DOLLY ist ein Horrorfilm mit Seann William Scott, den viele sicher noch als Stiffler aus der AMERICAN PIE-Reihe, aber womöglich auch aus BECKY 2 oder BLOODLINE kennen.
Ihm Gegenüber steht Puppe Dolly, die anders als Annabelle oder Chucky nicht nur Boshaftigkeit, sondern auch Kraft mitbringt.
Die Handlung von DOLLY
Macy und ihr Freund Chase begeben sich auf eine Wanderung in ein abgelegenes Waldgebiet. Als sie inmitten der Wildnis auf eine Sammlung von Puppen stoßen, die dort zahl- und detailreich drapiert sind, ist das zwar ungewöhnlich, wirklich grotesk wird es aber als sie von einer lebensgroßen Puppe angegriffen werden, die Chase brutal überwältigt und Macy entführt.
Zu DOLLY muss man wissen, dass der Film auf eine Netto-Laufzeit von rund 75 Minuten kommt und die Handlung so dünn ist, dass sie unter einer Tür durchkriechen könnte. So etwas wie Spannung oder Anspannung will sich auch nicht einstellen.
Das heißt aber nicht, dass der Film ohne Qualitäten wäre.
Eine weibliche Slasher-Killerin mit Mutterinstinkt: Was DOLLY anders macht
Dass Regisseur Rod Blackhurst, von dem u.a. das Drehbuch und der Kurzfilm zu NIGHT SWIM stammt, auf 16 mm Film statt digital drehen ließ, ist dabei ein erster Hinweis, dass er sich bewusst an der Vergangenheit orientiert und die Einfachheit von Werken wie THE TEXAS CHAIN SAW MASSACRE reproduzieren wollte.
Dann ist DOLLY reichlich brutal, was vor allem Seann William Scott auf eine Weise zu spüren bekommt, bei der uns die Kinnlade runterklappte.
Zuletzt ist Titelfigur Dolly zwar einerseits „nur“ ein weiterer Hüne mit Maske, die Figur ist jedoch eine Frau und wird auch von einer Frau gespielt. Dafür wurde die wenig grazile Wrestlerin Max the Impaler verpflichtet, die die nötige Physis mitbringt, um auch Männer ordentlich aufzumischen.
Während maskierte Slasher-Killer im Horror im Normalfall männlich sind, von Männern gespielt werden und meist die typisch männlichen Beweggründe (töten, zerstören) haben, hat Dolly andere Motive.
Wie ein übergroßes Mädchen spielt sie gerne mit Puppen und da ihr die als Babyersatz nicht mehr reichen, möchte sie Macy als ihr Kind „adoptieren“.
Retro-Look und 16mm-Film: Rod Blackhursts Hommage an die 70er
Das ist erfrischend absurd, sodass man in ein paar Szenen sogar Mitleid empfinden kann, das aber auch rasch wieder im nächsten Blutschwall untergeht. Leider muss man sagen, dass sich Rodhurst damit ein starkes „Monster“ herbeigeschrieben hat, dessen Potential er aber nicht zu nutzen versteht.
Aufgrund eines kleinen Bewegungsradius (Hauptlocation ist ein heruntergekommenes Haus) und weniger Figuren fühlt sich der Film „klein“ an und erinnert hier und da an die Sequenz in GHOSTLAND, als sich die Hauptfigur zwischen Puppen versteckt um dem Gewalttäter mit kindlichem Gemüt zu entkommen.
Der Unterschied besteht darin, dass GHOSTLAND nicht nur aus dieser Szene bestand.
Dass auch die schauspielerische Leistung mäßig ist, tut sein Übriges, aber auch der Einsatz von CGI ziemt sich für einen auf Retro getrimmten Streifen nicht. Fairerweise muss aber dazugesagt werden, dass die meisten Effekte nach praktischer Handarbeit aussehen.
DOLLY ist übrigens die Langfilmversion von Blackhursts eigenem Kurzfilm BABYGIRL, den ihr euch als Teil seiner Kurzfilmsammlung auf YouTube ansehen könnt (gleich am Anfang).
Fazit zu DOLLY
DOLLY ist ein sympathisches B-Filmchen, das unerwarteterweise zu einem deutschen Kinostart kam. Das hätte es nicht zwingend gebraucht und von einem TERRIFIER-artigen Überraschungserfolg ist nicht auszugehen. Parallelen gibt es dennoch (viel Gewalt, wenig Story, wenig Budget) und auch Art, der Clown brauchte ein paar Anläufe, bis er sich etabliert hat. Potential für eine Rückkehr der gewaltigen Killerpuppe wäre jedenfalls vorhanden.
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FAQ
Wie brutal ist DOLLY?
Sehr brutal. Der Film wird von den Machern als Mischung aus New French Extremity und 70er-US-Horror beschrieben – mit explizitem Body-Horror, viel Blut und drastischen Gewaltszenen, die selbst Genre-Veteranen überraschen können.
Wer ist Max the Impaler?
Max the Impaler ist ein ehemaliger NWA-TV-Champion im Wrestling und identifiziert sich als nicht-binär – bekannt als The Non-Binary Nightmare. DOLLY ist das Film-Debüt des Wrestlers in der Titelrolle.
Für wen ist DOLLY geeignet?
Für Fans von TEXAS CHAIN SAW MASSACRE, TERRIFIER oder anderen Backwoods-Slashern der 70er. Wer Plot-getriebene Filme oder subtilen Horror erwartet, ist falsch – DOLLY setzt auf Brutalität und Atmosphäre statt auf Tiefe..










