In POSE treffen Aisling Franciosi und James McAvoy, die im Remake von SPEAK NO EVIL ein bösartiges Ehepaar spielten, erneut aufeinander, diesmal aber unter umgekehrten Vorzeichen, denn während sie einen Popstar auf der Suche nach dem perfekten Coverfoto spielt, gibt er einen Starfotografen mit Erektionsproblemen.
Wie das zusammenpasst, sagen wir euch im POSE-Review.
Die Handlung von POSE
Patricia ist Musikerin, ihr Freund Peter Fotograf. Gemeinsam fahren sie für einige Tage in ein luxuriöses Anwesen, um ein Foto für Patricias neues Plattencover zu schießen.
Dort ist auch der alternde Starfotograf Thomas anwesend, der eine Reihe von Problemen hat, aber zu dem Peter aufschaut.
Und dann sind da noch weitere Personen, von denen jede ihre eigenen Ziele verfolgt.
Die Geschichte, um eine kleine Gruppe einander (teilweise) fremder Menschen, die zusammen ein Wochenende verbringt, ist der von SPEAK NO EVIL gar nicht unähnlich und man kann daher erahnen, weswegen Aisling Franciosi (auch NIGHTINGALE) und James McAvoy (u.a ES: KAPITEL 2, SPLIT) gecastet wurden. McAvoy scheint dabei gleich noch in der Rolle des unangenehmen Hausherren geblieben zu sein, auch ähneln sich beide Filmposter, damit enden die Gemeinsamkeiten aber.
Auch wenn wir uns nicht unkritisch über die SPEAK NO EVIL – Neuverfilmung äußerten, ist dessen Regisseur Frank Watkins (EDEN LAKE, DIE FRAU IN SCHWARZ) mit einem Talent gesegnet, dass der POSE-Verantwortliche Jamie Adams leider nicht besitzt.
Obwohl Adams, von dem auch das Drehbuch stammt, schon rund ein Dutzend Filme abgedreht hat, ist die Mehrzahl wenig bekannt und größtenteils unterdurchschnittlich bewertet. Mit POSE zeigt er warum.
Ein Thriller ohne Thrill
Dabei wollen wir ihm nicht einmal vorwerfen, dass der Vielerorts als Psychothriller deklarierte Film, jeglichen Thrill vermissen lässt. Seine FSK 16-Einstufung dürfte jedenfalls vor allem auf ein paar Sexszenen und Drogenkonsum zurückzuführen sein. Statt Hochspannung gibt esallenfalls Anspannung im Mit- und Gegeneinander der Figuren, die übrigens entweder uninteressant oder unsympathisch sind.
POSE ist eher als Charakterstudie angelegt, die sich aber reichlich verhebt und den eigenen Ansprüchen nicht gerecht wird. Die Kammerspiel-artige Inszenierung hätte (mit oder ohne Thrill) Potential gehabt, dreht sich aber rasch im Kreis und während man wenig Entwicklung der Geschichte erfährt, fehlt die Entwicklung der Figuren entweder ebenfalls oder geschieht sprunghaft.
So ist Patricia in einer Szene beim Abendessen ein eingeschüchtertes Mäuschen, was zu einer Frau, die vor Publikum auftritt nicht passen will und die später im Film nur mit Pianobegleitung einen ihrer Songs schmettert.
Wiedersehen nach SPEAK NO EVIL: McAvoy und Franciosi unter neuen Vorzeichen
Wohlwollende Kritiker nennen POSE Experimentalfilm und wem es ausreicht hier und da kurze Einblendungen alter Fotos zu sehen, der wird hier tatsächlich auf seine experimentellen Kosten kommen.
Dass Figuren plötzlich auftreten als müsse man sie kennen, zuvor aber weder einander noch dem Publikum vorgestellt werden oder McAvoys Figur mit nacktem Oberkörper beim Abendessen sitzt, mag auch irgendwer als Kunst empfinden.
Man sollte aber handwerkliches Unvermögen nicht mit künstlerlichem Anspruch verwechseln, was sich wiederum sehr gut an einer Kameraführung zeigt, die selbst in den vielen ruhigen Szenen permanent wackelt und die Perspektiven in gewöhnlichen Dialogen aufmacht, die dem Zuschauer die Orientierung rauben, wer denn wo am Tisch sitzt.
Was man POSE aber zugestehen muss und tatsächlich nicht alltäglich ist, ist eine Vielzahl von improvisierten Dialogen, die aus einem nur rudimentär ausgearbeiteten Skript entstanden. Eine ähnliche Arbeitsweise ist man bei Kollege Gaspar Noé gewohnt, nur dass dessen Filme meist runder wirken.
Was wirklich schade an POSE ist, ist die Tatsache, dass bei aller Unschärfe eine passable Grundidee in der Figurenkonstellation erkennbar ist, die nur leider schwach vorgetragen wird.
Ein besserer Übungsleiter hätte daraus was machen können, zumal auch dass die Schauspieler nachweislich mehr können und die Location was hermacht.
Fazit zu POSE
Wir können natürlich nicht ausschließen, dass POSE (im Original als TURN UP THE SUN bekannt) wirklich einen geheimen Kunst-Experiment-Arthouse-Anteil hat, der uns verborgen blieb, drei Dinge sind aber unumstößlich:
1. Dies ist kein Thriller
2. Renommierte Schauspieler spielen unglaubwürdig
3. Der Kameramann sollte sich ein Stativ kaufen.
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FAQ
Wie heißt POSE im Originaltitel?
Der internationale Titel lautet TURN UP THE SUN. Der Film feierte 2025 auf dem Tallinn Black Nights Film Festival in Estland Premiere – die deutsche Veröffentlichung läuft unter dem Titel POSE.
Wie wurde POSE gedreht?
Regisseur Jamie Adams nutzte seine bekannte Guerilla-Methode: sechs Drehtage, kein festes Drehbuch, nur ein Story-Outline. Die Dialoge wurden von den Schauspielern improvisiert.
Wer ist Regisseur Jamie Adams?
Jamie Adams ist ein walisischer Filmemacher, der für seine improvisierten Low-Budget-Filme bekannt ist – darunter BLACK MOUNTAIN POETS und ALICE BANKS. Mit POSE arbeitet er erstmals mit einem internationalen Star-Cast.











