Der simpel SLEEP betitelte Film beschäftigt sich natürlich auch mit Schlaf und dieser ist im Horrorfilm immer wieder ein Thema. Die Mischung aus möglichen Alpträumen und der Tatsache, dass wir alle früher oder später einschlafen, macht den nächtlichen Schlummer für jeden greifbar.
Über Freddy Krueger muss kein Wort mehr verloren werden, in den letzten Jahren spielte in Filmen wie INSIDIOUS, MARA oder NIGHTMARE – SCHLAF NICHT EIN! Schlafparalyse eine Rolle, der koreanische SLEEP geht aber noch einmal einen anderen Weg.

Wovon handelt SLEEP?
Soo-jin ist schwanger und erwartet bald ihr erstes Kind. Aber nicht sie ist es, die eine ungewöhnliche Phase durchläuft, sondern ihr Mann Hyun-su. Der redet eigenartige Dinge im Schlaf und neigt zum Schlafwandeln.
Soo-jin möchte ihm helfen, muss aber erkennen, dass das Phänomen nicht nur störend, sondern für sie und das Kind gefährlich ist.
Wie schon erwähnt, ist Schlaf deswegen ein so dankbares Thema, weil er jeden angeht. Auch einen Partner, dem/der man vertraut haben viele und im besten Fall ist ein gelegentliches Schnarchen von der anderen Bettseite das schlimmste, was die Beziehung stört. Was aber, wenn dieser bei Tag geliebte Mensch die Nachtruhe durch verstörendes Verhalten zerstört?
SLEEP geht dieser Frage auf unaufgeregte Weise nach. Leider kann man sich ausmalen, dass die Herangehensweise für ein US-Remake interessant ist und eines Tages durch viele Dumbscares ausgeblasen wird. Noch ist es aber nicht soweit und Jason Yu, der Regie führte und auch das Buch schrieb, rollte seine Geschichte mit südkoreanischer Nüchternheit aus.

Das gilt für das gewöhnliche Apartmenthaus in dem ein Großteil der Handlung abläuft, die Einrichtung, die Figuren. Alles scheint so unauffällig, dass auch dadurch eine gewisse Nähe beim Zuschauer hergestellt wird und umgekehrt wird man nicht durch eine fancy 14-Zimmer-Villa mit Blick auf ein nationales Wahrzeichen abgelenkt. Diese Zurückhaltung in der Darstellung und Erzählung ist aber zweifelsohne eine Geschmacksfrage, denn das larger than life – Gefühl fehlt dadurch.
Und somit verlässt sich Yu auf seine Geschichte, die spätestens dann an Fahrt aufnimmt, als (kleiner Spoiler) dem Hund des Paares etwas zustößt und klar wird, dass Hyun-su verantwortlich ist. Besuche beim Arzt sind die Folge und letztlich kommt auch ein Medium zum Einsatz, aber verständlicherweise fühlt sich Soo-jin mit ihrem Partner nicht mehr sicher.
SLEEP lässt dabei lange die Frage offen, ob Hyun-sus Verhalten aus körperliche, psychologische oder übernatürliche Ursachen zurückzuführen ist. Diese Vorgehensweise sieht man sonst öfters in spanischen Filmen, funktioniert aber auch in Asien und sorgt dafür, dass SLEEP seine Spannung aus ungewöhnlichen Ecken zieht. Da dadurch auch allzu offensichtliche Klischees umschifft werden, lässt sich stets schwer vorhersagen, was in den nächsten Minuten geschehen wird…und wer sicher ist.

Der Film hat somit einiges was für ihn spricht, aber es ist Jason Yu dann doch auch anzumerken, dass dies sein erstes Drehbuch und seine erste Regiearbeit ist und er verpasst leider etwas der an sich spannenden Geschichte die richtige Dosis Pfeffer beizufügen, die den Betrachter nicht nur bei der Leine hält, sondern ihn immer mehr hineinsaugt und dann komplett einschnürt.
Stattdessen nimmt er in der zweiten Hälfte manchmal Tempo raus, wo ein Tritt aufs Gaspedal gut getan hätte, was die Spannungskurve nicht nach oben zeigen, sondern vergleichsweise gleichförmig verlaufen lässt. Und so fällt auch der Showdown relativ behäbig aus, wodurch am Ende weder des Gefühl eines mächtigen Happy Ends noch einer bitteren Niederlage zurückbleibt.
Schwerer Spoiler: was man dem Film in jedem Fall lassen muss. Der hier durchgeführte „Exorzismus“ gestaltet sich lobenswerterweise anders als man das in viel zu vielen Filmen schon gesehen hat. Spoilerende
Fazit zu SLEEP
SLEEP lief vor seinem regulären Erscheinen auf diversen angesehenen Festivals und das gibt oft schon den Hinweis, dass er ein bestimmtes Publikum besser bedient als den Mainstream.
Wer sich hardcore gruseln will, sollte sich daher besser wo anders umschauen, wohingegen Filmfans, die den üblichen Grusel-Einheitsbrei schon lange satt haben, SLEEP anschauen sollten.
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