMENT weder das eine noch das andere.
Das heißt aber nicht, dass ihr euch den Film entgehen lassen solltet.
Wovon handelt THE ASSESSMENT?
In einer nicht allzu entfernten Zukunft leben Mia und Aaryan in einem Haus am Meer. Auf den ersten Blick scheint es ihnen gut zu gehen. Mia ist Biologin, Aaryan erschafft virtuelle Haustiere. Die beiden wünschen sich ein Kind, doch das ist nicht mehr so einfach. Jedes Paar, das Nachwuchs will, muss sich zuvor einer 7-tägigen Bewertung unterziehen. Hierfür schickt die Regierung eine Frau namens Virginia zu den beiden und die hat eigenwillige Methoden.
THE ASSESSMENT wirft uns in eine Welt, die zwar durch ein steril wirkendes Haus und eine karge Landschaft auffällt, die aber ansonsten wenige dystopische Auffälligkeiten zeigt.
Erst nach und nach entblättert der Film, dass zwischen unserer und seiner Welt einiges vorgefallen sein muss, überlässt es aber meist dem Zuschauer die Puzzleteile zu platzieren.

Beispielsweise sind die Berufe unseres Paars aus der Not geboren, denn wir erfahren, dass es eine Zeit gab, in der Haustiere gekeult wurden und der Klimawandel eine drastische Ernährungsumstellung erforderlich machte.
Keine Sorge, selbst wenn du ein Klimawandelleugner bist, drückt der Film dir keinen moralischen Zeigefinger unter die Nase, sondern beschäftigt sich mehr mit sozialen und zwischenmenschlichen Fragen.
Dass das Paar persönliche Fragen beantworten oder Aaryan eine Spermaprobe abgeben muss, während Virginia zuschaut, scheint anfangs herausfordernd, doch die Beamtin beginnt rasch noch drastischere Register zu ziehen.

So verhält sie sich plötzlich selbst wie ein Kind und prüft damit schnell wie bereit die potentiellen Eltern für diese Rolle sind. Diese kommen erwartungsgemäß rasch an ihre Grenzen, gehen aber unterschiedlich mit der Situation um und während das Stresslevel steigt, scheint sich doch auch eine Bindung zu dem gespielten Kind zu entwickeln.
Die Supernanny und SYSTEMSPRENGER in einer Person
An dieser Stelle ist das glaubwürdige und vielseitige Schauspiel der drei Figuren zu erwähnen, die in weiten Teilen des Films auch die einzigen Personen sind, die wir zu Gesicht bekommen.
Alicia Vikander (EX MACHINA, THE GREEN KNIGHT) spielt Virginia und variiert zwischen unterkühlter Supernanny-artiger Beobachterin, Problemkind und einigen weiteren Charakterzügen, die man aber besser selbst erkundet.
Elizabeth Olsen (WIND RIVER, RED LIGHTS) ist Mia und die Figur wirkt mit der Situation oft überfordert, reagiert emotional und fühlt sich durch die Begutachtung sichtlich unter Druck gesetzt. Aaryan, gespielt von Himesh Patel (TENET, DON’T LOOK UP) ist hingegen der kühlere, analytische der beiden.
Bei der Unfähigkeit, die viele Eltern hinsichtlich des Nachwuchses in der realen Welt an den Tag legen, wirkt dieser Elternführerschein, den der Film uns vorstellt, wie eine ausgezeichnete Idee. Er liefert im Laufe der knapp zwei Stunden Laufzeit aber auch rasch die Antwort, weswegen das was wir hier gezeigt bekommen, nicht funktionieren kann.

Übrigens, trotz der ruhigen Art, der wenigen Person und Locations wirkt die Dauer nicht zu lange, denn immer wieder erzählt uns THE ASSESSMENT mehr über diese Welt, bzw. spricht auch von einer „alten Welt“, in die Mias Mutter geschickt wurde.
Und damit entsteht immer weiter der Eindruck, dass jene schöne neue Welt, die uns vorgestellt wird, auf vielen Ebenen zwar eine relativ angenehme Form der Endzeit darstellt und hier ganz sicher keine MAD MAX – Horden kontrahieren, unter der Oberfläche aber vieles im Argen liegt und die Regierung erheblich in das Leben der Menschen eingreift.
Welche Regierung das ist, bleibt allerdings rätselhaft und spielt zudem keine Rolle. Wen es aber interessiert: THE ASSESSMENT ist eine US-britisch-deutsche Koproduktion und gedreht wurde auf der kargen Insel Teneriffa.
Fazit zu THE ASSESSMENT
Science Fiction geht auch ohne Außerirdische, Raumschiffe und viele Effekte, sondern als reines Drama, das aber klug vorgetragen wird. Dass der Film hier und da die Kategorisierung Thriller erhielt, wirkt wie eingangs erwähnt nicht ganz passend, ist andererseits aufgrund der gespürten Dystopie und der strammen Erzählweise nachvollziehbar.
Sofern man mit der richtigen Erwartungshaltung an THE ASSESSMENT herantritt, bekommt man einen gut gespielten Ensemble-Film zu sehen, der zum Nachdenken anregt, ohne dabei sonderlich auf intellektuell zu machen.
Hier kannst du THE ASSESSMENT ansehen











